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Max Verstappen nach erster Ausfahrt im RB16B: "Will keinen Hype erzeugen"

Max Verstappen spricht ausführlich über seine Erwartungen für die Saison 2021 mit dem Red Bull RB16B - "Mehr Grip, mehr Power" hat er sich gewünscht

(Motorsport-Total.com) - "[Das Auto] sieht gleich aus, gleiche Lackierung wie vor fünf Jahren", scherzt Max Verstappen über seinen neuen Boliden, den Red Bull RB16B. Am Mittwoch kam er bei einem Filmtag in Silverstone in den Genuss, die ersten Runden im neuen Dienstfahrzeug zu absolvieren. Welchen Eindruck konnte er dabei gewinnen?

Max Verstappen, Mark Thompson

Max Verstappen lässt sich nicht in die Karten schauen Zoom

"Alle Teams haben viel vom Vorjahr übernommen, daher ist es sowieso kein komplett neues Auto. Solange es schnell ist - das ist das Wichtigste für mich, auch wenn es pink, violett oder eine andere Farbe oder auch Form hat", schildert Verstappen am Donnerstag.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner bezifferte die Übernahme vom Vorjahr mit rund 60 Prozent, demnach sind nur 40 Prozent am RB16B tatsächlich neu. Könnte das für das Topteam ein Vorteil im letzten Jahr des aktuellen Reglements sein?

Warum war der RB16 Anfang 2020 schwierig zu fahren?

Schließlich ist die Truppe mit dem Grundkonzept des Autos vertraut, in den Vorjahren haderten die Bullen hingegen immer wieder zu Saisonbeginn mit den brandneuen Boliden. Vor allem Korrelationsprobleme zwischen Windkanal und Rennstrecke sorgten für Kopfzerbrechen.

Im vergangenen Jahr äußerte sich das Problem in einem unberechenbaren Fahrzeug beim Auftakt in Spielberg. Selbst Verstappen unterliefen auf der Heimstrecke einige Fahrfehler. Der RB16 gewann schnell den Ruf einer störrischen Diva. Doch der Niederländer will dieses Image nicht gelten lassen.

"Viele meinten, dass unser Heck so nervös gewesen ist, aber es geht einfach generell um Grip. Der hat uns gefehlt. Aber uns hat auch Power gefehlt. Das wissen wir. Das ist kein Geheimnis und das konnte man sehen." Außerdem betont er: "Ein schnelles Auto ist niemals total einfach zu fahren."


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Der Vorgänger des neuen Autos sei nicht "super knifflig" zu fahren gewesen. Als Pilot habe er sich an die Eigenheiten angepasst. Dennoch hat er seinen Ingenieuren auch im aktuellen Winter eine Forderung mit auf den Weg gegeben: "Ich wollte einfach mehr Grip, mehr Power."

Die Schwierigkeiten mit der Korrelation habe seine Mannschaft im Vorjahr in den Griff bekommen, ist Verstappen außerdem unbesorgt. "Wir haben die Probleme verstanden, daher haben wir das Auto noch sehr lange weiterentwickelt." Das Team hat noch bis zum Saisonfinale am RB16 getüftelt.

Konkurrent Mercedes hat den Fokus in der Entwicklung hingegen bereits ab dem Rennen in Belgien auf 2021 gelegt. Das ist auch dem Spitzenfahrer nicht entgangen: "Mercedes hat das Auto schon ab Juli nicht weiterentwickelt, weil wir nicht wirklich viele Updates gesehen haben."

Wie wird sich die Unterboden-Regel auswirken?

Welche Philosophie wird sich am Ende durchsetzen? Die Übernahme aus dem Vorjahr könnte Red Bull auch Nachteile bringen, schließlich hatte die schwarze Konkurrenz das bessere Gesamtpaket. "Wir wissen, dass wir ein paar Probleme hatte und wollten uns verbessern."

Da sich das Reglement kaum verändert hat, wollte Red Bull einen möglichst nahtlosen Übergang schaffen. "Das Auto ist praktisch noch dasselbe. Mal sehen, ob wir es in diesem Jahr noch mehr verbessern können und konkurrenzfähiger werden können verglichen mit Mercedes."

Allerdings musste auch das österreichisch-britische Team Änderungen vornehmen, etwa am Unterboden. "Das Ding ist, dass der Unterboden eine recht große Änderung erfahren hat. Wir müssen versuchen, all den verloren gegangenen Abtrieb wieder zurückzuerlangen. Das wird wichtig sein. Es wird interessant zu sehen sein, wer das am besten geschafft hat."


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Auf rund zehn Prozent Verlust beim Abtrieb einigten sich die FIA, die Formel 1 und die Teams im Vorjahr. Dafür wurde der Unterboden, der Diffusor und auch die hinteren unteren Winglets an der Bremsbelüftung beschnitten. Diese Änderung könnte einen größeren Einfluss auf das Kräfteverhältnis haben, als gedacht.

Dieser Ansicht ist zumindest Mercedes-Teamchef Toto Wolff, der zuletzt behauptete, Red Bull hatte schon zu Saisonende 2020 das schnellste Auto. Außerdem sei die Gefahr für sein Team gegeben, dass die blaue Konkurrenz aus Milton Keynes durch jene Regeländerungen mit innovativen Lösungen Boden gutmacht.

"Im Moment weiß ich nicht, wo wir stehen. Aber wir müssen noch ein paar Dinge in den Griff bekommen und Mercedes hatte auch gegen Saisonende das dominante Auto. Wir wissen natürlich, dass wir uns verbessern müssen", hält Verstappen den Aussagen von Wolff entgegen.

Verstappen: Keine Kampfansage Richtung Mercedes

Wird Red Bull schon ab dem Auftakt in Bahrain Ende März in der Lage sein, Mercedes herauszufordern und den Titelkampf im letzten gemeinsamen Jahr mit Motorenpartner Honda eröffnen? "Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Ich bin immer sehr realistisch und es ergibt keinen Sinn, jetzt darüber zu sprechen", winkt der Niederländer ab.

Er will keine klare Kampfansage Richtung Mercedes formulieren, sondern lieber das erste Rennen abwarten. "Dann werden wir sehen, ob wir erfolgreich waren oder nicht." Über die Favoritenrolle möchte er nicht diskutieren, betont er mehrfach. "Da mische ich mich nicht ein."

Seine Begründung: "Wir haben erst hundert Kilometer mit dem neuen Auto auf Demo-Reifen abgespult und sind dabei noch nicht an die Grenzen gegangen. Darauf kann man keine [Analyse] aufbauen." Und weiter: "Man kann derzeit nichts vorhersagen."


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Auch ob womöglich Ferrari in dieser Saison wieder eine Gefahr für Red Bull werden könnte, will Verstappen nach den ersten Runden nicht einschätzen. "Leider kann ich mir ihre Daten nicht anschauen. Aber für den Sport wäre es natürlich gut."

Ob Red Bull mit Verstappen tatsächlich auf Augenhöhe mit Mercedes um den WM-Titel kämpfen kann, wird sich zeigen. Momentan möchte der WM-Dritte des Vorjahres "nicht zu viel Aufhebens machen" und sich auf seine Arbeit konzentrieren.

"Wir sollten die Antworten auf der Strecke geben, nicht neben der Strecke", lautet sein Motto. Doch seine Titelchancen hängen in dieser Saison nicht nur von der Arbeit der Ingenieure in Milton Keynes ab, sondern auch vom Honda-Motor.

Wie lange hält Verstappens Geduldsfaden noch?

Im Vorjahr beklagte Verstappen immer wieder fehlende Power. Im letzten Jahr der Partnerschaft wird der japanische Hersteller alles versuchen, um Red Bull den Titeltraum zu erfüllen. "Ich denke, wir haben gute Schritte gemacht. Aber die Konkurrenz schläft nicht."

"Wir haben viel Arbeit mit Honda im Winter reingesteckt, und alles sieht vielversprechend aus. Aber ich will keinen Hype erzeugen." Der zehnfache Grand-Prix-Sieger hofft, dass er einen konkurrenzfähigen Motor zur Verfügung hat, um Siege aus eigener Kraft einfahren zu können.

Max Verstappen, Mark Thompson

Verstappens neues Helmdesign für die Saison 2021 Zoom

2021 wird er bereits seine siebte Formel-1-Saison in Angriff nehmen - im Alter von 23 Jahren. Den Rekord des jüngsten Weltmeisters kann er aber nicht mehr knacken. Dennoch schielt er auf den großen Pokal, wie lange hält seine Geduld noch an?

"Natürlich will ich [den Titel]. Wir wollen immer abliefern. Red Bull weiß das auch und sie wollen ebenso gewinnen. Da sind wir uns einig, aber natürlich müssen wir nun beginnen abzuliefern." Einfach nur das Maximum aus dem Vorhandenen herauszuholen, das reicht ihm nicht mehr.

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