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Russland-Grand-Prix hängt am seidenen Faden

Nicht nur durch den Krebstod des Veranstalters wackelt der Grand Prix von Russland, der erstmals 2014 in der Olympiastadt Sotschi stattfinden soll

(Motorsport-Total.com) - Im Oktober 2010 gaben Bernie Ecclestone und der damalige Ministerpräsident Wladimir Putin, seit Montag wieder Präsident der Russischen Föderation, grünes Licht für den ersten Grand Prix von Russland. Dieser sollte von 2014 bis 2020 im und rund um das Olympische Dorf der Winterspiele von Sotschi 2014 stattfinden. Doch zwei Jahre vor dem geplanten Premierentermin hängt das Rennen nur noch am seidenen Faden.

Moscow Raceway

Derzeit keine Grands Prix möglich: Der Raceway verfügt nur über eine T1-Lizenz

Einen herben Rückschlag hat das Unterfangen Russland am 15. März erlitten, als Sergej Worobjew in Deutschland an Krebs starb. Der 43-jährige frühere Amateur-Rennfahrer war Geschäftsführer der mit der Veranstaltung des Grand Prix beauftragten Firma Formel Sotschi und als solcher effektiv Promoter der Formel 1 in Russland. Doch seit seinem Tod ist hinter den Kulissen ein Vakuum entstanden, das bisher nicht gefüllt werden konnte.

Derzeit gibt es für die Formel 1 in Sotschi 2014 weder einen greifbaren Ansprechpartner noch eine offizielle Internetseite oder Streckengrafiken - jene Layout-Entwürfe, die im Internet kursieren, dürften zwar grundsätzlich korrekt sein, wurden aber nie von Formel Sotschi autorisiert. Erschwerend kommt hinzu, dass das neue Kabinett Putin nach den Wahlen noch nicht feststeht und somit auch kein politischer Druck aus dem Sportministerium ausgeübt wird.

Olympische Spiele kosten mehr als berechnet

Zudem haben für die russische Regierung die Olympischen Winterspiele 2014, die ebenfalls in Sotschi stattfinden werden, Priorität. Und die Spiele verschlingen eine Menge Geld: War das Budget ursprünglich mit 327,2 Milliarden Rubel (umgerechnet 8,3 Milliarden Euro) kalkuliert, so steht es inzwischen schon bei geschätzten 950 Milliarden Rubel, also dem dreifachen Betrag. Kritische Medien befürchten sogar, dass die Kosten tatsächlich bis zu 1,5 Billionen Rubel betragen könnten.

"Der Bau der Strecke hängt vom Bau der olympischen Sportstätten ab. Die haben für die Regierung nämlich Priorität", erklärt eine mit der Materie vertraute Quelle, die anonym bleiben möchte, gegenüber 'Motorsport-Total.com'. "Niemand kann irgendwelche Fragen beantworten. Das bereitet allen Sorgen. Ich schätze, dass sich inzwischen auch Herr Ecclestone Sorgen macht." Die Nominierung des neuen Sportministers soll das jedoch ändern: "Dann sollte es schneller gehen."

Laut russischen Medienberichten schätzt das internationale Wirtschaftsprüfungs-Unternehmen Deloitte den Verlust des ersten Grand Prix von Russland auf umgerechnet über 40 Millionen Euro. Bis 2020 würde die Formel 1 den Russen einen Verlust von mindestens 65 Millionen Euro bescheren, heißt es. Immerhin gibt es dank des politischen Drucks aus dem Putin-Lager vier Sponsoren, die pro Jahr über zehn Millionen Euro beisteuern würden.

Dabei handelt es sich laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' um den größten russischen Mineralöl-Konzern Lukoil, der auch als Sponsor in den Tourenwagen-Weltmeisterschaft aktiv ist, um die AwtoWAS-Gruppe, besser bekannt durch ihre Marke Lada, die Investmentfirma Basic Element des Oligarchen Oleg Deripaska, und Megafon, eines der drei größten russischen Mobilfunk-Unternehmen, früher auch Sponsor des Renault-Teams.

Moskau statt Sotschi?

Viele fragen sich jedoch, ob Sotschi überhaupt der richtige Austragungsort für den Grand Prix ist. Die Region Krasnodar, gelegen im Kaukasus-Vorland an der Schwarzmeer-Küste, gilt in Russland als infrastrukturell schwache und touristisch nicht besonders attraktive Gegend. Doch wegen der Olympischen Spiele entstehen dort viele Hotels, die nachher leer stehen würden - also sieht man die Formel 1 als Möglichkeit, eine jährliche Auslastung zu schaffen.

Oksana Kossatschenko

Oksana Kossatschenko ist eine mächtige Kraft im russischen Motorsport Zoom

Eine Alternative, die von einigen Mitgliedern der russischen Motorsport-Gemeinde als attraktiver empfunden wird, wäre der 4,070 Kilometer lange Raceway, gebaut von Hermann Tilke, der knapp 80 Kilometer von Moskau entfernt in Wolokolamsk liegt. Noch dieses Jahr gastieren dort die Renault-World-Series, die Superbike- sowie die GT1-Weltmeisterschaft. "Danach wissen wir, ob diese Strecke bereit ist oder nicht", schätzt ein Insider die Formel-1-Chancen ein.

Für den Raceway spricht die Nähe zu Moskau, aber im Gegensatz zu Sotschi, wo wegen der Olympischen Spiele eifrig gebaut wird, gibt es dort keine Infrastruktur direkt an der Strecke, keine Hotels und keinen Helikopter-Landeplatz. Dazu kommt, dass es in Russland gleich zwei FIA-Verbände mit Anspruch auf Motorsport gibt: die Russian Automobile Federation (RAF) und die Russian Federation Auto Sport and Tourism (RFAST). Das nationale Sportmandat liegt derzeit bei der RAF.

Und irgendwo im Hintergrund zieht stets Oksana Kossatschenko mit ihrer Agentur Manuskript die Fäden. Kossatschenko, im Paddock besser bekannt als Managerin von Witali Petrow, verfügt über gute Kontakte zu Präsident Putin und hat unter anderem dessen Formel-1-Test in einem Renault ermöglicht. Allerdings bestreitet sie, dass sie theoretisch auch selbst als Promoter einspringen könnte, sollten alle anderen Stricke reißen.

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