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Lotus sei Dank: Renault sieht Licht am Ende des Tunnels

Für die Franzosen lief es im Vorfeld der Saison 2014 überhaupt nicht rund, doch warum sind aus dem Lotus-Lager dann positive Töne zu vernehmen?

(Motorsport-Total.com) - Niemand würde ernsthaft nur einen Penny auf ein Auto mit Renault-Motor setzen, wenn es um den Sieg beim Australien-Grand-Prix geht. Sogar Geld drauf zu wetten, dass nur eines von ihnen im Ziel ankommt, wäre verdammt tollkühn und ungefähr so, als würde man beim Pferderennen auf einen 500:1-Außenseiter setzen, weil einem der Name des Gauls gefällt. Warum versprüht Lotus in der Öffentlichkeit und hinter verschlossenen Türen nach dem ersten von zwei Bahrain-Tests so viel Optimismus?

Pastor Maldonado, PDVSA

Maldonado spielte nicht nur für Lotus, sondern auch für Renault Hoffnungsträger Zoom

In Anbetracht des Unmuts bei Red Bull, Toro Rosso und Caterham wäre der Schluss naheliegend, dass die Mannschaft aus Enstone einfach rotzfrech ist und politisch agiert. Das klingt aber nicht plausibel. Technikdirektor Nick Chester macht keinen Hehl daraus, dass Renault mit seinem Antriebsstrang hinter Ferrari und weit hinter Mercedes zurück liegt. Sein Gebrauch der Worte "ermutigend", "erfolgreich" und "Fortschritt" jedoch war ungewöhnlich.

Der Lotus war nicht sehr schnell am vierten Tag. Tatsächlich war er langsam, da Pastor Maldonados Bestmarke 5,424 Sekunden über der niedrigsten Zeit der Woche von Nico Rosberg lag. Sogar, wenn man in Betracht zieht, dass die Rosberg-Zeit während einer Qualifying-Simulation in einem gut erprobten Auto gesetzt wurde und Lotus einfach nur herumrollte beziehungsweise die Dinge abarbeitete, die Mercedes in Jerez (wenn nicht sogar schon zuvor) erledigt hatte: Es bleibt eine Kluft zwischen den Leistungen eines Renaults und etwas halbwegs Konkurrenzfähigem.

Knackpunkt Getriebe

Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo bewegte sich in Bahrain eher selten aus der Boxengasse Zoom

Es gab aber positive Signale. Chester bestätigte, dass das Auto "bei voller Leistung" fuhr. Um sicherzugehen, wurde er nach seiner Definition dieses Begriffs gefragt. "Das heißt mit vollem Schub, voller Entfaltung der Energierückgewinnung", so Chester. "Wir hatten das bis Samstag nicht ausprobiert." Es handelt sich um das volle Potenzial des Motors unterstützt durch die gesamten 125.000 U/min des Turbo plus die 120 kW an elektrischer Energie. Das ist vielversprechend, aber eine kleine Hintertür seiner Definition sollte nicht verschwiegen werden.

Volle abgerufene Leistung bedeutet nicht in jedem Fall auch volle rückgewonnene Leistung. Sollte Renault die Systeme derzeit nicht verlässlich auf der Strecke aufladen können, wäre es einfach, das zu behaupten. Man müsste nur die Batterie in der Box aufladen und hätte dann die gesamte Wirkung der Zusatzpower. So amüsant dieses Wortspiel sein mag, gibt es keinen Zweifel, dass Renault hart daran zu knabbern, seine Energierückgewinnungssysteme zum Laufen zu bringen. Es gibt trotzdem Gründe, warum Lotus relativ zuversichtlich sein kann.


Fotos: Testfahrten in Sachir


Ohne Aussicht auf eine schnelle Gezeitenwende sind die Schwarz Goldenen an die Aggreagte gebunden und können sich jetzt darauf konzentrieren, das beste der Renault-befeuerten Teams zu werden. Sie haben aber den gleichen Antriebsstrang wie Red Bull, Toro Rosso und Caterham, also auch die gleichen Probleme? Nicht unbedingt. Lotus ist das einzige dieser Teams, das nicht mit dem Getriebe von Red Bull fährt. Natürlich haben die Weltmeister ihr eigenes, das sie an Caterham verkaufen. Obwohl Toro Rosso selbst eines fertigt, nutzen sie die Bauteile Red Bulls.

Mehr Spielraum bei der Kühlung

Im Winter gab es interessante Gerüchte darüber, dass Red Bulls Getriebe nicht mit dem großen Drehmoment des Renault-Antriebsstranges umgehen könnte. Während Lotus am Freitag in Bahrain selbst Probleme mit dem Getriebe hatte, wiederholte sich das am Samstag nicht. In Sachen Auto gibt es bei Lotus Grund zur Hoffnung, dass sie etwas gefunden haben, um weniger Probleme zu haben als der Rest. Red Bulls Chefesigner Adrian Newey hat Schwierigkeiten beim Einbau schon eingeräumt.

Lotus spricht von einem konservativeren Ansatz. "Es ist wirklich knifflig mit diesen Autos. Ihre Kühlung ist so viel aufwendiger als die der V8", sagt Chester. "Die Systeme sind sehr viel komplizierter, eine gute Balance zu finden ist ziemlich schwierig. Man muss das Kühlen aller Flüssigkeiten in den Griff bekommen, aber man muss auch die Luftkühlung ansprechend gestalten, damit unter der Motorabdeckung nichts zu heiß wird. Da haben wir viel Mühe ins Detail gesteckt, als es um den Antriebsstrang und die Berücksichtigung aller Komponenten ging."


Fotostrecke: Die erste Turbo-Ära der Formel 1

Es stellt sich die Frage: Hat Lotus sich mehr Spielraum gelassen als die anderen Renault-Teams, als sie die Kühlung des ersten Modells entworfen haben? "Das könnte sein", bestätigt Chester. "Es war Teil des Konzepts, da etwas mehr Freiheiten zu gewähren, weil wir auch wussten, dass wir nicht so viel Zeit haben würden, um uns auf das erste Rennen vorzubereiten. Ein großer Umbau bei der Kühlung ist vor dem Saisonauftakt ein Pfund." Möglicherweise hat das Lotus geholfen. Der Caterham allerdings gilt als "überkühlt" - wie passt das zusammen?

Start bedeutet große Hürde

Es wäre idiotisch, Lotus als Heroen hinzustellen, weil sie das Beste aus einem stark limitieren Renault-Paket machen. Es gibt aber Hinweise darauf, dass Red Bull sich das Leben selbst deutlich schwerer macht als nötig. Anfang der Woche klang bei Renault alles nach Puzzeln, als es hieß, die Teams könnten so viel Fahren wie sie wollen, ohne dass der Motor streikt. Das haute nicht hin, aber es gab eine sichere Strategie, um den Motor zum Laufen zu bringen. Dazu allerdings eine riskantere, näher dran an einer veritablen Rennabstimmung. Die ging für die Teams auf eigenes Risiko, falls einige Teams die konservative Option scheuen würden.

Marcus Ericsson

Die Probleme Caterhams scheinen ganz andere zu sein als die von Red Bull Zoom

Was sagt uns das alles? Renault hat derzeit den schwächsten Antriebsstrang und es gibt noch eine Menge zu tun. Für die Teams gibt es nicht einmal die Aussicht darauf, Starts zu üben. Selbst beim Australien-Grand-Prix im kommenden Monat loszufahren, könnte sich als Kampf herausstellen - von der Zieldurchfahrt ganz abgesehen.

Lotus mag am Samstag einen Lucky Punch gelandet haben mit seiner guten Fahrt. Selbst vor diesem Hintergrund waren es nur 59 Runden und eine dezente Rundenzeit. Die aber von einem Team, das den ersten Test ausließ und mit elf Umläufen bis dato 26 weniger abgespult hatte als Red Bull. Entweder wird bei Lotus gewaltig geblufft oder es gibt einen Schimmer Licht am Ende des Tunnels. Chester deutete sogar an, dass in der kommenden Woche eine Rennsimulation möglich sei. Das kann für alle vier Renault-Teams nur hilfreich sein. Sie brauchen jetzt jede Hoffnung, die sie nur auftreiben können.

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