powered by Motorsport.com
  • 24.07.2010 · 10:20

  • von Roman Wittemeier

Renault: Petrov muss sich strecken

Renault-Teamchef Eric Boullier erklärt, was Vitaly Petrov zur Sicherung seines Cockpits leisten muss: Mehr Ruhe, mehr Konstanz

(Motorsport-Total.com) - Wer in der Formel 1 für das kommende Jahr noch ein gutes Cockit sucht, hat wohl nur bei Renault eventuell entsprechende Chancen. Robert Kubica ist nach seiner Vertragsverlängerung bei den Franzosen gesetzt, aber der Platz von Rookie Vitaly Petrov wackelt gewaltig. Teamchef Eric Boullier macht kein Geheimnis aus seiner Erwartung, dass der Russe mehr leisten muss, um auch im kommenden Jahr für sein Team fahren zu dürfen.

Vitaly Petrov

Vitaly Petrov bekommt von senem Renaul-Team mehr Zeit eingeräumt

"Vitaly hat grundsätzlich ein gutes Talent", beschreibt Boullier gegenüber 'Autosport'. Das Potenzial des Russen könne man zwar nicht anhand der Punktetabelle ablesen, aber im Team durchaus erkennen. "Im Training oder in Q1 ist er oft nah an Robert, aber er bringt die Punkte nicht heim. Wir haben ihm daher gesagt, dass er auf Konstanz wert legen muss. Statt sich an Robert zu orientieren, sollte er ruhig drei Zehntel langsamer fahren, dafür aber konstant in Q3 einziehen."#w1#

Der Teamchef gibt dem Rookie eine Anleitung zum Erfolg. "Wenn er aus den Top 10 startet, dann kann er auch Punkte holen. Das ist ein realistischer Ansatz. Ich kann von einem Rookie nicht erwarten, dass er auf dem Niveau von Robert agiert. Aber wenn Robert mal Erster ist, dann darf er auch nicht außerhalb der Top 6 sein. Einem Rookie gestehen wir aber durchas einen Rückstand von drei oder vier Zehntelsekunden ein. Er muss erstmal Fehler reduzieren und konstanter werden."

Petrov ist also bewusst, dass sein Team mehr von ihm erwartet. "Ich setze mich aber nicht unter Druck", reagiert der Formel-1-Neuling gelassen. "Sie wollen einfach nur, dass ich weniger Fehler mache. Sie sagen mir, was gut und was schlecht ist. Und sie helfen mir." Der Russe sieht das Qualifying als Schlüssel für eine positive Zukunft. "Das Rennen ist auch wichtig, aber wenn ich mich gut qualifiziere, dann kommen die Ergebnisse von ganz allein."

Der junge Pilot aus Wyborg muss im Vergleich zu seinen Vorgängern bei Renault unter schwierigen Bedingungen agieren. Piloten wie Heikki Kovalainen oder Nelson Piquet durften reichlich Testkilometer abspulen, bevor sie mit den Franzosen in die Königsklasse kamen. Petrov holte bisher nur 7,23 Prozent der Punkte von Kubica, Piquet damals fast 25 Prozent der Punkte von Fernando Alonso. Dieser Vergleich ist angesichts der mangelnden Testfahrten für den Russen natürlich ungerecht.


Fotos: Vitaly Petrov, Großer Preis von Deutschland, Freitag


"Es geht nur um Erfahrung. Man muss erstmal lernen, wie sehr man im Qualifying mit leeren Tanks und frischen Reifen angreifen kann", sagt der 25-Jährige, der in der Saisonvorbereitung nicht eine einzige Qualifying-Simulation abspulen durfte. Er selbst sieht sich nahe am Ziel: "Es geht um zwei Zehntelsekunden vielleicht. Das ist doch fast gar nichts. Ich kann von Robert gut lernen. Ich schaue mir die Daten an, aber ich brauche einfach etwas mehr Zeit."

Diese Zeit gibt man Petrov bei Renault. Von einer kurzfrsitigen Ablösung ist bislang keine Rede, der Youngster wird die Saison beenden dürfen. "Er entdeckt die Formel 1 aktuell noch", sagt Boullier. "Alle sagen, dass er doch nun schon zehn Rennen gefahren ist. Aber man muss bedenken, dass all diese Rennen auf unterschiedlichen Strecken bei verschiedenen Bedingungen gefahren wurden. Erfahrung ist so wichtig, wenn es um die letzten ein oder zwei Zehntelsekunden geht."

"Man darf nicht so hart mit ihm ins Gericht gehen", mahnt der Teamchef. Auch Boullier verweist an mangelnde Testchancen. "Wenn er es nicht in Q3 schafft, dann lag es an mangelnder Erfahrung oder zu viel Druck. Das sollte natürlich nicht so sein. Er kann das. Wer es in Q1 kann, der kann es auch in Q2. Da muss er sich dann durchsetzen, aber er kann das bestimmt. Wichtig ist, dass er das Vertrauen findet, um in Q2 sofort eine schnelle Runde hinzubekommen."