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Rätsel RB9: Dank vernetztem Fahrwerk haushoch überlegen?

Seit der Sommerpause dominiert Red Bull die Formel 1: Wie die Pirelli-Änderungen dem Fahrwerk des RB9 möglicherweise zum Durchbruch verholfen haben

(Motorsport-Total.com) - Bis zur Saisonmitte schien die Formel-1-WM 2013 ein offener Kampf zu sein, doch nach der Sommerpause sah die Konkurrenz plötzlich kein Land mehr gegen Red Bull und Sebastian Vettel. Alex Wurz rümpfte bereits nach dem ersten Trainingstag in Spa-Francorchamps die Nase und rätselte: "Red Bull muss irgendwas gefunden haben - die sind plötzlich viel schneller."

Mark Webber

Wie auf Schienen: Liegt der RB9 wegen des vernetzten Fahrwerks so gut? Zoom

Und genau so war es: Vettel schien mit seinen Gegnern zu spielen, gewann seit Ende August alle Grands Prix in der Formel 1 und sicherte sich in Indien vorzeitig den WM-Titel. Die Rivalen tappen währenddessen im Dunkeln und fragen sich, was Red Bull plötzlich so schnell machte. "Die haben im Handumdrehen mehrere Zehntel gefunden", wundert sich Nico Rosberg gegenüber 'auto motor und sport'. "Wir arbeiten Tag und Nacht, um ein Zehntel besser zu werden."

Red-Bull-Leistungsexplosion sorgt für Rätselraten

Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Markos Antwort gegenüber 'ServusTV': Man sei in der Sommerpause so stark geworden, "weil wir zwar die Fabrik schließen, aber nicht die Gehirne ausschalten. Und ein Sebastian Vettel kommt dann immer dermaßen motiviert zurück, während andere schon die Strapazen der Saison spüren. Er wird immer stärker und stärker. Ich glaube, daran zerbricht die Konkurrenz."

"Die haben im Handumdrehen mehrere Zehntel gefunden. Wir arbeiten Tag und Nacht, um ein Zehntel besser zu werden." Nico Rosberg

Dennoch ist es offensichtlich, dass auch Vettels Bolide einen enormen Anteil an der Steigerung hatte. Wo genau das Geheimnis des RB9 versteckt ist, weiß Rosberg aber nicht: "Es lässt sich kein Trend erkennen, außer dass wir in der zweiten Saisonhälfte auf der Geraden viel Zeit verlieren. Die Red Bull sind dagegen überall schnell." Und das, obwohl die "Silberpfeile" über den vermutlich leistungsstärksten Motor im Feld verfügen und der Red-Bull-Bolide nicht gerade für seinen guten Top-Speed bekannt ist.

Rosberg schließt nicht aus, dass der Wechsel der Pirelli-Reifenkonstruktion auch seinen Anteil an der plötzlichen Leistungsexplosion Red Bulls hatte: "Die neuen Reifen kamen genau in dem Augenblick, in dem auch Red Bull zugelegt hat." Wie sich die Pirelli-Änderung auf den Fahrstil ausgewirkt hat? "Der Hinterreifen wurde stärker, der Vorderreifen schwächer. Du kannst in der Qualifikation nicht mehr so attackieren. Wenn du langsamer in die Kurven fährst, bist du schneller. Dazu musst du dich zwingen."

Absorbiert Red Bulls vernetztes Fahrwerk auch Rollbewegungen?

Eine andere Theorie besagt, dass das Geheimnis im Fahrwerk des RB9 versteckt sein soll. Stardesigner Adrian Newey hat bereits zugegeben, dass man auf ein hydraulisch vernetztes Fahrwerk setzt. Dieses verbindet alle vier Aufhängungen über eine zentrale Ausgleichsfeder, damit das Auto nicht aufschaukelt und die Ingenieure verschiedene Abstimmungs-Optionen für Kurveneingang, -mitte und -ausgang haben.

Mark Webber

Immer wieder nutzte Red Bull FloViz-Farbe, um neue Entwicklungen zu verstehen Zoom

Damit ist Red Bull aber nicht das einzige Team, denn auch Mercedes experimentierte bereits im Vorjahr mit dem sogenannten FRIC-System (Front-and-Rear-Interconnected), dieses Jahr ist es bei den "Silberpfeilen" fix in die Konstruktion des Boliden integriert. Auch bei anderen Rennställen soll es bereits Standard sein.

Was das Red-Bull-System aber laut 'auto motor und sport' unterscheiden soll: Während die Konkurrenzprodukte nur das Schaukeln nach vorne und hinten abfangen, funktioniert die Lösung des Weltmeisterteams angeblich auch über die Längsachse, also quer - das sogenannte Rollverhalten.

Vernetztes Fahrwerk wie gemacht für Red Bull RB9

Dadurch könnte die Traktion beinahe wie durch die Nutzung einer aktiven Radaufhängung verbessert werden - dass genau das eine der Stärken Red Bulls darstellt, ist bekannt. Zudem würde ein derartiges hydraulisch vernetztes Fahrwerk vor allem der Philosophie des RB9 entgegenkommen, der wie seine Vorgänger hinten angestellt ist, um den Effekt des Unterbodens bestmöglich zu nutzen.

"Wer wie Red Bull an der Hinterachse mit viel Federweg fährt, zieht noch mehr Nutzen aus einem vernetzten Fahrwerk." Andy Green

"Wer wie Red Bull an der Hinterachse mit viel Federweg fährt, zieht noch mehr Nutzen aus einem vernetzten Fahrwerk, weil die großen Ausschläge in dem geschlossenen System mehr Spielraum beim Nivellieren des Autos geben", bestätigt Force Indias Technikchef Andy Green gegenüber 'auto motor und sport'. "Je mehr sich die Dämpfer und Stabilisatoren bewegen, umso mehr Energie kann an anderer Stelle im Kreislauf dazu verwendet werden, das Gegenteil zu tun."

Pirelli-Änderungen als Auslöser für den Durchbruch?

Da das System als komplex gilt, könnten die Reifenänderungen Red Bull diesbezüglich zum Durchbruch verholfen haben: Die Pirelli-Konstruktion, die bis zum Grand Prix von Großbritannien verwendet wurde, sorgte bei den Technikern für rauchende Köpfe: Als man dann auf die 2012er-Konstruktion zurückrüstete, konnte man plötzlich auf Erfahrungswerte aus einer gesamten Saison aufbauen - das macht auch die Einführung diffiziler Entwicklungen deutlich berechenbarer.

"Die Dinge, die sie am diesjährigen Auto verändert haben, werden auch im kommenden Jahr anwendbar sein." Ross Brawn

Dass sich die Konkurrenz nun auch in Hinblick auf 2014 Sorgen macht, ist kein Wunder. Hydraulisch vernetzte Fahrwerke sind auch unter dem neuen Reglement erlaubt. "Wenn sie die Performance in bestimmten Bereichen mit in das nächste Jahr nehmen können, wird es sehr herausfordernd", sagt Mercedes-Teamchef Ross Brawn gegenüber 'Autosport'. "Ich denke, man verlernt Dinge nicht. Die Dinge, die sie am diesjährigen Auto verändert haben, werden auch im kommenden Jahr anwendbar sein."

Bloß der ewige Optimist Rosberg gibt die Hoffnung nicht auf: "Ich mache mir keine Sorgen, denn das neue Reglement stellt eine tolle Gelegenheit dar, weil alle bei null beginnen. Bereits im vergangenen Winter hat das Team fantastisch gearbeitet. Wir waren 1,5 Sekunden langsamer, dann aber zu Saisonbeginn manchmal die Schnellsten - und das ohne Reglementänderungen. Ich bin zuversichtlich, dass das wieder gelingt."

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