powered by Motorsport.com

Mick Schumacher bei Vowles: Fliegt Logan Sargeant bei Williams raus?

Mick Schumacher hat sich in Suzuka mit James Vowles getroffen, während Logan Sargeant aufgrund seiner Crashes immer schwieriger zu verteidigen wird

(Motorsport-Total.com) - Logan Sargeant ist nach 16 von 22 Rennwochenenden in der Formel 1 2023 immer noch der einzige permanente Stammfahrer, der noch keinen WM-Punkt auf seinem Konto hat. Dazu kommt, dass er seit der Sommerpause mehrere Unfälle gebaut hat, zuletzt in Suzuka sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Jetzt wird die Luft dünn für den US-Amerikaner. Oder, wie es Formel-1-Experte Marc Surer ausdrückt: "Er ist überfordert."

Titel-Bild zur News: Logan Sargeant

Logan Sargeant steht nicht erst seit diesem Crash in Singapur in der Kritik Zoom

Während ihm das Williams-Team nach außen weiterhin den Rücken stärkt, stehen vor der Tür von Teamchef James Vowles Kandidaten Schlange, die Sargeants Cockpit möchten. Felipe Drugovich, Formel-2-Meister 2022 und derzeit Testfahrer bei Aston Martin, soll eine Möglichkeit sein. Und in Suzuka schaute am Samstag auch Mick Schumacher bei Vowles vorbei.

Sargeants Fehler im Qualifying, als er ausgangs der Zielschikane abflog, sah im Onboard-Replay besonders unglücklich aus. "Dabei war es eigentlich nur ein kleiner Fehler", sagt Dave Robson, Leiter der Fahrzeugentwicklung bei Williams. "Wenn du in der Kurve das Gras berührst, hast du sofort ein Problem. Sehr schade."

Am Sonntag kollidierte Sargeant dann in der Haarnadelkurve mit Valtteri Bottas. Er sagt: "Meine Räder haben blockiert. Ich dachte, er hätte das gesehen und würde nach innen ziehen, denn es war klar, dass ich die Kurve nie und nimmer kriegen würde. Aber er ging nach außen, und da hatte ich keine Chance mehr, einen Zusammenstoß zu verhindern."

Ralf Schumacher: Mir sind auch oft Fehler passiert ...

Sargeant vermutet, "dass er das nicht gesehen hat", möchte das aber nicht als Ausrede verstanden wissen: "Es war klar mein Fehler." Sky-Experte Ralf Schumacher nimmt ihn so halb in Schutz: "Absichtlich blockiert er seine Räder da nicht. Aber er macht halt leider Gottes mehr Aufsehen durch irgendwelche Fahrfehler als durch schnelle Runden."

"Mir ist es auch oft passiert, dass ich mal Schrott produziert habe. Wenn dann das Ergebnis trotzdem passt, ist das okay. Aber in seinem Fall sind natürlich auch keine Ergebnisse da, und es häuft sich langsam", sagt Schumacher. Er befürchtet, dass Sargeant damit auch die Gunst der Mechaniker verliert: "Die verlieren so ein bisschen die Nerven, weil er ständig irgendwas kaputtmacht."

Im Internet kursieren derzeit Listen, die festhalten, wie viel Blechschaden die Fahrer 2023 bereits angerichtet haben. Sargeant ist überlegener Spitzenreiter in der sogenannten "World Destructors Championship", mit einem angeblichen Schaden von knapp vier Millionen Dollar. Auf Platz 2 und 3 folgen Lance Stroll und Sergio Perez mit 2,6 beziehungsweise 2,5 Millionen.

Das wird in den nächsten Rennen Konsequenzen haben: "Bis zu einem gewissen Grad hast du dann nicht mehr die neuesten Teile am Auto", erklärt Robson, "weil die ja relativ lange Vorlaufzeiten in der Produktion haben, und dann musst du sie auch noch verschiffen. Es ist zu spät, um dieses Jahr noch groß neue Teile zu bringen. Selbst wenn man das Geld dafür hätte."

Wie Surer die Lage aus Fahrersicht einordnet

Surer kann nachvollziehen, dass die Situation für Sargeant immer schwieriger wird. Vergleiche zur Negativspirale rund um Mick Schumacher in der Saison 2022 sind nicht von der Hand zu weisen: "Er hat natürlich Druck. Er weiß, dass er performen muss, wenn er in der Formel 1 bleiben will. Und dabei macht er noch mehr Fehler als vorher."

"Zwischendurch hat man ja gesehen, dass er eigentlich ganz gut Autofahren kann", sagt Surer in einem Interview auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. "Er war ja in der Nähe von Albon, zumindest in einigen Trainings. Da hatte man das Gefühl, jetzt bekommt er es auf die Reihe. Seit der Williams besser geworden ist, hatte man das Gefühl, jetzt schnallt er es."


Unter Druck: Diese drei Formel-1-Fahrer sind RICHTIG angezählt

Logan Sargeant, Sergio Perez und Lance Stroll: Nach ihren jüngsten Leistungen und Unfällen stehen alle drei Fahrer massiv in der Kritik. Weitere Formel-1-Videos

Aber: "Ich glaube, er steht es mit den Nerven nicht durch. Ich glaube, er setzt sich selbst unter Druck, und dann passieren ihm Fehler. Es sind ihm auch dumme Fehler passiert, und ich befürchte, jetzt ist er nervös und macht eben noch mehr Fehler. Er ist einfach überfordert", sagt Surer.

Robson ergänzt: "Seine Unfälle machen unweigerlich Schlagzeilen. Das überschattet seine solide Performance. Suzuka lief eigentlich wirklich gut. Es ist eine schwierige Strecke, und er hatte einen guten Freitag. Aber dann verliert er es am Samstag in der letzten Kurve seiner ersten Runde. Diese Unfälle seit Zandvoort rücken die guten Fortschritte in den Hintergrund."

Ist Sargeants Krise eine Chance für Mick Schumacher?

Ein Fahrerwechsel noch während der laufenden Saison, wie er zuletzt vor allem in Deutschland (wegen Schumacher) diskutiert wurde, scheint bei Williams aber eher kein Thema zu sein. Vowles ist von Schumachers fahrerischem Potenzial nicht überzeugt, hört man. Und auch Surer glaubt nicht, dass Vowles Sargeant so brutal abservieren würde.

Der ehemalige Formel-1-Pilot sagt über einen sofortigen Fahrerwechsel: "Red Bull hat diese Tendenz. Die machen sowas. Aber ich glaube nicht, dass Williams auch diese Tendenz hat. Ich denke, die lassen ihn die Saison durchfahren. Und wenn er sich steigert, dann hat er sogar die Chance, 2024 weiterzufahren."

"Wenn du ihn unter Druck setzt und sagst, wenn das noch einmal passiert, bist du raus, dann werden ihm noch mehr Fehler passieren. Deswegen: Einfach mal fahren lassen und ihn beruhigen und sagen, irgendwann klappt's wieder. Dann kommt auch das Selbstvertrauen wieder zurück", findet Surer.

Das ganze Interview mit Marc Surer über die Wackelkandidaten Logan Sargeant, Sergio Perez und Lance Stroll (19 Minuten) gibt's jetzt auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. (Kanal jetzt kostenlos abonnieren und kein neues Formel-1-Video mehr verpassen!)

Formel-1-Newsletter

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen täglichen und/oder wöchentlichen Formel-1-Newsletter von Motorsport-Total.com!
Anzeige

Folge uns auf Facebook

Werde jetzt Teil der großen Community von Motorsport-Total.com auf Facebook, diskutiere mit tausenden Fans über den Motorsport und bleibe auf dem Laufenden!