• 15.05.2023 14:32

  • von Kevin Hermann

Lewis Hamilton: Habe über Wechsel zu Ferrari nachgedacht

Vertrag mit Mercedes läuft Ende 2023 aus: Wie sieht die Zukunft des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters Lewis Hamilton aus?

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton und Ferrari: Würde das passen? Zum Ende der Saison 2023 läuft der Vertrag des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters bei Mercedes aus, doch obwohl der Brite in der Vergangenheit schon einmal über einen Wechsel zu Ferrari nachgedacht habe, scheint seine Zukunft weiterhin bei den Silberpfeilen zu liegen.

Titel-Bild zur News: Carlos Sainz, Lewis Hamilton

Könnte Lewis Hamilton Carlos Sainz bei Ferrari ersetzen? Zoom

"Ich habe über die Ferrari-Fahrer nachgedacht und sie auf den Bildschirmen an der Rennstrecke beobachtet, und natürlich fragt man sich, wie es wäre, in Rot zu fahren", sagt Hamilton auf seine vertragliche Situation von 'ESPN' angesprochen. "Aber dann gehe ich zu meinem Team, zu Mercedes, und das ist mein Zuhause. Ich bin glücklich, wo ich bin. Ich habe noch keinen Vertrag unterschrieben, aber wir arbeiten an einem."

Während des Rennwochenendes in Miami hat Hamilton bereits klargestellt, dass er noch einige Jahre plane, in der Formel 1 zu fahren und sich auch offen gezeigt, mit 50 Jahren noch in der Königsklasse unterwegs zu sein. Obwohl der Mercedes nun im zweiten Jahr in Folge nicht siegfähig ist, scheint es an Motivation nicht zu fehlen.

"Habe enormen Antrieb": Hamilton denkt nicht ans Aufhören

"Ich habe nicht vor, in nächster Zeit aufzuhören", sagt er. "Ich bin nicht am Ende meiner Karriere, ich bin nicht in der Abwärtsspirale meiner Karriere. Ich bin in meiner besten Zeit. Es hängt alles davon ab, wie hart ich arbeiten will und wie gut ich körperlich und mental in Form bleibe."

"Wenn man sich LeBron [James] oder Tom Brady anschaut, dann haben sie gezeigt, dass man so lange durchhalten kann, wie man die nötige Energie und Zeit aufbringt. Im Moment habe ich nicht vor, mich zu ändern, ich habe nur vor, den Antrieb und die Motivation zu steigern und besser zu werden. Ich habe einen enormen Antrieb."

Hamilton: Mit Toto verhandeln ist schwierig

Hamiltons Vertrag bei Mercedes läuft dennoch Ende der Saison aus, was die Frage aufwirft, wie lange es noch bis zur Verlängerung dauert? "Es gibt keine Panik [wegen des Vertrages], wir werden es schaffen, keiner von uns fühlt Druck, wir sind immer ehrlich", sagt Hamilton.

"Wenn Toto [Wolff] also mit jemandem spricht, wird er es mir sagen und umgekehrt. Ich habe noch nie in meiner ganzen Zeit hinter dem Rücken eines Teams mit jemandem gesprochen, um zu sehen, ob ich ihn dazu bringen kann, die Messlatte höher zu legen - dieses Spiel habe ich nie gespielt, und er auch nicht."

"Wir waren also immer sehr direkt. Aber ich denke, dass eine so enge Beziehung es manchmal schwierig macht, harte geschäftliche Diskussionen zu führen, weil Emotionen im Spiel sind und wir sehr vorsichtig sein müssen, aus dem Kreis herauszutreten, die Beziehung beiseite zu lassen und uns auf das Geschäft zu konzentrieren und darauf, was für uns beide geschäftlich am besten ist. Aber es ist uns gelungen, über die Jahre hinweg ein gutes Gleichgewicht zu finden."

Toto Wolff: Wie verhandelt man mit seinem besten Freund?

Der Mercedes-Teamchef hat sich an die Verhandlungen mit Hamilton über die Jahre auch noch nicht so richtig gewöhnt, da es schwierig ist, die emotionale Verbindung mit dem Geschäft zu trennen. Als Co-Eigentümer des Rennstalls bedeutet jeder Cent mehr für Hamilton natürlich auch weniger Einkommen für Wolff.


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"Es ist super peinlich", meint der Österreicher. "Alle drei Jahre wissen wir, dass wir diesen Moment haben. Und es ist, als würde man mit seinem besten Freund, mit einem engen Freund, über die finanziellen Bedingungen verhandeln. Wie soll man das angehen? Normalerweise hat man so eine Situation nicht."

"Ich will das Beste für ihn, aber in dieser Rolle brauche ich das Beste für die Mannschaft. Das kann das einzige Mal in unseren zehn oder elf Jahren sein, dass wir zusammen sind und unsere Ziele auseinandergehen."

"Letzten Endes ist es schwierig, mit einem Freund über Geld zu sprechen. Penny [Thow, Hamiltons Managerin] hilft dabei. Penny hat uns im Zaum gehalten und wir haben mit ihr einen guten Modus Operandi gefunden, wie wir miteinander reden. Wir vermeiden es, miteinander über Geld zu reden, aber wir reden beide mit Penny."

Reizt Hamilton ein Karriereende bei McLaren?

Ein neuer Vertrag mit Mercedes scheint also nur Formsache zu sein und dabei soll es auch nicht nur eine einjährige Verlängerung sein, wie der 38-Jährige betont: "Ich denke langfristig", sagt Hamilton. "Ich will nicht nur ein Jahr hier bleiben. Ich möchte länger bleiben."

Aber würde ihn nicht vielleicht doch nach mittlerweile zehn Jahren beim Mercedes-Werksteam eine neue Herausforderung reizen? Möglicherweise eine Rückkehr zu den Anfängen seiner Formel-1-Karriere bei McLaren?


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Hamilton lässt sich eine Hintertür zumindest offen: "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nie darüber nachgedacht habe, meine Karriere woanders zu beenden", sagt er. "Ich habe bei McLaren angefangen. Ich würde gerne glauben, dass ich immer ein Teil der McLaren-Familie sein werde. Ich habe dort angefangen, als ich 13 Jahre alt war [als Nachwuchsfahrer], also habe ich darüber nachgedacht, wie es aussehen würde, wenn ich eines Tages bei McLaren wäre."

Hamilton schließt andere Rennserien nicht kategorisch aus

Auch ein Wechsel in eine andere Rennserie würde der Brite in Zukunft zumindest kategorisch nicht ausschließen: "Ich habe vor Jahren einen Tausch mit [NASCAR-Pilot] Tony Stewart gemacht, das war lustig. Irgendwann würde ich das gerne mal ausprobieren."

"Ich glaube nicht, dass es ein Traum von mir ist, in einer anderen Serie zu fahren, aber ich bin ein Bewunderer und ein Fan des Rennsports und anderer Sportarten, also würde ich es immer gerne versuchen, und es ist eine tolle Gelegenheit, zum Beispiel mit Valentino Rossi zu tauschen und ein MotoGP-Motorrad zu testen."

"Manchmal schaue ich auch IndyCar. Irgendwann würde ich gerne mal eines dieser Autos ausprobieren. Ich bin kein großer Fan des großen Kopfschutzes, den sie haben, aber die Old-School-Autos, die sie haben, klingen und sehen gut aus. Aber im Moment liegt mein Fokus ausschließlich auf der Formel 1. Ich habe also nicht vor, hier in nächster Zeit wegzugehen."