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  • 16.03.2017 · 18:57

  • von Dominik Sharaf

Le-Mans-Legende Kristensen: Fast Stammfahrer bei Williams

Der Däne schlug sich bei einem Test gut und klammerte sich an den "Kindheitstraum Formel 1", doch Audi und die Liebe zu den Sportwagen ließen alles anders kommen

(Motorsport-Total.com) - Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen wäre fast Williams-Pilot in der Formel 1 geworden. Wie der Däne in der 'Royal Automobile Talk Show' erzählt, hätte ihm ein Testeinsatz Ende der Neunzigerjahre um ein Haar ein Stammcockpit beschert. "Ich hatte die volle Unterstützung von Patrick Head, aber es kam dennoch nicht zustande", erinnert sich Kristensen an die Reaktion des damaligen Technikchefs und Teilhabers - denn seine Konzentration galt stets dem 24-Stunden-Klassiker an der Sarthe.

Tom Kristensen © LAT
Der junge Kristensen: Für die große Liebe Le Mans ließ er die Formel 1 außen vor

Dort hatte er sich nach einem Gesamtsieg für Porsche 1997 mit seinen Auftritten im LMP1-Renner von BMW - dessen Chassis zu weiten Teilen in Grove entwickelt wurde - empfohlen. "Frank Williams rief mich an und sagte: 'Ich möchte, dass du unser Formel-1-Auto in Magny-Cours testest.' Ich habe mich bei diesem Einsatz gut geschlagen, ganz bestimmt sogar", so Kristensen, der einen Spagat wagte: Einerseits in Le Mans bei einem Werksteam sein, andererseits mit der Beletage liebäugeln.

Er spricht bezüglich der Königsklasse von einem "Kindheitstraum", den er nach Titeln in der Formel 3, einer erfolgreichen Formel-3000-Zeit sowie einem Engagement als Ersatzmann bei Tyrrell 1998 "nie richtig aufgeben" hätte. Doch alles kam anders. Kristensen traf sich 1999 mit dem damaligen Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich, der ihm mit einem auf mehrere Jahre angelegten Werksprogramm der Ingolstädter die erhoffte Perspektive in der Sportwagen-Szene bot. Er nahm sofort dankend an.


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"Die Realität war eben anders", meint Kristensen. "Ganz ehrlich: Nur bei den Sportwagen habe ich eine solch großartige Karriere hinlegen können." Die Konsequenz, mit der Audi Erfolge bei den 24 Stunden von Le Mans ins Auge gefasst hatte, hatte ihn beeindruckt und er wurde nicht enttäuscht. In den folgenden Jahren ergab sich eine scheinbar perfekte Symbiose. Gänzlich begrub Kristensen die Formel-1-Pläne aber nicht, sondern teste für Reifenzulieferer Michelin weiter neue Pneus an älteren Autos.

Der heute 49-Jährige bereut nichts. "Eines muss ich festhalten, weil es mir sehr wichtig ist", erklärt Kristensen, "nirgends ist der gegenseitige Respekt bei allen größer, wenn sie in ein Rennen starten, als in Le Mans. Das macht es zu einem solch wunderbaren Event. So muss Motorsport sein." Ohne, dass er es ausspricht: In der Formel 1 scheint er diese Mentalität vermisst zu haben und andernorts glücklich geworden zu sein. Es lässt sich behaupten, ein Tom Kristensen hätte der Königsklasse mehr gefehlt als andersherum.

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