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Mario Andretti: Warum das dritte Auto eine Riesenchance ist

Mario Andretti hält Toto Wolffs Vorschlag, ein drittes Auto einzusetzen, für genial: Wieso er dafür der lebende Beweis sei und welches Marketingpotenzial er erkennt

(Motorsport-Total.com) - Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hat sich im Vorfeld des Italien-Grand-Prix für den Einsatz eines dritten Autos ausgesprochen, weil er derzeit große Schwierigkeiten hat, seine Nachwuchspiloten in der Formel 1 unterzubringen. Mit Formel-1-Legende Mario Andretti hat er nun einen prominenten Fürsprecher bekommen.

Mario Andretti

Mario Andretti sieht im Einsatz eines dritten Autos eine Riesenchance für die Formel 1 Zoom

"Wäre das nicht ein interessanter Weg, um die Popularität des Sports zu vergrößern?", fragt der Italo-Amerikaner. "Stellen wir uns mal vor, wenn sagen wir mal IndyCar-Champion Josef Newgarden von Mercedes, Ferrari oder Red Bull ein drittes Auto für den US-Grand-Prix kriegen würde. Das wäre eine Riesensache, und dann würden wahrscheinlich 40.000 Leute mehr kommen."

Andretti schlägt vor, dieses Modell auch in anderen Ländern umzusetzen: "Man könnte einen Chinesen oder einen Japaner holen, wenn er Starqualitäten hat und das Team so einen Fahrer für nur ein Rennen einsetzen will."

Wie das dritte Auto Andretti zum Formel-1-Star machte

Mario Andretti

Gaststarter Andretti holte 1968 in Watkins Glen im Lotus 49 sensationell die Pole Zoom

Dass das Konzept funktioniert, steht für den Weltmeister des Jahres 1978 außer Zweifel. "Ich selbst bin das beste Beispiel", argumentiert er. Der heute 78-Jährige zählte zu den IndyCar-Spitzenpiloten, als er von Lotus eingeladen wurde, beim US-Grand-Prix 1968 in Watkins Glen einen dritten Boliden zu steuern.

"Colin Chapman gab mir damals die Möglichkeit, für ein Topteam in einem konkurrenzfähigen Auto anzutreten, und so habe ich mit dem dritten Auto die Pole geholt", erinnert er sich. Andretti war damals tatsächlich schneller als Stammpilot Graham Hill, kam im Rennen wegen eines Kupplungsproblems aber nicht über die erste Runde hinaus.

Aber das war nicht sein einziges Highlight als Gaststarter. "Ich habe auch mein erstes Rennen in einem dritten Ferrari in Südafrika gewonnen", verweist er auf das Jahr 1971, als er den Stammfahrern Clay Regazzoni und Jacky Ickx die Show stahl. "Was ich damit sagen will ist, dass das meine Karriere erst so richtig ins Rollen gebracht hat."

Andrettis Antwort an die Kritiker

"Wettbewerb ist Wettbewerb, und man muss in größeren Dimensionen denken." Mario Andretti

Abgesehen davon, dass man Quereinsteigern in der Formel 1 eine Chance geben würde, sieht er vor allem den "unbezahlbaren" Marketingwert solcher Aktionen: "Wir suchen doch immer nach neuen Wegen, wie wir die Formel 1 promoten können und so neue Fans erreichen. Und davon könnte die Formel 1 profitieren - nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Ländern."

Die Kritik der kleinen Teams, dass sie dadurch noch mehr zu Statisten degradiert werden würden, kann Andretti zwar nachvollziehen, doch er hält das für einen Nebenschauplatz: "Dann ist es eben so. Wettbewerb ist Wettbewerb, und man muss in größeren Dimensionen denken. Wenn man immer daran denken muss, dass ein Team dadurch einen Vorteil haben könnte, dann wird sich nie etwas verbessern. Man muss einfach jede Chance nutzen, damit sich etwas tut."

Andretti: Drittes Auto hätte auch Vorteile für kleine Teams

Abgesehen davon sieht er auch für die kleineren Rennställe mögliche positive Impulse: "Wenn die Formel 1 populärer wird, dann haben auch die kleinen Teams mehr Chancen, einen größeren Sponsor zu holen."Und für das Problem, dass nur noch ein paar Pünktchen für das Mittelfeld übrigbleiben würden, hat er auch schon eine Lösung: "Dann kriegt eben das Gastauto keine Punkte."

Dass auch die kleinen Teams ein drittes Auto einsetzen könnten, hält Andretti allerdings für unrealistisch: "Was bringt es, wenn ein aktueller Indy-Champion zu Sauber oder Haas geht, wo er vielleicht bestenfalls in die Top 10 kommt?"

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