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Otmar Szafnauer: Das ist die Schwachstelle der Aero-Handicapregel

Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer spricht über die Einführung des Handicap-Systems bei der Aero-Entwicklung und sieht eine Schwachstelle an der Kaffeemaschine

(Motorsport-Total.com) - Unter dem neuen Formel-1-Reglement kommt das 2021 eingeführte Aerodynamik-Handicap noch stärker zum Tragen. Dieses soll neben der Budgetgrenze für ausgeglichenere Verhältnisse sorgen und das Feld enger beisammen halten. Denn wer in der WM weit hinten ist, der darf mehr Entwicklungszeit aufwenden als die Spitzenteams.

Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer

Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer sieht Schwächen bei der Handicap-Regel Zoom

Das ist vor allem 2022 ein wichtiger Faktor, da die Teams gerne so viel wie möglich entwickeln würden. Mercedes darf aber zum Beispiel nur 28 Windkanal-Runs pro Woche durchführen, Haas als Letzter der Konstrukteurs-WM des Vorjahres 46.

"Der Gedanke war, dass wir etwas wie in der NFL machen wollten, wo sich das schlechteste Team als erstes einen Spieler aussuchen darf", erzählt Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer bei 'Sky'. Allerdings wollte die Formel 1 Teams nicht durch Erfolgsgewichte oder Ähnliches bestrafen, weil das von den Fans nicht gerne gesehen wird.

Dann kam die Idee mit der Entwicklungszeit. Früher liefen die Windkanäle der Teams rund um die Uhr, was hohe Kosten verursacht hat. Irgendwann schritt die FIA ein und halbierte die Zeit. "Und da dachte ich mir: Vielleicht könnten wir ein Handicap-System haben, um den hinteren Teams zu helfen, ohne Erfolgsgewichte zu haben", sagt Szafnauer.

Kontrolle funktioniert

Natürlich waren damit nicht alle einverstanden: "Den drei Teams ganz vorne hat das natürlich nicht gefallen", sagt er. Trotzdem wurde es für die Saison 2021 eingeführt.

Die Frage ist, ob die Formel 1 auch kontrollieren kann, dass die Teams sich an ihre vorgegebene Zeit halten. "Das Schöne ist, dass es schon eine ganze Zeit lang kontrolliert wurde, weil es eine Grenze gab", sagt Szafnauer. "Das ist jetzt nicht anders. Es wird genauso kontrolliert, mit zufälligen Checks der FIA."

"Sie kommen und verbringen einen Tag mit dir. Und dann sagen sie: 'Zeigt mir bitte all eure Messdaten und wir ihr diese erhebt.' Sie kommen wirklich. Dieser Teil ist ziemlich robust", so der Alpine-Boss.

Austausch an der Kaffeemaschine?

Allerdings hat das System für ihn auch eine Schwäche. Denn die FIA kann nicht kontrollieren, ob Teams kooperieren, wenn sie einen gemeinsamen Windkanal benutzen. "Sie können zusammen Kaffee trinken. Und vor allem wenn sie Partner sind, können sie sich austauschen: 'Wie hat der neueste Unterboden funktioniert? Und geht nicht in die Richtung, die ist nicht gut'", sagt er.

Spötter würden sagen, dass diese Aussagen ausgerechnet vom ehemaligen Aston-Martin-Teamchef kommen, dessen Rennstall 2020 sogar einen Punktabzug bekam, weil das Auto eine augenscheinliche Kopie von Mercedes war.


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Doch Szafnauer betont, dass ein solcher Austausch "definitiv nicht bei Aston Martin und Mercedes passiert" ist. "Wir haben keinen Kaffee mit den anderen Aerodynamikern getrunken."

Denn da Aston Martin, beziehungsweise damals noch Racing Point, nur wenige Kilometer vom Windkanal entfernt stationiert ist, ging man sich aus dem Weg. "Wir hatten die Möglichkeit, an den Wochenenden den Windkanal zu benutzen, und Mercedes nutzte ihn unter der Woche. Die Aerodynamiker haben sich nicht einmal gesehen."

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