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  • 13.09.2006 · 12:56

  • von Franziska Beetz

Schumacher und die dunkle Seite der Macht

Der ehemalige Teamkollege von Michael Schumacher, Martin Brundle, erzählt über weniger rühmliche Szenen aus der Karriere des Rekord-Champions

(Motorsport-Total.com) - Auch nachdem Michael Schumacher bekannt gegeben hat, dass er sich zum Ende des Jahres aus der Königsklasse zurückziehen wird, bleibt eines gleich: Die Geister scheiden sich an dem siebenfachen Weltmeister. "Entweder, man ist für oder man ist gegen ihn", so der ehemalige Formel-1-Pilot und Schumacher-Kollege Martin Brundle gegenüber der 'Times'. Dazwischen gäbe es nichts für Schumacher.

Michael Schumacher

Früher mit Martin Brundle bei Benetton: Michael Schumacher

Der 47-Jährige hat die Karriere des Deutschen über lange Zeit verfolgt. Bereits aus der Zeit vor der Formel 1 weiß er von Schumacher zu berichten. "Wir haben uns zum ersten Mal bei einem Sportwagenrennen in Silverstone getroffen. Er bekam Ärger, weil er auf der Strecke seinen Gurt gelöst hatte. Von diesem Augenblick an war er dafür bekannt, dass er sich immer wieder selbst Ärger bescherte", so Brundle.#w1#

Schnell, fit und furchtlos

"Er hat zum Beispiel das Formel-3-Rennen in Macao gewonnen, weil er gegen Ende des Rennens Mika Häkkinen ausgeschaltet hat. Diese Kontroversen sagen genau so viel über ihn aus wie seine Brillanz", ergänzte er. Nachdem Brundle und Schumacher sich in der Formel 1 1992 als Teamkollegen bei Benetton begegneten, habe sich das Wesen des Kerpeners noch klarer herauskristallisiert. "Er war schnell, fit und furchtlos", schilderte der Brite.

"Ich erinnere mich an einen Tag im Jahre 1992, als wir im Motorhome von Benetton mit Ross Brawn, Rory Byrne, Pat Symonds und Tom Walkinshaw zusammen waren. Das sind Menschen, die alle eine unglaubliche Erfahrung mitbringen", erläuterte Brundle. "Michael hat etwas gesagt, dass schlicht falsch war. Wir haben es ihm erklärt, aber er wollte es nicht akzeptieren." Es habe ihn beeindruckt, wie viel Selbstbewusstsein der Kerpener schon damals besaß.

"Will man überholen, wird man von der Strecke gedrängt"

Dieser Charakterzug sei seit dem häufig offensichtlich geworden, erzählte der ehemalige Pilot. "Er leistet sich auf der Strecke etwas Skandalöses, würde aber nie zugeben, dass er damit falsch liegt. Auch die Mitarbeiter des Teams müssen in allen Dingen mit ihm einer Meinung sein." Dennoch könne man jenseits der Strecke viel Spaß mit Schumacher haben, er unterhalte sich gerne und habe einen stark ausgeprägten Familiensinn, meinte Brundle.

"Auf der Strecke jedoch kann Schumacher nicht zwischen hart aber gerecht und rücksichtslos und ungerecht entscheiden. Das liegt daran, dass er zutiefst davon überzeugt ist, immer im Recht zu sein", wetterte Brundle gegen den Ferrari-Piloten. Will man ihn überholen, wird man von der Strecke gedrängt. Das hat er schon mit mir als seinem Teamkollegen getan. Ähnlich lief es dann bei seinen Titelkämpfen 1994 in Adelaide mit Damon Hill und 1997 in Jerez mit Jacques Villeneuve ab."

Auch in diesem Jahr hatte Schumacher sich Fragliches geleistet, als er im Qualifying zum Grand Prix von Monaco auf der Strecke stehen blieb und den anderen Fahrern des Feldes dadurch die Runde verbaute. "Das alles wird einen Einfluss auf seinen Ruf haben", meinte Brundle. "Es wir immer ein 'aber' geben, wenn man über seine Erfolge sprechen wird. Dieses wird über Generationen weitergereicht werden. Das ist wirklich tragisch."