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  • 21.09.2011 · 12:53

  • von Stefan Ziegler

Singapur aus Motorensicht: Schrittweise ans Optimum

Die besondere Herausforderung eines Stadtkurses: In Singapur müssen Fahrer und Teams ihre Autos auf die kniffligen Charakteristiken der Strecke einstellen

(Motorsport-Total.com) - Der Große Preis von Singapur ist etwas Besonderes im Kalender der Formel 1 - und das nicht nur, weil die Fahrzeuge dort das einzige Mal pro Saison unter Flutlicht antreten. Der Marina Bay Circuit zählt aufgrund seiner Länge und seiner vielen Kurven zu den schwierigsten Stadtkursen überhaupt und verlangt Fahrzeug und Fahrer entsprechend viel ab. Auch die Motoren sind dort sehr gefordert.

Adrian Sutil

In der Nacht von Singapur sind die Motoreningenieure der Teams gefordert

Für die Ingenieure wie Ricardo Penteado (Renault) heißt dies in erster Linie "umdenken", denn bis zuletzt waren ganz andere Ansätze gefragt. "Nach den zwei Powerstrecken Spa und Monza haben wir es in Singapur mit einem Straßenkurs und relativ niedrigen Geschwindigkeiten zu tun. Eine Runde weist 23 enge Kurven auf. Deshalb ist ein Setup mit hohem Abtrieb gefragt, das Traktion und Grip unterstützt."

"17 der Kurven werden im ersten, zweiten oder dritten Gang genommen. Das bedeutet: Wir brauchen ein Motormapping, das beim Beschleunigen aus diesen langsamen Ecken eine optimale Fahrbarkeit ermöglicht", erläutert der Renault-Ingenieur. "So können sich die Piloten voll auf die Linienwahl konzentrieren und müssen nicht mit einem rutschenden Auto oder verzögerter Beschleunigung kämpfen."


Fotos: Ferrari-Nachwuchstest in Fiorano


Darüber hinaus kommt dem auspuffangeströmten Diffusor im asiatischen Stadtstaat eine große Bedeutung zu, wie Penteado hinzufügt. "In Singapur ist die Nutzung des Auspuffstroms extrem wichtig, um ein stabiles Abtriebsniveau zu erzielen. Der aerodynamische Abtrieb ist hier über die gesamte Rundenlänge gefragt." Der Marina Bay Circuit weist schließlich sehr viele Kurven auf.

Der auspuffangeströmte Diffusor ist Trumpf

"Indem wir den Abgas-Luftstrom gezielt nutzen, bieten wir den Fahrern ein konstanteres Gripniveau, sodass sie beim Einlenken und Herausbeschleunigen ein paar km/h schneller sein können", hält Penteado erklärend fest. "Dieser Vorteil kann sich im Lauf einer Runde auf einige Zehntelsekunden addieren. Wir werden uns also sehr genau mit diesem Bereich der Motorabstimmung befassen."

"Ein Motormapping lässt sich mit einem geschmackvoll komponierten Menü vergleichen." Ricardo Penteado

Überhaupt sind die Motoreningenieure in Singapur gefragt, denn die richtigen Einstellungen fallen den Teams gewiss nicht in den Schoß. Vielmehr ist akribisches Arbeiten erforderlich. Penteado: "Ein Motormapping lässt sich mit einem geschmackvoll komponierten Menü vergleichen. Du hast einige Einstellungen zur Verfügung und stellst sie so zusammen, dass sich eine bestimmte Charakteristik ergibt."

"Dazu erhalten wir zunächst die Daten der Chassis-Ingenieure. Wir schauen uns an, welche Fahrwerks-Abstimmung sie im Kopf haben und welche Geschwindigkeiten sie damit an jedem Punkt der Strecke anpeilen. Dann nehmen wir die Daten vom schnellsten Streckenteil - das ist in Singapur die Zone vor Kurve 7 - und vom langsamsten Teil des Kurses", erläutert der Renault-Ingenieur.¿pbvin|512|4103||0|1pb¿

Das Setup ist "Verhandlungssache"

"Auf Basis der höchsten und tiefsten Geschwindigkeiten berechnen wir die effektivsten Mappings und die Getriebeübersetzungen für diese beiden Extrempunkte. Anschließend simulieren wir einige Runden mit diesen Mappings auf einem Motorenprüfstand in unserer Heimatbasis Viry-Chatillon. Während des Freitagstrainings validieren wir sie oder passen die Einstellungen bei Bedarf an."

"Das Feedback der Fahrer ist immer wichtig." Ricardo Penteado

Das heißt: Möchte der Pilot gewisse Änderungen umsetzen, reagieren die Ingenieure entsprechend. "Das Feedback der Fahrer ist immer wichtig", sagt Penteado und berichtet von 2010: "Voriges Jahr wünschte sich Robert Kubica in Singapur ein weniger aggressives Ansprechverhalten in den Kurven 7, 8, 13 und 14. Also haben wir ein bisschen was an den Settings und Übersetzungen geändert."

"Robert berichtete daraufhin von besserer Traktion in den besagten Streckenabschnitten", erläutert Penteado und merkt abschließend an: "Es handelt sich immer um einen Prozess, bei dem wir uns schrittweise dem Optimum nähern. Je mehr du testest, desto ausgefeilter sind deine Mappings." In Singapur stehen den Teams die üblichen drei Freien Trainings zur Verfügung - dann folgt das Qualifying.

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