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Rennvorschau Monza: Gewinnt Vettel auf Mercedes-Strecke?

Eigentlich ist Mercedes in Monza Favorit, doch zahlreiche Faktoren sprechen für Sebastian Vettel und Ferrari: Warum sich Hamilton in Monza warm anziehen muss

(Motorsport-Total.com) - Der Titelkampf 2017 spitzt sich zu: Der Grand Prix von Italien hat alle Ingredienzien, um ein Schlüsselrennen zu werden. Kann Lewis Hamilton mit einem weiteren Sieg ausgerechnet im Ferrari-Autodrom in Monza erstmals in dieser Saison die WM-Führung übernehmen? Oder gelingt es der Scuderia nach sieben Jahren endlich wieder in Monza zu gewinnen, obwohl der Kurs eher dem Mercedes liegen sollte?

Sebastian Vettel

Erlöst Sebastian Vettel dieses Jahr die Tifosi nach sieben Jahren Wartezeit? Zoom

Fakt ist: Der Papierform nach müssten die Silberpfeile nach Spa eigentlich auch in Monza siegen, wodurch Hamilton als erster Pilot in dieser Saison zwei aufeinanderfolgende Rennen gewinnen würde. Danach kommt mit Singapur eine Strecke, auf der Ferrari haushoher Favorit ist. "Ich muss diese zwei Siege holen", meinte Hamilton unmittelbar nach der Sommerpause. "Das ist sehr wichtig für mich und für meinen Kampf um die Weltmeisterschaft."

Und Mercedes zog dafür alle Register: Das Weltmeisterteam brachte extra vor dem Grand Prix von Italien noch eine neue Antriebseinheit, denn ab Monza dürfen auf 100 Kilometer nur noch 0,9 statt 1,2 Liter Öl verbrannt werden, was eine Leistungsnachteil nach sich zieht. Ferrari wird mit dem neuen Motor in Monza nachziehen, wodurch man sich für die verbleibenden Rennen einen Nachteil einhandelt. Immerhin aber funktioniert das neue Triebwerk hervorragend, wie Haas in Spa gezeigt hat.

Ferraris dank Update-Offensive eine Gefahr für Mercedes

"Ich habe auch das Gefühl, dass unser Auto insgesamt schneller ist, aber wir müssen uns im Qualifying verbessern." Sebastian Vettel

Mercedes ist gewarnt, denn Ferrari rückte Mercedes in Spa näher als Hamilton lieb war. Die neue Vorderradaufhängung, der neue Frontflügel und der überarbeitete Unterboden sollten den SF70H effizienter machen, damit er auch auf Strecken funktioniert, auf denen nicht nur Abtrieb, sondern auch ein geringer Luftwiderstand zählt. Mit Erfolg, wie der Vergleich mit Silverstone vor der Sommerpause zeigte.

"In Silverstone waren wir im Schnitt fast eine Sekunde weg", blickt WM-Leader Sebastian Vettel zurück. "Wir sind auf dem richtigen Weg, und ich denke nicht, dass wir uns vor irgendeiner Strecke fürchen müssen. Wir haben das Auto speziell im Rennen verbessert." Das wurde auch Hamilton in Spa bewusst: "Wir hatten einfach nicht das Tempo im Rennen. Ihr Auto ist schneller." Und in Monza könnnte auch der neue, für weniger Abtrieb konzipierte Diffusor zum Einsatz kommen, den Ferrari beim Ungarn-Test ausprobierte.


Fotostrecke: Triumphe & Tragödien in Italien

Vettel weiß, dass der Weg zum Sieg über das Qualifying führt: Denn während Hamilton diese Saison bereits sieben Poles holte, befindet sich der Ferrari-Pilot mit zwei Poles klar im Hintertreffen. "Ich habe auch das Gefühl, dass unser Auto insgesamt schneller ist", sagt Vettel. "Aber wir müssen uns im Qualifying verbessern. Wenn sie den Motor aufdrehen, dann bringt ihnen das zumindest drei oder vier Zehntel. Und das macht einen Unterschied." Besonders auf den langen Monza-Geraden. "Wir müssen diesen Trend ändern, dann schaut auch der Sonntag anders aus. So haben sie es ein bisschen zu leicht." Apropos: Holt Hamilton in Monza seine 69. Pole, löst er Michael Schumacher in dieser Statistik endgültig ab.

Wo Ferrari in Monza seine Stärken hat

Doch wie wird sich das spezielle Monza-Layout nun auf das Kräfteverhältnis auswirken? "Es stimmt schon, dass wir auf den Geraden kein schlechtes Auto haben", spielt Hamilton darauf an, dass Monza die Strecke mit dem größten Vollgas-Anteil (75 Prozent) im Kalender ist. "Aber ich denke, dass es sehr eng wird. Vielleicht wie in Spa, vielleicht wird der Abstand größer sein, vielleicht sind sie vorne. Ich weiß es nicht."

Lewis Hamilton, Sebastian Vettel

Lewis Hamilton weiß, dass Vettel und Ferrari in Monza brandgefährlich sind Zoom

Ferrari sollte man in Monza tatsächlich nicht unterschätzen: Denn im Gegensatz zu Spa ist das Verhalten des Boliden auf der Bremse von großer Bedeutung. Eine Stärke von Ferrari, wie Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff weiß: "Monza müsste uns zwar gut liegen, aber der Ferrari ist unheimlich stark auf der Bremse. Und in Monza wird zumindest einmal richtig fest gebremst. Insofern werden sie ein harter Gegner." Und zwar am Ende der langen Start-Ziel-Geraden. Und noch einen Aspekt darf man laut dem Österreicher, dessen Team in den vergangenen drei Jahren in Monza siegte, nicht vergessen: "Der Heimfaktor spielt eine Rolle. Die haben einen zwölften Mann dort. Wir werden uns richtig strecken müssen."

Die Tifosi werden Vettel und Kimi Räikkönen, die ihre Verträge rechtzeitig vor dem Heimspiel verlängert haben, im königlichen Park nach vorne peitschen, denn sie lechzen nach der Erlösung: Seit Alonso Sieg im Jahr 2010 wartet Ferrari auf einen Triumph in der Heimat. Das ist die längste Durststrecke, seit Michael Schumacher Monza im Jahr 1996 nach acht Jahren Pause in ein Tollhaus verwandelte.

Wie bei Vettel-Festspielen 2008: Regen droht

Sebastian Vettel

Vettels Regentanz 2008 ist legendär: Spielt das Wetter auch 2017 verrückt? Zoom

Und auch die Statistik spricht für ein spannendes Wochenende: Sowohl Hamilton als auch Vettel haben bislang drei Monza-Siege auf ihrem Konto. Vor allem der Heppenheimer hat spezielle Erinnerungen an das Ferrari-Autodrom, da er dort 2008 im Toro Rosso bei strömendem Regen sensationell seinen Premierensieg feierte. Und auch dieses Jahr sollte man den Wetterbericht nicht außer Acht lassen: Vor allem an den zwei Trainingstagen sind Gewitter angesagt. Am Sonntag könnte sich das Wetter etwas beruhigen.

Welche Rolle spielen diesmal die Reifen? Pirelli bringt die Mischungen Supersoft, Soft und Medium zum Heimrennen. Das ist eine Stufe härter als in Belgien - Pirelli setzt auf die gleichen Mischungen wie 2016. An den Ultrasoft-Reifen wagte man sich nicht heran, weil die Belastungen durch den zusätzlichen Abtrieb der neuen Boliden größer sind als im Vorjahr. "Außerdem besteht in Monza das Risiko der Blasenbildung, da es viele Bremszonen gibt, in denen das Auto geradeaus fährt", erklärt Pirelli-Manager Mario Isola. "Das bedeutet, dass die Reifenschulter leicht überhitzt und so für mehr Blasenbildung sorgen kann als auf anderen Kursen."

Die Reifen-Nominierungen der Piloten dürften diesmal keine tragende Rolle spielen: Das gesamte Feld hat geschlossen nur je einen Satz der Mischung Medium ausgewählt. Während sich die Mercedes-, Haas- und Force-India-Piloten für drei Soft- und neun Supersoft-Sätze entschieden haben, geht es der Rest mit zweimal Soft und zehnmal Supersoft etwas weicher an.

Sorgen "stehende Wellen" erneut für Wirbel?

Dennoch geht Pirelli wegen der seltsamen Reifenvibrationen in Spa ausgerechnet zuhause in ein ungewisses Wochenende. Dort trauten viele Beobachter ihren Augen nicht, als sogenannte "stehende Wellen" beim Beschleunigen aus der Busstop-Schikane und aus La Source für Schwingungen von bis zu zwölf Hertz sorgten. Das kann durchaus gefährlich sein, wie der dadurch verursache Heckflügelbruch bei Lance Stroll sowie zahlreiche Beschädigungen an den Unterböden zeigten.

Und Pirelli schließt eine Wiederholung nicht aus. "Das ist möglich, denn wir haben harte Bremspunkte, und nach den langsamen Schikanen haben die Autos viel Traktion", sieht Pirelli-Manager Isola Ähnlichkeiten mit Spa. "Wir müssen aber noch verstehen, welche Auswirkungen der Grip und die Beschaffenheit des Asphalts haben. Ich bin nicht sicher, dass es sich in Monza wiederholen wird." Der Grund: Der Asphalt in Monza ist weniger aggressiv und auch die Reifenmischungen sind härter.

Derzeit überprüft Pirelli in der Fabrik in Mailand das Phänomen, das bisher nur auf den Seitenwänden, aber noch nie zuvor auf der Lauffläche aufgetreten ist. "Wir sehen uns die Frequenz der Vibrationen an und werden das weiter untersuchen", verspricht der Italiener. Nachdem beim Belgien-Grand-Prix alles gut ausging, ist er aber sicher, dass sich das Sicherheitsrisiko in Grenzen hält.

Red Bull wegen Gridstrafen zahnlos

Bleibt die Frage, wer Mercedes und Ferrari in Italien gefährlich werden kann. Die Antwort: vermutlich niemand. Red Bull wird auf den langen Geraden nicht nur unter dem PS-Manko leiden, sondern geht auch mit Gridstrafen in das Wochenende.

Max Verstappen, der nach seinem sechsten Antriebsproblem in dieser Saison noch immer sauer ist, blüht eine Rückversetzung um zehn Startplätze, während es Daniel Ricciardo noch schlimmer erwischen dürfte: Beim Australier ist eine Rückversetzung um 20 Plätze zu befürchten, was ihn ans Ende der Startaufstellung zurückwirft. Dem österreichischen Team mit Sitz in Milton Keynes droht also ein schwieriges Wochenende.

Konkurrenzfähig sollte hingegen Force India mit dem Mercedes-Motor sein, aber dort wird das Stallduell zwischen Esteban Ocon und Sergio Perez im Fokus stehen. Werden die beiden Streithähne in Monza tatsächlich von der Box gesteuert und keine Zweikämpfe mehr austragen dürfen? Man darf gespannt sein...

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