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Rennvorschau Baku: Kehrt Mercedes zu alter Stärke zurück?

Das Rennen in Aserbaidschan könnte für Mercedes richtungsweisend sein - Ferrari will in die Erfolgsspur zurückkehren - Herausforderung in diesem Jahr noch größer

(Motorsport-Total.com) - Der Formel-1-Kalender begrüßt einen Neuzugang! An diesem Wochenende steht zum ersten Mal der Große Preis von Aserbaidschan auf dem Plan. Das ist zugegebenermaßen ein bisschen geschummelt, denn bereits 2016 war die Königsklasse auf dem Baku Street Circuit zu Gast - damals allerdings noch unter dem Titel Großer Preis von Europa. Und tatsächlich könnte sich in diesem Jahr (Formel 1 live im Ticker) noch einiges mehr ändern als lediglich der Name des jüngsten Rennens im Kalender ...

Denn während Mercedes im Vorjahr als großer Favorit auf der damals neuen Piste an den Start ging, und den Grand Prix letztendlich auch gewann, ist es in diesem Jahr deutlich schwieriger, einen Topfavoriten auszumachen. "Das Auto ist rein vom Speed her das schnellste im Feld", erklärte Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem jüngsten Sieg in Montreal selbstbewusst gegenüber 'Sky'.

Offen ist allerdings die Frage, ob Mercedes den Speed des W08 in Baku auch auf die Strecke bringen kann. In Kanada klappte das, in Monaco zuvor jedoch nicht. Das Set-up-Fenster, in dem der W08 optimal funktioniert, ist deutlich kleiner als das des Ferrari. Der SF70H mag nicht so schnell sein wie sein silberner Rivale, ist dafür aber auch deutlich weniger "zickig" und funktioniert auf so ziemlich jeder Strecke.

Was das für Baku bedeutet, ist aktuell noch völlig offen. Klar ist allerdings, dass Mercedes den Schlüssel über Sieg und Niederlage am Wochenende selbst in der Hand hat. Funktioniert der W08 wie in Kanada, dürften die Silberpfeile kaum zu schlagen sein. Greift man beim Set-up allerdings ähnlich daneben wie in Monaco, dürfte die Favoritenrolle eindeutig an die Scuderia fallen.

(Mercedes-)Power ist Trumpf

Interessant ist dabei, dass der Baku Street Circuit verschiedene Elemente aus Montreal und Monte Carlo vereint. Es handelt sich - wie Monaco - um einen Straßenkurs, der allerdings auch - wie Kanada - über eine sehr lange Gerade verfügt. "Baku ist eine ganz eigene Strecke", weiß auch Sebastian Vettel und erinnert bei 'Sky': "Wir waren erst einmal dort. Im Vorjahr haben wir uns bis zum Rennen schwer getan."


Fotos: Großer Preis von Europa, Sonntag


Zwar wurde der Deutsche im vergangenen Jahr Zweiter, um den Sieg konnte er damals allerdings nicht kämpfen. "Dieses Jahr sind die Voraussetzungen glaube ich ein bisschen anders - es sollte schon gehen", gibt sich der WM-Spitzenreiter optimistisch. Die 2,2 Kilometer lange Start-Ziel-Gerade dürfte allerdings ein großer Pluspunkt für Mercedes sein - vor allem im Qualifying.

Dort können die Silberpfeile ihre Motorleistung bekanntlich noch einmal deutlich aufdrehen. Und wie wichtig die Power an diesem Wochenende generell ist, beweist ein Blick auf das Ergebnis des Vorjahres: vier der ersten sechs Plätze gingen an Autos mit Mercedes-Antrieb im Heck. Mithalten konnten lediglich die beiden Werks-Ferraris, für die Honda- und Renault-Teams gab es (fast) nichts zu holen.

Herausforderung für Fahrer größer

Unter normalen Umständen dürfte in diesem Jahr also alles auf einen weiteren Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari hinauslaufen. Und weil für das gesamte Wochenende in Baku auch kein Regen vorhergesagt wird, können die anderen Teams lediglich darauf hoffen, dass ein Safety-Car die Reihenfolge etwas durcheinanderbringt. Das ist auf dem engen Kurs allerdings keinesfalls so selbstverständlich, wie es auf den ersten Blick aussieht.

Baku

Auch 2017 müssen sich die Autos wieder durch die Altstadt quetschen ... Zoom

Zwar endete das GP2-Rennen im Vorjahr im totalen Chaos, in der Königsklasse gab es während der gesamten 51 Runden aber keine einzige Safety-Car-Phase. "Bestimmt haben heute viele Leute Geld verloren, weil sie auf ein Safety-Car gewettet haben", witzelte Vettel damals. Tatsächlich dürften die Chancen auf einen Einsatz von Bernd Mayländer in diesem Jahr aber noch einmal etwas besser stehen als 2016.

Weil die Autos in diesem Jahr schwieriger zu fahren und vor allem breiter sind, scheinen Zwischenfälle im Rennen fast unvermeidbar. Vor allem die enge Kombination ab Kurve 8, die die Piloten in die Altstadt von Baku führt, scheint geradezu prädestiniert für einen großen Unfall. An anderen Stellen der Strecke, wie zum direkt Beispiel in Kurve 1, gibt es hingegen großflächige Auslaufzonen. So endet nicht jeder Verbremser direkt in der Mauer.

McLaren droht nächste "peinliche" Schlappe

Tatsächlich dürften die meisten Fans die Erstauflage des Rennens eher als Langweiler im Gedächtnis behalten haben - sofern man sich rund ein Jahr später überhaupt noch daran erinnern kann. Lewis Hamilton dürfte jedenfalls versucht haben, den Grand Prix 2016 so schnell wie möglich zu vergessen. Zunächst zerlegte der Brite seinen Silberpfeil im einem völlig verkorksten Qualifying, und auch im Rennen kam er einen Tag später nicht über Platz fünf hinaus.

Noch schlechter lief es im Vorjahr für die beiden Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo und Max Verstappen, die die Zielflagge nur auf den abgeschlagenen Plätzen sieben und acht sahen - mit mehr als einer Minute Rückstand auf Rennsieger Nico Rosberg. Zwar wurde der Renault-Antrieb in diesem Jahr verbessert, doch im Kampf um den Sieg dürften die Bullen - trotz Podest in Montreal - aufgrund der langen Geraden ein klarer Außenseiter sein.

Bei McLaren dürfte man währenddessen wohl bereits froh sein, das Rennen überhaupt halbwegs akzeptabel über die Bühne zu bringen. Mit dem unterlegenen Honda-Motor, dessen Leistung Fernando Alonso bereits als "peinlich" bezeichnete, waren die Piloten in diesem Jahr auf den Geraden regelmäßig dankbare "Opfer" für die Gegner. Auf der Monstergeraden in Baku dürfte sich das nur noch verschlimmern.

Force India erneut "Best of the Rest"?

Hoffnung macht lediglich, dass Hondas Motorenchef Yusuke Hasegawa gegenüber japanischen Medien verraten hat, dass man in Baku ein Update für den Antrieb bringen möchte. Doch wie groß das Upgrade ist, und ob es wirklich eine Leistungssteigerung bringt, darüber kann aktuell nur gerätselt werden. Ein kompletter Wechsel der Power-Unit würde übrigens für beide McLaren-Piloten eine Gridstrafe nach sich ziehen.

Sergio Perez

Sergio Perez schaffte es bei der Premiere 2017 als Dritter auf das Podium Zoom

Gute Erinnerungen an die Baku-Premiere haben hingegen Sergio Perez und Force India. Der Mexikaner landete 2016 als Dritter auf dem Podium, und nach dem starken Auftritt in Kanada dürfte auch an diesem Wochenende wieder mit Mallya-Truppe zu rechnen sein. Hoffnungen darf sich - dank Mercedes-Power - auch Williams machen, während dem Renault-Werksteam und Toro Rosso die gleichen Schwierigkeiten wie Red Bull drohen.

Für Sauber dürfte sich der Vorjahresmotor von Ferrari ebenfalls als zu großes Handicap erweisen. Mehr Chancen auf ein paar Punkte hat da schon Haas. Die US-Truppe hat den aktuellen Ferrari-Antrieb im Heck und konnte in der bisherigen Saison mit Ausnahme des Auftakts in Melbourne und des Rennens in Sotschi immer punkten. Und im engen Mittelfeld muss man in diesem Jahr auch jeden Chance nutzen.

Vorentscheidung schon im Qualifying?

In Baku bedeutet das auch wieder einmal, bereits im Qualifying schnell zu sein. Das Überholen dürfte auf dem engen Straßenkurs, an dessen Layout sich im Vergleich zur Premiere nichts verändert hat, nämlich erneut sehr hart sein. Eine Möglichkeit bieten natürlich die beiden Geraden samt DRS-Zonen. Doch davon abgesehen dürfte es - wie so oft in diesem Jahr - schwierig werden.


360 Grad: Eine Baku-Runde mit Daniil Kwjat

Der Russe Daniil Kwjat fährt im Toro-Rosso-Simulator eine Runde auf dem Straßenkurs in Aserbaidschan, auf dem die Formel 1 zum zweiten Mal gastiert Weitere Formel-1-Videos

Und auch in Sachen Strategie dürfte es in Aserbaidschan nicht viel Spielraum geben. Wie auch schon im Vorjahr bringt Pirelli die Mischungen, Supersoft, Soft und Medium mit ans Kaspische Meer. Und nachdem damals bereits alle Toppiloten mit einem Boxenstopp (je einmal Supersoft und Soft) über die Runden kamen, dürfte der Trend in diesem Jahr noch klarer in Richtung Einstoppstrategie gehen.

Das zeigt sich auch bei der Reifenwahl der Teams für das Wochenende. 16 der 20 Piloten nehmen lediglich einen Satz Medium-Pneus mit nach Baku, da allgemein davon ausgegangen wird, dass diese Mischung bereits zu hart für den Straßenkurs ist. Hoch im Kurs steht dagegen der weichste Reifen (Supersoft), von dem jeder Fahrer mindestens acht Sätze eingepackt hat.

Neuer Topspeed-Rekord eher unwahrscheinlich

Interessant wird die Frage, welche Geschwindigkeiten die Autos in diesem Jahr erreichen. Zwar sind die neuen Boliden insgesamt schneller als 2016, doch die Zeit gewinnen sie vor allem in den Kurven, während sie auf den Geraden in der Regel etwas langsamer sind. So dürfte der Bestwert von Valtteri Bottas aus dem Vorjahr nicht mehr erreicht werden. Im Williams war der Finne im Qualifying mit rekordverdächtigen 378 km/h unterwegs.

Noch größer ist natürlich die Frage, wer den Baku Street Circuit am Sonntag als WM-Spitzenreiter verlassen wird. Durch seinen Sieg in Kanada hat Lewis Hamilton den Rückstand auf Sebastian Vettel auf zwölf Zähler verkürzt, und in der Konstrukteurs-Wertung ist Mercedes durch den ersten Doppelsieg des Jahres sogar an Ferrari vorbeigezogen - acht Punkte liegen die Silberpfeile nun wieder vorne.

Und vor allem dürfte das Rennen Aufschluss darüber geben, ob Mercedes wirklich wieder zurück in der Form der Weltmeisterjahre ist - oder ob der Doppelsieg in Kanada zuletzt lediglich ein Ausreißer nach oben war. Eine Sache steht übrigens jetzt schon fest: Weil Premierensieger Nico Rosberg nicht mehr mit dabei ist, wird es auf jeden Fall einen neuen Gewinner in Baku geben ...

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