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Ralf Schumacher kritisiert Kalender: Bild, Bunte & Co. haben die Formel 1 "belebt"

Ralf Schumacher findet, dass die Formel 1 weniger Rennen fahren und dafür wieder mehr testen sollte, und liest kaum noch Motorsport in Bild-Zeitung & Co.

(Motorsport-Total.com) - Ralf Schumacher findet, dass die Formel 1 mit der Expansion des Terminkalenders auf 24 Rennen (für 2024 geplant) einen Schritt zu weit gegangen ist. Einerseits, weil gerade mit "brutalen" Doppelterminen wie Las-Vegas-Abu-Dhabi am Saisonende 2023 sowohl einige Fahrer als auch viele Mechaniker "überfordert" seien; andererseits aber auch, weil 24 Rennwochenenden für die Zuschauer womöglich "inflationär" sein könnten.

Titel-Bild zur News: Ralf Schumacher

Ralf Schumacher findet, dass 24 Rennen pro Formel-1-Saison zu viel sind Zoom

Das größte Thema, sagt Schumacher, als Sky-Experte 2023 bei "14 oder 15" Rennwochenenden selbst vor Ort, sei Las Vegas gewesen, mit einem in die tiefste Nacht verlegten Zeitplan, der "so verrückt und brutal war, dass es jeden mitgenommen hat. Ich kenne keinen, der jetzt nicht irgendwie krank oder erkältet wäre nach dieser Reise."

So intensive zwei Wochen am Ende einer strapaziösen Saison sei "einfach zu viel" gewesen, sagt er in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de, "und ich hoffe, dass das auch oben ankommt. Stefano Domenicali, der ja so ziemlich alles kennt in der Formel 1, weil er da groß geworden ist im Motorsport, nimmt das hoffentlich ernst und versucht, eine Lösung zu finden."


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Doch während Fahrer und sonstige Mitarbeiter der Formel 1 immerhin wissen, worauf sie sich einlassen, sieht Schumacher langfristig auch die Gefahr, dass das Publikum übersättigt werden könnte. Seiner Meinung nach wären "18 bis 20" Rennwochenenden pro Saison, durchaus mit ein paar F1-Sprints, ein optimaler Formel-1-Kalender.

Ihm hätten viele Bekannte erzählt, dass sie die Formel 1 kaum noch verfolgen können: "Ich sehe ein bisschen die Problematik, wenn Vater oder Mutter, die gern Formel 1 schauen, die Familie überreden müssen, uns mit Vorberichten drei bis vier Stunden zu verfolgen, und das 24 Mal im Jahr. Da gehen einige Wochenenden drauf, und da kann ich schon verstehen, dass es Diskussionen gibt."

Würden weniger Rennen und mehr Tests helfen?

Zumal so viele Renntermine seiner Meinung nach unschöne Begleiterscheinungen mit sich bringen. Zum Beispiel, dass die Tests im Gegenzug enorm eingeschränkt wurden, was a) für junge Nachwuchsfahrer eine negative Entwicklung ist und b) auch dazu führt, dass die Berichterstattung über die Formel 1 sich zunehmend auf die Rennwochenenden fokussiert.

"Ich fände es besser, wir fahren weniger Rennen und testen dann wieder, damit die Formel 1 im Winter oder auch mal unter der Woche stattfindet, so wie früher, auch in den Nachrichten", schlägt Schumacher vor. Und er bedauert: "Wir haben fast keinen Boulevard mehr. Zumindest aus deutscher Sicht kann man das so sagen."

Was er damit meint: Gab es früher an rennfreien Wochenenden oft große Interviews oder Storys zum Beispiel in den Sonntagszeitungen, durch die das Publikum Bezug zu den Helden ihres Sports herstellen konnte, ist das Thema Formel 1 inzwischen so übersättigt, dass die reichweitenstarken Medien immer weniger Platz dafür zur Verfügung stellen.

"Es gibt ja nur noch Fachmagazine, ein bisschen vielleicht die Bild-Zeitung", stellt Schumacher, eigenen Angaben nach "kein Fan der Bild", fest. Die Berichterstattung von Bild, Bunte & Co. sei "verschwindend gering" geworden "im Verhältnis zu früher, und das war natürlich, weil die Formel 1 auch so ein bisschen mehr gelebt hat".

Zwar versuchen Fahrer und Teams, die entstandenen Lücken mit ihrem eigenen Free-Content auf Instagram & Co. zu stopfen, "aber das kommt irgendwie nicht so richtig an", nimmt Schumacher wahr. Deshalb findet er es "ein bisschen schade, dass wir nicht mehr testen und dafür nur noch Rennen fahren".

Ralf Schumacher: "Wen reißen wir noch mit?"

"Wen reißen wir mit 24 Rennen noch mit? Welche Sponsoren respektive wie viele Zuschauer wollen das noch so oft sehen? Da bin ich der Meinung, ist es eher inflationär geworden", sagt der 182-fache Grand-Prix-Teilnehmer - der auch genau weiß, warum der Kalender so weit aufgeblasen wurde: "Letztendlich geht es da um Geld. Um viel Geld."

Wobei: Er sei zwar "kein Businessfachmann", stellt Schumacher klar, aber "es gab Stimmen, die gesagt haben, die Formel 1 hat mal in gewissen Teilbereichen mehr pro Grand Prix verdient und musste dann eben die Anzahl der Grands Prix ausweiten, um den Umsatz zu generieren, um eben auch am Aktienmarkt bestehen zu können".

Unabhängig von den Motiven seien 24 Rennen pro Saison aber allein schon deswegen zu viel, findet Schumacher, "weil irgendwann unsere Zuschauer einfach mal sagen: 'Du, pass auf, jetzt geht's mal nicht, weil wir haben eine Familienfeier, wir haben eine Hochzeit, und wir können nicht immer Formel 1 gucken.'"

Das ganze Interview mit Ralf Schumacher (10:51 Minuten), in dem er auch verrät, ob er 2024 als Formel-1-Experte bei Sky weitermacht oder nicht und erklärt, wie die Strapazen der Saison ihm selbst und seinen Sky-Kollegen zugesetzt haben, gibt's jetzt auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de zu sehen. (Kanal jetzt kostenlos abonnieren und kein neues Video mehr verpassen!)