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  • 12.11.2017 · 22:17

  • von Dominik Sharaf & Jonathan Noble

Kritik an Bottas nach verzockter Pole: "Braucht Killerinstinkt"

Toto Wolff wusste nach wenigen Sekunden, dass sein Schützling in Brasilien nicht gewinnen würde - Strategie war Verzweiflungstat - Bottas selbst auch enttäuscht

(Motorsport-Total.com) - Er war mehr erster Verlierer als zweiter Sieger: Valtteri Bottas hatte nach dem Brasilien-Grand-Prix am Sonntag wenig zu lachen. Die Gelegenheit, sich in Sao Paulo mit einem Rennsieg für die Formschwäche der vergangenen Wochen zu rehabilitieren, ließ der Finne trotz Pole-Position aus und kam nur als Zweiter hinter Sebastian Vettel ins Ziel. Mit einer Aufholjagd, die ihn bis fast an das Heck des Finnen führte, unterstrich Lewis Hamilton zudem das interne Kräfteverhältnis bei Mercedes.

Auch Bottas' Boss singt keine Hymen, sondern ortet Nachholbedarf. Sportchef Toto Wolff meint auf die unterschiedlichen Leistungen der Piloten angesprochen: "Lewis war das ganze Jahr Rock'n Roll, während sich Valtteri langsam erholt hat. Er braucht noch einen Tick mehr Killerinstinkt." Team-Aufsichtsrat Niki Lauda schwächt die Kritik ab und warnt davor, Eindrücke aus Interlagos zu verallgemeinern: "Lewis war auf einer ganz anderen Strategie. Man kann beide nicht vergleichen."

Fakt ist: Bereits nach wenigen Metern war für Bottas der Brasilien-Sieg futsch - als er am Start seine Führung an Vettel abgab. "Er ist am Anfang gut weggekommen, hat dann aber zu stark durchdrehende Räder gehabt - zweiter, dritter, vierter Gang, da hat er es verloren. Es hat ihn das Rennen gekostet", bedauert Wolff. Bottas zuckt mit den Schultern - er sei völlig überrascht worden: "Es gab weniger Grip als ich erwartet hatte. Als ich die Kupplung losgelassen habe, war die Traktion weg."

Dass Ex-Rennfahrer und Lokalmatador Rubens Barrichello in der Mercedes-Box erzählte, dass die Start- und Zielgerade in Sao Paulo außen (wo Bottas startete) steiler ansteigen würde und man deshalb nicht so stark beschleunigen könnte wie innen, quittierte Toto Wolff mit einem Lächeln. Selbiges war nicht mehr so strahlend, als es für seinen Piloten auf den ersten Reifenwechsel zuging.

Den Undercut-Versuch gegen Vettel nennt der Sportchef "eine kleine Verzweiflungstat", weil es auf der Strecke kein Vorbeikommen gab. "Das Tempo der beiden Autos war so nahe beieinander", schnauft Wolff, "wir wussten, dass eine halbe Sekunde fehlen würde, aber wir haben es probiert."

Mit den Soft-Reifen im zweiten Stint fühlte sich Bottas weniger wohl als mit Supersoft am Anfang. Er habe nicht mehr den gleichen Druck aufbauen können, moniert er: "Vielleicht hat es so ausgesehen, als hätte ich Probleme. Ich habe aber abgewartet und versucht, mit den Reifen zu haushalten, um am Ende attackieren zu können. Wir haben es probiert, aber es war nichts mehr drin." Hamilton wiederum hatte den Vorteil, dass er mit einem leichten Auto am Ende alles aus dem Supersoft herausholen konnte - ohne Rücksicht auf Verluste, während Bottas Kimi Räikkönen im Nacken hatte.

Ergo gratulierte der zweitplatzierte Bottas dem viertplatzierten Hamilton - nicht umgekehrt. "Er ist ein tolles Rennen gefahren", zieht der Finne den Hut und ärgert sich über die ausgelassene Siegchance: "Wir sind von der Pole gestartet - da war es natürlich unser einziges Ziel, zu gewinnen." Randnotiz: Dass Vettel Bottas am Ende der Safety-Car-Phase auflaufen ließ und beinahe Stehversuche veranstalte, nahm ihm im Mercedes-Lager nur Niki Lauda übel. Wolff beschwichtigt: "Die Saison ist lang. Da poltert man schnell und wird schnell emotional. Ich habe da nichts Abnormales gesehen."

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