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  • 07.09.2014 · 23:40

  • von Rebecca Friese & Dominik Sharaf

Rosberg: Erst Nervenflattern, dann richtige Reaktion

Nico Rosberg verlor mit seinen zwei Fahrfehlern in Monza wahrscheinlich den Sieg, machte mit seiner Reaktion am Ende aber alles richtig

(Motorsport-Total.com) - Eine weitere Eskalation des teaminternen Duells bei Mercedes blieb beim Grand Prix von Italien aus. Und doch gab es gleich zwei Schrecksekunden in der Garage der Silberpfeile. Nico Rosberg verschätzt sich gleich zweimal beim Einbiegen in die erste Schikane und nimmt den Slalomweg neben der Strecke. Lewis Hamilton kann damit voreiziehen und gewinnen. Geradeaus zu fahren war trotzdem das Beste, was der WM-Führende machen konnte.

Nico Rosberg, Lewis Hamilton

Geradeaus auf Platz zwei - Nico Rosberg verliert in der ersten Schikane Zoom

"Ich hätte die kriegen können - kein Problem", erklärt Rosberg sein Schikanen-Problem. "Aber die Wahrscheinlichkeit, dass mein Reifen eckig gewesen wäre, wäre groß gewesen. Wenn der Reifen spät stehen bleibt, ist es kein Problem. Wenn er aber früh blockiert, dann sind die Kräfte noch groß und der Weg lang. Dann besteht die Gefahr, mit einem zweiten Stopp viel Zeit zu verlieren. Lewis war hinten schnell und ich musste mein Bestes geben."

Einen zweiten Boxenstopp wollte in Monza niemand riskieren. Deswegen fuhr Rosberg auf Schadensbegrenzung die Slalomvariante. "Nach den Erfahrungen aus dem Training, wo ich wegen eines plattgebremsten Reifen wechseln musste, war meine Entscheidung klar. Mir ist das auch in Spa passiert. Mir war nicht klar, ob ich als Konsequenz meine Position verliere."

Wolff überrascht von Rosberg-Fehler

Sein erster Ausritt in Runde neun blieb auch ohne Konsequenzen. Als ihm der Fehler aber in Runde 29 noch einmal unterlief, schlug Hamilton zu. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war überrascht, dass sich die Szene wiederholte hat: "Das war so gar nicht Nico-like, den gleichen Fehler an der gleichen Stelle zweimal zu machen. Es gibt dafür keinen mechanischen Grund. Nico stand verdammt unter Druck. Das wurde sichtbar. Wir haben aber die Bremse nach vorne verstellt, bevor er sich zum ersten Mal verbremst hat. Außerdem gab es die Anweisung an die Fahrer, sich auf keinen Fall einen Bremsplatten einzufahren. Wem das in Monza passiert, der muss an die Box. Und mit zwei Stopps ist man verloren."


Fotos: Mercedes, Großer Preis von Italien, Sonntag


Deswegen ist auch Wolff im Endeffekt froh über die reifenschonende Variante, die Rosberg gewählt hat. "Den Slalom hat er gut gemacht. In seiner zweiten Karriere kann er Slalommeister werden", merkt er schmunzelnd an. Rosberg entgegnet jedoch ebenfalls augenzwinkernd: "Dieser scheiß Slalomkurs. Den müssen sie ändern."

Auch der Technische Direktor Paddy Lowe begrüßt die Reaktion Rosbergs: "Wir hatten beiden Fahrern gesagt, im Falle eines Bremsfehlers den langen Weg zu wählen statt zu versuchen, die Kurve mit blockierenden Rädern zu nehmen. Ein Bremsplatten hätte die Einstopp-Strategie stark beeinträchtigen können. Nico tat also das absolut Richtige - aber es kostete ihn die Führung."

Platz zwei nur halb so schlimm

Doch selbst der Monza-Sieger Hamilton war nur kurz davor, den gleichen Fehler zu begehen: "Auch ich wäre manchmal fast beim Anbremsen geradeaus gerutscht. Zum Glück ist nichts passiert. Am Ende haben mir die Jungs gesagt, ich müsste auf den Bremsdruck an der Front aufpassen. Man kann vorsichtig bremsen, aber dann bekommt man nicht die passenden Temperaturen. Wenn man bei zu kühlen Bremsen auf das Pedal steigt, dann passiert erst einmal wenig. Dann plötzlich geht die Temperatur rapide nach oben und die Räder blockieren. Das ist mir in Kurve eins passiert. Zum Glück habe ich die Kurve gekriegt."


Fotostrecke: GP Italien, Highlights 2014

Dass es am Ende der Brite war, der die Siegertrophäe erhielt, beunruhigt Rosberg noch nicht allzu sehr: "Das Ganze ist weit entfernt von einem Desaster. Es ist ein großartiger Tag für das Team. Mir gefällt der Kampf. Dieses Duell mit Lewis liegt mir. Das ist eine Herausforderung. Aber wenn der Teamkollege ankommt, dann ist es Nervenkitzel."

Und auch Wolff glaubt nicht, dass Rosbergs zukünftig unter dem Druck von Hamilton einbrechen wird: "Ich würde es nicht überinterpretieren. Lewis war schon verdammt schnell. Nach dem Rennen hat er 22 Punkte Vorsprung. Da kann er oft Zweiter werden. So gesehen war das Schadensbegrenzung."

Auch Hamilton nicht ohne Probleme

Hamilton selbst war während des Grand Prix' im Übrigen auch nicht ohne Druck. Der Brite hatte vor allem zu Beginn des Rennens mit Problemen zu kämpfen. "Die erste Belastungsprobe kam, als wir Lewis' Frontflügel in der Startaufstellung wechseln mussten, nachdem dieser einen leichten Schaden davongetragen hatte", erklärt Lowe. Danach folgte ein Problem mit der Start-Elektronik, weswegen er auf Platz vier zurückfiel und eine kleine Aufholjagd starten musste.

"Lewis kann nichts dafür", so Niki Lauda gegenüber 'RTL'. "Das Rennen wurde ihm schwer gemacht. Aber er hat es gewonnen. Da kann man nur gratulieren, denn die Fahrt die er da heute hinbekommen hat, unter Nico und unter diesen Bedingungen hier, mit der Stärke der Williams, war einfach super."

Mercedes hat sich in Monza aus den Negativ-Schlagzeilen herausgefahren und kann sich nun wieder auf die sportlichen Aspekte des Titelkampfes konzentrieren. "Wir haben in Budapest nicht gewonnen", so Lauda. "Dann ging es mit Missmut in die Sommerpause. Dann kamen wir hochmotiviert aus der Sommerpause heraus und es gab wieder kein Resultat. Deswegen ist dieses Rennen für Mercedes so wichtig, weil dieses Momentum wieder da ist. Alle sind jetzt hochmotiviert. Lewis freut sich und Nico auch, denn der zweite Platz ist für seine WM nicht schlecht."