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  • 17.12.2009 · 18:21

  • von Dieter Rencken

Stefanovic: "Haben ein Auto und Fahrer"

Der serbische Geschäftsmann Zoran Stefanovic spricht im Interview über seine Pläne, mit dem Stefan-Team 2010 oder 2011 in die Formel 1 einzusteigen

(Motorsport-Total.com) - Viel wird derzeit über das neue Stefan-Team berichtet, das zwar keinen Startplatz für die kommende Saison hat, aber unbedingt in die Formel 1 einsteigen möchte. Hinter dem Projekt steht Zoran Stefanovic, ein Geschäftsmann aus Serbien, der unter anderem in der Rüstungs- und Weltraumindustrie tätig ist.

John Howett und Zoran Stefanovic

Zoran Stefanovic bei einem seiner Treffen mit John Howett von Toyota

Stefanovic ist Chef des AMCO-Konzerns und kann gute Referenzen vorweisen: Unter anderem hat AMCO an der Ariane 5 mitgewirkt und das Design für die Drohnen der Bundeswehr entwickelt. Derzeit steht er in engem Kontakt mit dem ehemaligen Toyota-Formel-1-Team, dessen Überreste er als Basis für seinen eigenen Rennstall nutzen möchte. Im Exklusivinterview mit 'Motorsport-Total.com' spricht er über aktuelle Entwicklungen und seine Zukunftspläne, die offenbar schon sehr weit gediehen sind.#w1#

Gerichtsverfahren gegen die FIA eingestellt

Frage: "Herr Stefanovic, Sie sind im August mit Ihrer Einschreibung bei der FIA gescheitert und haben dann rechtliche Schritte gegen die FIA eingeleitet. Ist dieses Verfahren noch am Laufen oder ist es inzwischen stillgelegt?"
Zoran Stefanovic: "Nein, beim Gerichtsverfahren ging es uns um etwas anderes, nämlich im Grunde genommen um ein Monopol, das ich für unrechtmäßig hielt. Wir waren nicht der Meinung, dass der Einschreibprozess fair war, also haben wir uns beschwert. Danach haben wir aber realisiert, dass das für keinen der Beteiligten gut ist. Also ist es besser, sich dem Geschäft zu widmen und das Gerichtsverfahren nicht weiter zu verfolgen. Seit Anfang September haben wir nichts mehr unternommen."

Frage: "Sie haben Ihre Klage also zurückgezogen?"
Stefanovic: "Ja."

Frage: "Stattdessen arbeiten Sie daran, im März Teil der Startaufstellung zu sein?"
Stefanovic: "Wenn es möglich ist, dann ja. Ich glaube, die Möglichkeit besteht, aber wir behaupten nicht, dass unsere Arbeit bereits getan ist. Wir sind guter Dinge. Sollte es ein anderes der neuen Teams nicht schaffen, könnten wir einspringen. Wenn nicht, dann werden wir 2010 testen und es 2011 wieder versuchen. Wir wollen auf jeden Fall in der Formel 1 involviert sein."

"Uns wäre am liebsten, als 14. Team aufgenommen zu werden." Zoran Stefanovic

Frage: "Sie wollen also unbedingt in die Formel 1 und Sie würden sofort einspringen, sollte eines der anderen Teams aussteigen?"
Stefanovic: "Ja. Uns wäre allerdings am liebsten, als 14. Team aufgenommen zu werden, denn wir wollen nicht, dass jemand wegfällt."

Frage: "Wie ist Ihre Situation mit Toyota, sind Sie da einer Einigung näher gekommen?"
Stefanovic: "Wir können derzeit noch nicht ins Detail gehen, weil wir in den nächsten Tagen noch daran arbeiten werden. Wir sind aber interessiert."

Frage: "Sprechen Sie im Moment mit Toyota?"
Stefanovic: "Ich bin am Samstag und Sonntag ohnehin geschäftlich bei Toyota."

Frage: "Und dabei geht es ums Formel-1-Geschäft?"
Stefanovic: "Ja."

Frage: "So, wie ich es verstehe, sind Ihre Gespräche mit Bernie Ecclestone so weit gediehen, dass Sie aufrücken würden, sollte eines der anderen Teams aus welchem Grund auch immer ausfallen. Ist das korrekt?"
Stefanovic: "Es sieht für mich genauso aus."

Frage: "Laufen auch die Verhandlungen mit der FIA gut?"
Stefanovic: "Ich hoffe es. Warum nicht? Aber wir werden ja sehen, wie die Sache ausgeht."

Frage: "Kommen wir zum kommerziellen Aspekt. Gibt es in Serbien genug Interesse? Glauben Sie, dass Sie in Serbien die notwendige Unterstützung finden können?"
Stefanovic: "Wir haben ausreichend Unterstützung für was auch immer wir machen wollen, was das Geld angeht. Im Moment ist das kein Problem. Die einzige Frage ist der Startplatz. Aber was das Geld angeht, werden wir bis zur offiziellen Bekanntgabe keine Details preisgeben. Nur so viel: Die Finanzierung ist gewährleistet."

Serbische Regierung unterstützt Stefanovic

Frage: "Unterstützt die serbische Regierung Ihr Projekt?"
Stefanovic: "Zu finanziellen Fragen möchte ich derzeit keine Auskunft geben."

Frage: "Das kann ja auch andere Ebenen betreffen, moralische Unterstützung, Empfehlungen und so weiter. Helfen Sie Ihnen da?"
Stefanovic: "Ja, da standen Sie von Anfang an hinter uns. Sie haben vorhin unsere Einschreibung im August erwähnt, aber tatsächlich haben wir das Projekt bereits im Februar in Angriff genommen. Das hat mit Machbarkeitsstudien begonnen und ging weiter mit operativer Planung und so weiter. Wir haben die Leute, die wir brauchen, und wir erkundigen uns gerade nach den Einrichtungen, die wir auch brauchen. Wir sind sehr guter Dinge, dass wir es schaffen werden."

Frage: "Was das Personal angeht, gab es Gerüchte, dass Mike Coughlan für Sie arbeiten könnte. Ist er noch für Sie tätig?"
Stefanovic: "Ja, aber nicht nur er, sondern auch viele andere. Aber auch dazu möchten wir erst mit unserer offiziellen Bekanntgabe Stellung nehmen."

"Wir würden zumindest für 2010 auch in Deutschland eine Basis haben." Zoran Stefanovic

Frage: "Würden Sie von Serbien oder von Deutschland aus arbeiten?"
Stefanovic: "Definitiv von Serbien aus, aber wir würden zumindest für 2010 - vielleicht auch für länger - auch in Deutschland eine Basis haben."

Frage: "Wann werden Sie wissen, ob Sie im März in Bahrain ein Auto auf der Startaufstellung haben werden?"
Stefanovic: "Wir wissen es nicht. Wir rechnen damit, dass wir schon bald etwas bekannt geben werden, sollte es machbar sein. Ich hoffe, dass die Entscheidung bis Mitte Januar fallen wird. Früher wäre natürlich besser."

Frage: "Haben Sie schon einen Motorenvertrag?"
Stefanovic: "Ja. Wir haben alles. Wir haben ein Auto, das jederzeit testen könnte. Einen Reifenvertrag haben wir im Moment noch nicht, aber sollte es mit dem Formel-1-Einstieg klappen, dann wären wir ohnehin gezwungen, Bridgestone-Reifen zu fahren."

Frage: "Möchten Sie noch etwas hinzufügen?"
Stefanovic: "Ja. Ich habe einen deutschen Zeitungsbericht gelesen, der nicht ganz korrekt war. Da war von einem Plan A und einem Plan B die Rede. Plan A ist, 2010 in die Formel 1 einzusteigen. Plan B ist, erst 2011 einzusteigen, aber 2010 mit dem Auto und mehreren Fahrern zu testen. Wir haben bereits Fahrer, aber die werden wir noch nicht bekannt geben. Sollten wir 2010 testen, dann werden wir viel testen, denn wir wären nicht an das Concorde-Agreement und andere Reglements gebunden."

Frage: "Haben Sie auch ein Budget für ein Testjahr 2010, sollte es mit den Renneinsätzen nicht klappen?"
Stefanovic: "Ja."