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Nach Alonso-Demo im R25: Formel 1 sollte daraus lernen, findet Wolff

Der V10-Sound von Fernando Alonsos Showrun in Abu Dhabi hat schöne Erinnerungen geweckt und sollte die Formel 1 zum Nachdenken anregen, finden Teams und Fahrer

(Motorsport-Total.com) - Für die größten Begeisterungsstürme beim Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi sorgte am vergangenen Wochenende nicht etwa das Rennen, sondern der Showrun von Fernando Alonso im Renault R25 von 2005. Ein Hauch der "alten" Königsklasse wehte über den Yas Marina Circuit und sorgte bei vielen für Gänsehaut.

Fernando Alonso

Fernando Alonso im R25: Das weckte bei vielen Kindheitserinnerungen Zoom

Angesprochen auf die Demorunden, die Alonso in seinem einstigen Weltmeisterauto absolvierte, konnte sich auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff der Faszination nicht entziehen. "Ich stimme zu, dass das Auto spektakulär aussah. Es war sehr agil, sehr klein, 150 Kilogramm leichter, mit einem schreiender Motor", hält er fest.

"Wenn man sich die Fernsehbilder anschaut, sah es so aus, als würde es viel schneller fahren (als die aktuellen Autos; Anm. d. R). Es gibt also etwas zu lernen. Ich glaube, es gibt immer etwas zu lernen." Allerdings betont Wolff auch, dass die Technologie von damals einfach nicht mehr in den modernen Motorsport passe.

Wolff: Renault R25 ist nicht mehr zeitgemäß

"Das Auto mit dem V10-Motor ist ein Relikt aus der Vergangenheit, als die Reduzierung der CO2-Emissionen noch nicht auf dem Plan stand und es keine Elektromobilität gab. Wir bewegen uns gerade in eine neue Ära, und das bedeutet auch, Kompromisse zu machen", erinnert der Teamchef an die Klimaziele der Formel 1.

Und zu diesen Kompromissen gehöre nun eben auch, darüber nachzudenken, welche Schlüsse man aus Alonsos Showrun ziehen kann: "Wir müssen jetzt analysieren: Was ist so attraktiv? Ist es das akustische und visuelle Erlebnis, das es attraktiv macht? Aber auch ohne den Sound sah es immer noch großartig aus, woran liegt das also?"

"Wir sind Interessenvertreter des Sports, und wir müssen uns überall verbessern. Aber ich denke, dass wir alle, einschließlich der Formel 1 und der lokalen Mitarbeiter, uns das anschauen und sehen werden, was wir tun können", versichert Wolff.

Ocon schwelgt in Kindheitserinnerungen

Alonso selbst hatte nach seiner Ausfahrt mit dem R25 betont: "Das ist etwas, das wir ehrlich gesagt vermissen. Ich denke, nicht nur die Fans, jeder im Fahrerlager, wir vermissen den Sound. Wir vermissen die Formel 1, in die wir uns als Kinder verliebt haben und die wir im Fernsehen gesehen haben." Zustimmung erhält er von Fahrerkollegen.

Esteban Ocon etwa wuchs mit Autos wie dem Renault R25 auf und pflichtet Alonso bei: "Was für eine Maschine. Was für ein Klang. Das weckt Erinnerungen an die Zeit, als ich noch ein Kind war. Diese Generation von Autos ist diejenige, die mir die Liebe zum Sport und die Motivation gegeben hat, der Fahrer zu sein, der ich heute bin."

"Es ist wahr, dass uns dieser Sound eindeutig fehlt", sagt Ocon weiter. "Ich glaube, wenn die Leute an die Formel 1 denken, dann denken sie genau daran." Allerdings habe sich die Welt inzwischen weiterentwickelt - mit allen Vor- und auch Nachteilen.

Die Formel 1 sollte wieder klingen wie damals

"Die Autos, die wir heute haben, sind besser zu fahren, sind schneller zu fahren, haben mehr Leistung, haben mehr Drehmoment", weiß der Renault-Pilot. "Sie sind einfach die besten Autos und die schnellsten aller Zeiten, aber wenn sie so klingen würden, wäre es wahrscheinlich besser. Aber wir müssen mit unserer Zeit gehen."

"Die Welt ist in Bewegung, und ich denke, das ist auch in der Autoindustrie so. Die Autos klingen immer weniger, also verliert man da ein bisschen die Emotion. Aber sie sind schnell und sie sind effizienter und sie sind zuverlässiger, so einfach ist das."


Fotostrecke: Fernando Alonso: Demorunden im WM-Auto von 2005

Allerdings geht dadurch eben auch ein Stück der Magie - zumindest nach außen - verloren. Ocons scheidender Renault-Teamkollege Daniel Ricciardo nennt es den "Wow-Faktor". "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind in Melbourne im Albert Park ankam", erzählt der Australier von einem frühen Streckenbesuch.

Ricciardo: "Der Sound schafft Atmosphäre"

"Ich weiß noch, wie wir aus dem Taxi stiegen, um unseren Koffer zu holen, als wir im Hotel ankamen. Und ich konnte die Formel-1-Autos von der Rennstrecke hören. Das Echo drang in die Stadt, und ich erinnere mich, dass ich meinen Vater anschaute und wir uns gegenseitig anschauten, ich hatte einfach eine Gänsehaut."

"Es gab also diesen Wow-Faktor", schwärmt Ricciardo und zieht den Vergleich: "Verstehen Sie mich nicht falsch, visuell haben die Autos jetzt einen größeren Wow-Faktor als je zuvor, weil sie so schnell sind. Aber sie haben nicht diese Einschüchterung, die mit dem Sound, dem Dröhnen und dem Schreien einhergeht."

Es sei wie bei einem Kampfflugzeug: "Wenn sie elektrisch wären, würden sie nicht so cool aussehen, oder? Es ist auch der Sound, er schafft einfach Atmosphäre. Das ist so, wie wenn man auf ein Live-Konzert oder ein Festival geht, und es sind die großen Lautsprecher, es ist die Atmosphäre, die durch die Lautstärke entsteht."

V10-Motor für Fahrer viel "einschüchternder"

Das mache sich nicht zuletzt auch im Cockpit bemerkbar. So erinnert sich Ricciardo an sein erstes Mal in einem Formel-1-Auto. "Es war nur ein V8", sagt er, "aber wenn der Mechaniker ihn hinten startet, hörst du dieses Brüllen. Es ist beängstigend."

"Ich denke also, dass es den jungen Fahrern, die hierher kommen, wie zum Beispiel den Nachwuchsfahrern, wahrscheinlich anfangs an diesem 'Wow'-Effekt, an diesem Schreckmoment fehlt. (...) Ich glaube, dass jeder Neuling, der in einen V10 einsteigt, viel eingeschüchterter ist, als wenn er in einen V6 einsteigt, das ist eine Tatsache."

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