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Neue Staffel "Drive to Survive": Immer noch unverzichtbar, aber etwas fehlt

Luke Smith von 'Motorsport.com' hat acht Folgen der neuen Staffel "Drive to Survive" vorab gesehen und verrät, was sie - mit Abstrichen - auch diesmal sehenswert macht

(Motorsport-Total.com) - Während Formel-1-Fans dem Start der neuen Saison entgegen fiebern, können sie die letzten Tage des Wartens mit der vierten Staffel "Drive to Survive" überbrücken, die an diesem Freitag (11. März) ihren offiziellen bei Netflix feiert.

Lewis Hamilton, Max Verstappen

Natürlich im Fokus der neuen Staffel: das WM-Duell Hamilton gegen Verstappen Zoom

Die Serie war ein enormer Erfolg für die Formel 1, denn sie hat neben eingefleischten Fans auch ein großes neues Publikum erreicht und das Spektrum der Fangemeinde erweitert.

Staffel 3 markierte dabei einen neuen Höhepunkt für "Drive to Survive": Sie landete weltweit auf Platz 1 bei Netflix und übertraf die erste Staffel, was in Streaming-Kreisen ein Novum ist. Dennoch ist Staffel 4 wohl die bisher wichtigste der Serie.

Max Verstappen hat sich verweigert

Zum ersten Mal in der Geschichte von "Drive to Survive" gibt es einen richtigen Titelkampf, an dem sich Netflix abarbeiten kann. Das Duell zwischen Max Verstappen (Red Bull) und Lewis Hamilton (Mercedes) ist ein natürlicher Schwerpunkt der gesamten Staffel, der schon in der Eröffnungsepisode gut aufgebaut wird.

Zwar ist sie an einigen Stellen für langjährige Fans ein wenig grundlegend, stellt aber eine gute Auffrischung für all diejenigen dar, die die Formel 1 nur über Netflix konsumieren.

Verstappens Abwesenheit ist jedoch während der gesamten Staffel zu spüren. Er hatte Netflix im vergangenen Jahr bewusste Manipulation gewisser Aussagen vorgeworfen und stand für Interviews nicht zur Verfügung. Ein Großteil seiner Seite der Geschichte wird deshalb von Red-Bull-Teamchef Christian Horner erzählt.

Spannungsfeld Red Bull vs. Mercedes

Er übernimmt schnell die Rolle des Bösewichts und macht regelmäßig Sticheleien in Richtung Toto Wolff - zum Beispiel wenn er ihn auf einem TV-Bildschirm sieht und sagt: "Ach, halt die Klappe, der Kerl hat doch keine Ahnung." Das wird schnell ziemlich repetitiv und könnte eine nuanciertere Darstellung der Rivalität vertragen.


Fotostrecke: Die 14 dramatischsten Teamduelle um den Titel

Hamilton kommt im Laufe der Staffel nur spärlich zu Wort, aber seine Interviews sind aufschlussreich. Einer der verletzlichsten Momente ist der, in dem er mit Wolff über seine Frustration über Baku spricht - und seine Ängste, sich vor dem britischen Grand Prix wieder mit Covid anzustecken. Das ist die Art von Einblick, die nur "Drive to Survive" bieten kann.

Neben Verstappen sind in den acht Episoden, die den Medien bei Redaktionsschluss zur Verfügung standen, auch noch viele andere Lücken zu spüren. Fernando Alonso und Sebastian Vettel tauchen kaum auf, während Ferrari in den beiden von McLaren dominierten Episoden nur am Rande vorkommt.

Die Serie lebt von Persönlichkeiten

Genau wie in der dritten Staffel, in der die teaminterne Rivalität zwischen Lando Norris und Carlos Sainz auf die Spitze getrieben wurde, hat man das Gefühl, dass auch die Spannungen zwischen Norris und Daniel Ricciardo nicht ganz korrekt dargestellt sind.

"Drive to Survive" hat schon immer von Persönlichkeiten gelebt, und das ist auch in dieser Staffel nicht anders. Ricciardo findet zu alter Stärke zurück, auch wenn seine Monza-Sieg-Episode an manchen Stellen etwas zu kurz kommt, und die Berücksichtigung von Personen wie Susie Wolff und Geri Horner ist erfrischend.

Einer der Höhepunkte ist, wenn sich Yuki Tsunoda in einer Episode, die er mit Esteban Ocon teilt, von seiner absolut ungefilterten Seite zeigt. Beide ergeben eine spezielle Paarung, umrahmt vom Kampf um Platz 5 in der Konstrukteurs-WM zwischen Alpine und AlphaTauri, und hätten gerne je eine eigene Folge bekommen können.

Rästelraten um die letzten beiden Folgen

Auch Haas und Netflix-Kultheld Günther Steiner stehen wieder eine Folge lang im Fokus. Diesmal ist es aber eine etwas angespannte Angelegenheit. Die Handlung konzentriert sich auf Nikita Masepins schwierigen Einstand und den Einfluss seines Vaters Dmitry, der droht, die Finanzierung zurückzuziehen, weil er befürchtet, dass Nikita gegenüber Mick Schumacher benachteiligt wird.

Das größte Fragezeichen steht hinter den letzten beiden Episoden der Saison, die noch nicht für die Medien freigegeben wurden. Sie behandeln den Abschluss der Weltmeisterschaft.

Für Netflix ein Drahtseilakt: Während der Zielmarkt für die Serie einen gewissen Drang zu mehr kreativer Freiheit rechtfertigen mag, bedeutet die Kontroverse rund um die Entscheidung in Abu Dhabi, dass sie wirklich akkurat aufgearbeitet werden muss, um die traditionellen Formel-1-Fans nicht zu verprellen.

Das wird der größte Test für die vierte Staffel von "Drive to Survive" sein, die zwar nach wie vor unverzichtbar ist, der es aber in einer der explosivsten Saisons der jüngeren Formel-1-Geschichte wegen der genannten Gründe etwas an Tiefe fehlt.

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