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Stallregie: Hamilton frustriert - Dennis beschwichtigt

Lewis Hamilton ist sauer, weil er in Monaco nicht gewinnen durfte, Ron Dennis wischt aber alle Verschwörungstheorien vom Tisch

(Motorsport-Total.com) - Bei der Siegerehrung nach dem heutigen Grand Prix von Monaco strahlte nur ein Fahrer so richtig: Fernando Alonso. Felipe Massa hatte nach der enttäuschenden Ferrari-Performance wenig zu lachen, während Lewis Hamilton liebend gerne sein erstes Formel-1-Rennen gewonnen hätte - aber offenbar vom McLaren-Mercedes-Team zurückgepfiffen wurde.

Fernando Alonso vor Lewis Hamilton

Lewis Hamilton durfte Fernando Alonso am Ende nicht mehr angreifen

Der junge Brite hatte im ersten Stint viel Boden auf Alonso verloren, witterte aber seine Chance, weil er eigentlich für fünf Runden mehr Benzin an Bord hatte als sein Teamkollege. Alonso kam im 26. Umlauf zum ersten Stopp, Hamilton wurde im 29. hereingeholt - besonders bitter, weil er in jener Phase extrem schnell unterwegs war und unter Umständen zwei bis drei weitere entscheidende Sekunden gutmachen hätte können.#w1#

Warum musste Hamilton so früh an die Box?

"Ich muss noch mit meinen Ingenieuren reden..." Lewis Hamilton

"Ich muss noch mit meinen Ingenieuren reden. Ich bin sicher, dass eine mögliche Safety-Car-Phase der Grund war, warum sie mich früher reinholten", meinte Hamilton achselzuckend. Zur Erklärung: Wäre das Safety-Car auf die Strecke gekommen, hätten die Führenden wegen der neuen Regel erst dann zur Box gehen dürfen, wenn das Feld hinter ihnen aufgefädelt gewesen wäre - und dadurch wären alle Einstopper nach vorne gerutscht.

Alonso, der während der FIA-Pressekonferenz den Aussagen seines Teamkollegen interessiert zuhörte, lieferte dann aber in einem Einwurf eine andere Erklärung: "Das muss ich aufklären: Beim ersten Stopp kam ich zwei Runden später als geplant herein, weil ich Benzin gespart hatte in der Aufwärmrunde und so weiter. Das sagten sie mir am Funk. Daher war mein Stint auch nur um drei Runden kürzer als der von Lewis", so der Spanier.

Noch einmal roch es nach Stallregie, als Hamilton im letzten Stint extrem schnell zum Führenden aufschloss, der seinerseits von einem Toyota aufgehalten wurde. Hamilton kam bis in Alonsos Windschatten, wagte aber keinen Überholversuch. 'Motorsport-Total.com'-Experte Hans-Joachim Stuck analysierte: "Lewis Hamilton ist der Soldat von General Fernando Alonso! Wenn er Alonso attackiert hätte, wäre Norbert Haug persönlich auf die Strecke gesprungen..."

Teaminteressen wichtiger als Fahrerinteressen

"Hier geht es für die Fahrer darum, schnell zu fahren und uns die Möglichkeit zu geben, den Ausgang zu bestimmen." Ron Dennis

Doch während vor allem die britische Presse wenig Verständnis für den silbernen Nichtangriffspakt zeigte, verteidigte Teamchef Ron Dennis diese Strategie: "In diesem Rennen geht es für die Fahrer nur darum, wirklich schnell zu fahren und uns die Möglichkeit zu geben, den Ausgang zu bestimmen - und das ist mein Job", stellte er klar. Man müsse in Monaco die Teaminteressen in den Vordergrund stellen und habe sich daher für diese Vorgangsweise entschieden.

"Jetzt denken sicher alle, da bin ich mir sicher, dass wir Lewis oder Fernando bevorzugen beziehungsweise bestrafen, aber wir sind sehr gewissenhaft fair in der Art und Weise, wie wir dieses Grand-Prix-Team führen", sagte der 59-Jährige weiter. "Ich mag es nicht, Fahrer einzubremsen und sie zu frustrieren, weil ich ein absoluter Racer bin, aber so muss man in Monaco agieren, wenn man gewinnen will, und dafür werde ich mich nicht entschuldigen."

Hamilton freilich sah das ein wenig anders, auch wenn er gute Miene zum bösen Spiel machte und sich in allen Interviews als echter Teamplayer zeigte. Dass er in Wahrheit gerne die Chance gehabt hätte, frei um den Sieg fighten zu dürfen, war aber daran zu erkennen, dass er bei der Siegerehrung nach vier Podestplätzen en suite mit dem fünften sichtlich weniger Freude hatte, obwohl Platz zwei für einen Rookie in Monaco an und für sich ja ein toller Erfolg ist.

Hamilton sieht sich als Nummer zwei

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton hat nach zweiten Plätzen schon glücklicher ausgesehen als heute Zoom

"Letztlich bin ich ein Neuling. Es ist meine erste Saison und ich wurde Zweiter in meinem ersten Monaco-Grand-Prix, also kann ich mich nicht beschweren. Dass ich ein ähnliches Tempo wie Fernando gehen kann, ist positiv für mich. Aber ich muss eben damit leben, dass ich die Zwei auf dem Auto habe", seufzte er. Und: "Eine richtige Teamorder war es nicht. Sie haben nicht gesagt, dass ich hinter Fernando bleiben soll, aber das Ziel des Teams ist es, so viele Punkte wie möglich zu holen."

Dennis kann diese Aussage seines Schützlings durchaus nachvollziehen: "Ich glaube, Lewis ist verständlicherweise enttäuscht und frustriert. Er wäre aber nicht frustriert gewesen, wenn das Safety-Car zum für ihn richtigen Zeitpunkt auf die Strecke gekommen wäre und er gewonnen hätte", rechtfertigte er sich gegenüber einigen britischen Journalisten in der Diskussion um die zwei fehlenden Runden in der Strategie.

Kein Eingriff in die Weltmeisterschaft

"Lewis hat die gleiche Möglichkeit, die Weltmeisterschaft zu gewinnen." Ron Dennis

Und weiter: "Lewis hat die gleiche Möglichkeit, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Ich wurde in der Vergangenheit ungeheuer dafür kritisiert, einen Fahrer nicht bevorzugt und damit die Chancen auf den WM-Titel reduziert zu haben. Wir werden aber nie einen Fahrer gegenüber einem anderen bevorzugen, ganz egal, wer es ist. Das haben wir nie getan und wir werden es nie tun", gab der Brite zu Protokoll.

Außerdem betonte er, dass der heutige Nichtangriffspakt keineswegs als Standard für den Rest der Saison zu verstehen sei, sondern lediglich für Monaco ausnahmsweise festgelegt wurde: "Es wird Zeiten und Strecken geben, auf denen sie frei fahren dürfen, aber nicht hier. Jeder im Fahrerlager und von der Presse würde sagen: 'Was für ein Idiot ist der McLaren-Teamchef, dass er seine Autos frei fahren lässt und sie sich gegenseitig abschießen?'"

Obwohl Stallregie in der Formel 1 offiziell ja verboten ist, hat McLaren-Mercedes übrigens keinerlei Konsequenzen zu befürchten, denn es ist eine Sache, ein Resultat künstlich zu manipulieren, wie das Ferrari in der Vergangenheit oft gemacht hat, aber eine andere, einen Nichtangriffspakt im Interesse des Teams zu verhängen. Und eines steht sowieso fest: Für Hamilton war es mit Sicherheit nicht die letzte Chance, in Monaco zu gewinnen...

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