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Offener Brief: Mercedes antwortet auf Verschwörungstheorien

Nach einem Shitstorm als Reaktion auf die Motorenprobleme von Lewis Hamilton in Sotschi richtet sich Mercedes direkt an die Fans und demonstriert Geschlossenheit

(Motorsport-Total.com) - Mercedes führt schon im dritten Jahr in Folge früh die Tabellen mit komfortablem Vorsprung an. Doch die Silberpfeile haben einen neuen Feind hinzugewonnen: die eigenen Fans! Die reagierten alles andere als gelassen auf die wiederaufgetretenen Probleme am Auto von Weltmeister Lewis Hamilton, während Nico Rosberg bisher vom Pech verschont blieb. Nach massiven Shitstorm in den sozialen Medien fühlte sich das Team nun gezwungen, zu reagieren.

Lewis Hamilton

Mercedes reicht den verärgerten Fans die Hand zur Aussöhnung Zoom

"Nach den mechanischen Problemen in Sotschi haben wir viel Frustration erfahren, die online ausgedrückt wurde", heißt es in einem auf Facebook veröffentlichten offenen Brief an die Fans. "Wir können diese Emotionen nachvollziehen - aber für uns geht es weit über Frustration hinaus."

Das war geschehen: Hamiltons Saison fing mit einem Startrempler in Melbourne und einem Rammstoss in Bahrain eher unglücklich an und wurde erst in China zur Misere. Dort überhitzte dem amtierenden Champion im Qualifying der Motor. Vom letzten Startplatz aus gelang ihm nur noch Rang sieben im Rennen. In Sotschi kam es dann zum gleichen Defekt, wieder in der Qualifikation. (So reagierte Mercedes auf den Defekt) Und während die Bosse über dem Problem schwitzten, gingen die Fans auf die digitalen Barrikaden.

"Wir sind am Montag mit gemischten Gefühlen aus Russland zurückgekehrt", beschreibt das Team in dem offenen Brief. "Auf der einen Seite voller Stolz über einen weiteren Doppelerfolg. Auf der anderen Seiten geschafft von einem stressigen Wochenende sowohl für diejenigen hinter dem Lenkrad, an der Boxenmauer, in der Garage und in der Fabrik, als auch für euch, die ihr von Zuhause aus zugesehen habt."

"Für die, die Zuschauen geht ein Grand-Prix-Wochenende von Donnerstag bis Sonntag", heißt es weiter. "Ein schlechtes Resultat mag ein paar Stunden danach schmerzen - aber dann geht das Leben weiter. Für über tausend Personen in Brackley und Brixworth jedoch ist das ihr Leben. Diese Männer und Frauen geben Tag ein Tag aus Blut, Schweiß und Tränen für den Rennsport, arbeiten oft rund um die Uhr und verbringen viele Wochen weit weg von ihren Angehörigen. Das machen sie aus Leidenschaft zu ihrem Job, Loyalität gegenüber ihren Kollegen und dem Verlangen, das Beste zu erreichen."


Fotos: Mercedes, Großer Preis von Russland


Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff und auch Niki Lauda zeigten sich bereits in Sotschi besorgt darüber, wie das Team in den sozialen Medien verunglimpft und die Mitarbeiter beleidigt wurden. Gezwungenermaßen mussten sie sich zu Verschwörungstheorien äußern, die eine ungleiche Behandlung der Piloten und den Mechanikertausch betrafen. Das Team hatte sich dazu entschlossen, in diesem Jahr Rosbergs Crew an Hamiltons Auto arbeiten zu lassen und umgekehrt. (Die Gründe für den Crew-Wechsel)

Den Vorwurf, dass der eine Fahrer dem andern vorgezogen würde oder gar innerhalb das Teams manipuliert würde, will Mercedes nicht aus sich sitzen lassen und schreibt daher in seiner Ansprache: "Die Erfolge, die wir in der jüngeren Vergangenheit eingefahren haben, kamen nicht von Ungefähr. Um Toto Wolff zu zitieren: wir haben uns den Arsch aufgerissen, um dorthin zu gelangen, wo wir heute stehen - und das haben wir als Team geschafft. Die Gesichter, die man an der Rennstrecke sieht, sind nur die Spitze des Eisberges - aber sie sind das ein perfektes Sinnbild."

"Sie führen nicht einfach nur zusammen Boxenstopps durch. Sie reisen gemeinsam, teilen sich Hotelzimmer, essen zusammen, bauen Garagen auf, bauen die Autos zusammen, reparieren beschädigte Autos, packen Tonnen an Fracht - gemeinsam. Sie schwitzen, schuften, lachen, weinen, schreien, feiern und leiden - gemeinsam. Und wie einer von uns immer zu sagen pflegt: Sie gewinnen und verlieren zusammen. Wir haben die besten Jungs und Mädels, die Woche für Woche einen tollen Job machen - und das als ein Team. Nicht für den einen oder den anderen Fahrer, sondern füreinander. Es gibt hier kein A- oder B-Team."


Fotostrecke: GP Russland, Highlights 2016

Wie nahe dem Team die Vorwürfe der Fans gingen, konnte man an den Gesichtern von Wolff, Lauda und Co. am Rande des Grand Prix von Russland ablesen. "Ich gehe sicher nicht auf jeden Geistesgestörten ein, der irgendeine Twitter-Meldung schickt", wetterte Wolff und Lauda fügte gewohnt ungefiltert hinzu: "Das ist Bullshit! Ich hasse dieses Gerede, denn wir haben 1.100 Mitarbeiter, die alle ihr Bestes für beide Autos geben." Hier alle Reaktionen nachlesen

Die Gemüter der Fans aber konnten sich auch während des Rennens ins Sotschi nicht beruhigen. Wie mittlerweile bekannt ist, sorgte Materialermüdung für einen Riss in der Wasserleitung von Hamiltons Auto, was den Briten einbremste. Ein Software-Defekt war bei Rosberg der Grund dafür, dass man bei der FIA anfragen musste, ob man trotz Funkverbots an den Fahrer weitergeben dürfe, dass die Motorenleistung runtergeregelt werden muss. Das beide Silberpfeile ins Ziel kamen und das auch noch auf den ersten beiden Plätzen: ein Glücksfall. (So zitterte Mercedes um den Erfolg)


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Derweil macht das Team keinen Hehl daraus, dass Ähnliches wieder vorkommen kann: "Wir konnten unserem Anspruch in Sachen Zuverlässigkeit noch nicht gerecht werden. Es liegt noch viel Arbeit vor uns. Unser Ziel ist es nicht nur schnell, sondern kugelsicher zu werden. Wir wollen die Probleme nicht nur in den Griff bekommen, sondern sie verstehen und beheben und sicherstellen, dass sie nicht wieder vorkommen. Daran arbeiten wir unermüdlich. Aber es gibt keine Garantien. Dies ist ein mechanischer Sport, der sich am Limit von Leistung und Ausdauer bewegt. Man muss über sich hinaus wachsen und dabei können Fehler passieren."

Vermeiden möchte man offenbar auch, erneut den Zorn der Fans auf sich zu ziehen. Daher der offene Brief, der mit den Worten schließt: "Vier Rennen liegen nun hinter uns und 17 kommen noch auf uns zu. Von dem, was wir bisher sehen konnten, erwartet uns eine echte Achterbahnfahrt. Es wird Höhen und Tiefe geben, gute und schlechte Tage, Erfolg und Misserfolg. Aber durch all das werden wir als Team gehen, wie wir es immer getan haben. Wird danken denjenigen von euch, die dabei zu uns halten. Und an die Hater, Schwarzseher und Verschwörungstheoretiker: Wenn wir auch nur die Hälfte von euch davon überzeugen können, für was wir stehen, dann haben wir diesen Kampf bereits gewonnen."

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