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Red Bull und Renault: Attacke ohne große Wirkung

1,6 Millionen Euro pro WM-Punkt: Red Bull investiert massiv in die Aufholjagd - Renault-Updates bringen Standfestigkeit, aber keine zusätzliche Leistung

(Motorsport-Total.com) - Die Gerüchte um einen möglichen Ausstieg von Red Bull aus der Formel 1 haben sich über Monate gehalten. Angesichts der Notlage, für die kommende Saison keinen konkurrenzfähigen Antrieb bekommen zu können, hatte Unternehmenschef Dietrich Mateschitz mehrfach angedeutet, dass er einen Abschied aus der Grand-Prix-Szene in Erwägung ziehen könnte. Doch danach sieht es beim Blick auf die nackten Zahlen gar nicht aus.

Red Bull Renault

Red Bull und Renault arbeiten wieder harmonischer zusammen Zoom

Red Bull hat sein Investment mit dem Wechsel des Antriebsreglements sogar erhöht. In der Saison 2014 gab die Mannschaft aus Milton Keynes insgesamt 203,6 Millionen Britische Pfund (umgerechnet rund 290 Millionen Euro) aus. Da Insider davon ausgehen, dass sich die Summe im laufenden Jahr nicht reduziert hat, bedeutet dies, dass Red Bull (aktuell 178 WM-Zähler) bis zum vorletzten Rennen des Jahres circa 1,6 Millionen Euro pro errungenem WM-Punkt investiert hat.

Auch die aktuellen Vorgänge zusammen mit dem (Noch-) Antriebpartner Renault deuten nicht auf einen baldigen Ausstieg hin. Im Gegenteil: Gemeinsam mit den Franzosen unternimmt man wieder gemeinschaftliche Anstrengungen, um auf sportlicher Seite voranzukommen. Im Grand Prix von Brasilien am vergangenen Wochenende kam im Fahrzeug von Daniel Ricciardo eine neue Ausbaustufe zum Einsatz. Man nahm sogar eine Strafversetzung des Australiers in Kauf.

"Die Strafe war die neue Antriebseinheit nicht wert", sagt Ricciardo jedoch entnervt. "Wir mussten es machen, um einige Daten zu gewinnen." Die Erkenntnisse aus dem Betrieb der veränderten Aggregate sind ernüchternd. Er sei "in keinem Streckenabschnitt schneller" gewesen als Teamkollege Daniil Kwjat, berichtet Ricciardo. "Wir müssen Renault die Chance zum Feintuning geben, aber im Moment zeigen sich keine Verbesserungen."


Fotostrecke: F1 Backstage Sao Paulo

"Was uns fehlt ist Leistung. Mit mehr PS wären wir super", schildert Kwjat seine Sicht der Lage. Bei Renault hatte man sich auf einen sichtbaren Fortschritt eingestellt, der jedoch ausblieb. "Wir wissen, dass wir noch mehr Performance abrufen müssen", gibt Renault-Ingenieur Matthieu Dubois offen zu. "Zumindest haben sich alle neuen Maßnahmen positiv auf die Standfestigkeit ausgewirkt." Motorenchef Remi Taffin ergänzt: "Leider kam nicht erwartete Leistungsschub. Aber die Daten werden uns helfen, das Potenzial abzurufen."

Auch wenn Ricciardo und Kwjat durchaus immer noch ihren Frust artikulieren: Im Fahrerlager von Interlagos war deutlich zu spüren, dass die Chemie zwischen Red Bull und Renault wieder besser passt. Im Hintergrund arbeitet man an einem Plan, die Zusammenarbeit 2016 fortzusetzen - allerdings dürfte der Renault-Antrieb im RB12 dann einen anderen Namen tragen. Im TV ist zu beobachten, dass Renault-Werbespots mit Red-Bull-Beteiligung wieder häufiger gesendet werden.