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  • 04.03.2016 · 20:20

  • von Dieter Rencken & Roman Wittemeier

Nico Rosberg nach Formel-1-Tests: "Keine Baustellen mehr"

Mercedes-Pilot Nico Rosberg sieht sich und sein Team nach Abschluss der Formel-1-Tests bestens für den Saisonstart gerüstet: "Mit gutem Gefühl ins erste Rennen"

(Motorsport-Total.com) - Nico Rosberg darf nach Abschluss der Formel-1-Testfahrten vor dem Saisonstart 2016 als "Marathonmann" bezeichnet werden. Im Rahmen der Probefahrten in Barcelona (alle Daten in unserem Testcenter!) spulte der gebürtige Wiesbadener 3.049 Kilometer (rund zehn Grand-Prix-Distanzen!) ab - mehr als jeder andere Pilot. Zum Abschluss der Spanien-Tests am Freitag übernahm der Deutsche noch einmal den Mercedes W07 von Lewis Hamilton, um weitere Setupvarianten auszuprobieren.

Nico Rosberg

Mercedes-Pilot Nico Rosberg geht mit großer Zuversicht in die Formel-1-Saison Zoom

In 1:26.140 Minuten rangierte Rosberg nach seinen insgesamt 69 Runden am Freitag auf dem letzten Platz des Tagesklassements. Diese Tatsache tangiert ihn gar nicht. "Ich bin zufrieden, sehr sogar. Ich würde sogar sagen, dass es der bisher beste Tag bei Wintertests war", erklärt der Vizechampion mit einer Gelassenheit, die durchaus als weiteres Indiz für eine kommende Mercedes-Dominanz gewertet werden darf. Dass am Morgen bei Hamiltons Fahrten das Getriebe streikte, spielte keine Rolle.

Die meisten Tagesbestzeiten gingen im Verlauf der acht Barcelona-Tage an Ferrari. "Die sind bestimmt nahe dran", sagt Rosberg. Allerdings ist die Zeitenliste immer auf Grundlage der verwendeten Reifen zu lesen - und da spielte Mercedes ein Versteckspiel. Während die Konkurrenz zwischendurch Qualifikations-Simulationen mit weniger Benzin und Ultrasoft-Reifen absolvierte, blieb Mercedes eisern bei den härteren Mischungen. Das wahre Performance-Potenzial war nicht abzulesen.

"Das ist immer ein wenig ein Kompromiss. Man möchte den anderen schließlich nie zeigen, wie schnell man wirklich ist", sagt Rosberg ganz offen. "Wir sind aber auch mal mit weniger Benzin und etwas weicheren Reifen gefahren, haben auch in dieser Konstellation einige Versuche unternommen. Die Frage ist, ob Barcelona während der Testtage diesbezüglich wirklich repräsentativ ist. Wir hatten 20 Grad, was okay ist. Die Strecke ist aber keine, die man mit ganz weichen Reifen im Rennen befährt."

Rosberg sieht bei Mercedes keine Schwachstellen mehr

"Schwachstellen oder Baustellen sehe ich aktuell eigentlich nicht mehr", meint der Deutsche vor dem Start in die neue Formel-1-Saison. "Das ist das Gute, wenn man mit einem zuverlässigen Auto viel fahren kann. Dann hast du eben die Möglichkeit, wirklich alles auszuprobieren und auszusortieren. Außerdem gibt es noch den Simulator, in dem man Dinge ausprobieren könnte, falls noch etwas fehlt. Nächste Woche werden wir im Simulator noch ein wenig arbeiten."

Die Zuversicht bezieht Rosberg nicht nur aus den aktuellen Erkenntnissen vom Test, sondern auch aus der Tatsache, dass er Weltmeister und Teamkollege Hamilton in den letzten Rennen des Jahres 2015 im Griff gehabt hatte. "Man kann kaum sagen, ob die Charakteristik des Autos so geblieben ist. Ein neues Auto ist ein riesiger Schritt", sagt er. "Auch die Reifen sind in diesem Jahr wieder anders. Was aus dem vergangenen Jahr noch erhalten geblieben ist, ist mein gutes Gefühl. Und das hat sich bei den Tests mehrfach bestätigt. Dieses gute Gefühl nehme ich mit ins erste Rennen."


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"Es war nicht so, dass mir der Frust über den verlorenen Titel die Freunde am Sport verhagelt hat. Es war so, dass Lewis eben ein wenig besser war. Spaß hatte ich trotzdem noch", blickt Rosberg auf das teaminterne Duell bei den Silbernen. "Wie sieht es in dieser Saison aus? Immer schon bin ich gern gegen Leute angetreten, die mich zuvor geschlagen hatten. Wenn jemand besser war, dann will ich zurückschlagen. Das bereitet mir besondere Freude."

"Genauso werde ich in diese Saison gehen", so der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte bereits bestätigt, dass auch 2016 beide Fahrer frei gegeneinander fahren dürfen. "Wir liefern uns einen Wettbewerb auf unglaublich hohem Niveau, wir haben ein großartiges Auto, das uns vielleicht wieder viele Siege bescheren kann. Solange ich dann in den Rennen vorne liege, ist doch alles gut."