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Leclerc fordert Aussprache: "Müssen für die Zukunft alles überprüfen"

Nach den fragwürdigen Strategieentscheidungen von Ferrari in Silverstone mahnt Charles Leclerc zu einer genauen Überprüfung und macht seinem Ärger Luft

(Motorsport-Total.com) - Warum holte Ferrari während des späten Safety-Cars beim Grand Prix von Großbritannien Carlos Sainz und nicht Charles Leclerc an die Box, um ihm für die Schlussphase frische Soft-Reifen zu geben? Diese Frage stellten sich am Sonntag während des Formel-1-Rennens in Silverstone nicht nur Ferrari-Fans.

Charles Leclerc, Carlos Sainz, Lewis Hamilton, James Sutton

In der Schlussphase wurde Charles Leclerc zur leichten Beute für die Verfolger Zoom

Als gegen Ende des Rennens das Safety-Car kam, ließ Ferrari den Führenden Leclerc auf harten Reifen draußen und stoppte Carlos Sainz, um auf die weichen Pneus zu wechseln - eine Strategie, die von fast allen anderen Fahrern im Feld geteilt wurde.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto bestätigte später, dass das Team seine Autos nicht direkt nacheinander an die Box holen wollte und Leclerc deshalb draußen ließ, da er auf der Strecke eine bessere Position und zudem jüngere Reifen als Sainz hatte.

Ferrari-Strategie auch für Leclerc ein Rätsel

Leclerc, der seit dem Start mit einem beschädigten Frontflügel fuhr, wurde beim Restart auf den harten Reifen jedoch zum leichten Opfer. Trotz hartnäckiger Gegenwehr verlor er Plätze an Sainz, Sergio Perez (Red Bull) und Lewis Hamilton (Mercedes) und fiel schließlich bis auf den vierten Platz zurück.

Nachdem er im Parc Ferme aus seinem Auto gestiegen war, unterhielt sich Leclerc kurz mit Binotto, bevor er sich den Medien stellte. "Ich möchte mich jetzt nicht dazu äußern, sondern mit dem Team diskutieren, was der Grund dafür war", kommentierte er die Entscheidung, sein Auto nicht an die Box zu bringen.


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"Offensichtlich hatte ich das Gefühl, dass ich im ersten Teil des Rennens sehr stark war und ein wenig Zeit verloren habe", analysiert Leclerc, der in der ersten Rennhälfte zeitweise hinter Sainz festhing. "Ob das am Endergebnis etwas geändert hätte, glaube ich nicht, aber für die Zukunft müssen wir alles überprüfen."

Leclerc: "Rennen war eine Achterbahnfahrt"

Auf die Frage, ob er über Funk etwas zu einem möglichen Stopp gesagt habe, antwortet er: "Nein, denn es war schon sehr spät, und das Team sagte, ich solle draußen bleiben. Also kann ich natürlich nicht reinkommen, wenn wir uns nicht einig sind, und das war's."

Sein Gespräch mit Binotto nach dem Rennen habe nur dazu gedient, "mich aufzumuntern", betont Leclerc. "Aber natürlich ist die Enttäuschung für mich groß. Das Rennen war eine Achterbahnfahrt. In der ersten Runde brach ich mir den Frontflügel, und dann dachte ich, es sei vorbei, denn ich hatte ziemlich viel Untersteuern."

"Dann habe ich es geschafft, mit den Einstellungen herumzuspielen, sodass sich die Front besser anfühlte, und dann kam die Pace zurück und wir waren sehr stark. Der Sieg schien immer wahrscheinlicher, doch dann kam das Safety-Car und das war's. Es ist frustrierend."

Kampf ums Podest bis zum bitteren Ende

Den späten Kampf um seine Position habe er dennoch genossen, vor allem das Duell mit Hamilton. "Ich weiß nicht, wie viel man davon gesehen hat, aber es war ziemlich am Limit", blickt der Ferrari-Pilot auf die Schlussphase zurück. "Ich musste am Limit fahren, um meine Position zu halten, was ich auch tat."

"Ich glaube nicht, dass ich viel besser hätte abschneiden können als das. Es hat Spaß gemacht. Auf der anderen Seite war ich sehr frustriert", gibt der Monegasse zu, der sich auf seinen harten Reifen mit Händen und Füßen zu verteidigen versuchte. "Das war alles sehr knifflig, also musste ich alles nutzen, was möglich war."

"Ich habe immer darauf geachtet, dass Lewis am Scheitelpunkt etwas zurückliegt, um in den Regeln zu bleiben. Ich habe versucht, mein Bestes zu geben." Denn die Hoffnung aufs Podest wollte Leclerc nicht aufgeben: "Ich dachte immer noch, dass alles möglich sei."

"Es hat am Ende zwar nicht gereicht, aber auch wenn ich wusste, dass es sehr, sehr schwierig werden würde, habe ich bis zur letzten Runde daran geglaubt." Über den ersten Grand-Prix-Sieg seines Teamkollegen habe er sich trotz der eigenen Frustration aber gefreut: "Natürlich, und ich denke, das ist ein wichtiger Punkt."

"So sehr ich meinerseits auch enttäuscht bin, sollte die Aufmerksamkeit diesem erstaunlichen ersten Sieg von Carlos gelten. Es ist ein wahr gewordener Traum. Als Kind träumt man von diesem Moment, vor allem mit Ferrari, also muss er es genießen. Es ist sein Tag, und hoffentlich wird es nächstes Mal mein Tag sein."