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  • 26.09.2011 · 14:12

  • von Pit Lane

Kolumne: Ein Unfall? Mit einem Mercedes?

'Motorsport-Total.com'-Kolumnist Pitl Lane über Schumachers Auffahrunfall von Singapur: Wo bleibt Distronic Plus beim Formel-1-Mercedes?

Michael Schumacher und Sabine Kehm

Michael Schumacher spaziert mit Sabine Kehm aus dem Paddock

Liebe Freunde des Siebenfachen,

Drängeln im Straßenverkehr geht mir tierisch auf die Nerven. Das liegt daran, dass man auf der Autobahn nie weiß, welcher rasende Versicherungsvertreter sich da gerade bezüglich seiner Fahrkünste total verschätzt. Auf Rennstrecken ist das natürlich anders. Auf dem Niveau der Formel 1 weiß man ganz genau, dass der andere weiß, was er tut - oder weiß man das nicht?

Das Wochenende in Singapur hat in mir ein paar Zweifel aufgebracht. Einerseits war das ein gewisser Mister Hamilton, der wahrscheinlich aus dem Massa-Slick einen per Frontflügel handgeschnittenen Intermediate machen wollte. Mein alter Kumpel Marc Surer benutzt dafür immer einen Begriff, den ich noch nie im Pons-Wörterbuch auf Englisch finden konnte: "angriffig". Für mich war es ein "classic Lew, Jahrgang 2011, Hang zum Heizen".

Brille? Fielmann!

Die Hamilton-Aktion war bei mir mit einem Kopfschütteln schnell abgehakt. Aber what the Hell hat der Michael da veranstaltet? Fährt dem Perez den Hintern ab und setzt zu einem Flug an: "Air Schumacher". Um mich herum gab es erneut Kopfschütteln, aber diesmal gepaart mit ein paar unterhaltsamen Kommentaren. "Der braucht eine Brille - so einfach ist das." Dieser Satz fiel oft und heizte die Stimmung zusätzlich an.

Pit Lane

Man kann das Nachtrennen in Singapur auch von der lustigen Seite sehen... Zoom

Bei einem Mann lassen im Alter von 40 Jahren langsam die Augen nach. Das ist kein Scherz, sondern wissenschaftlich bestätigte Tatsache. Der Grund ist medizinisch eindeutig belegt. Die Linse verliert im Alter die Fähigkeit zur Verformung immer mehr. Es fällt zunehmend schwerer, sich auf Details in direkter Nähe einzustellen.

Man spricht dabei von der typischen Alters-Weitsichtigkeit. Ich selbst kenne mich damit aus. Heutzutage brauche ich eine Brille, um die Etiketten der Weine zu lesen, die mir schmecken sollen. Früher reichte ein flüchtiger Blick, ein Korkenzieher und ein Glas: Cheerio! Vielleicht hat Schumacher wegen des geringen Abstands zu Perez gar nicht mehr richtig sehen können.

In der Sauber-Hospitality war man nach dem Crash gar nicht zu Scherzen aufgelegt. Peter Sauber und seine Team-Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn wetterten meinem geschätzen 'Blick'-Kollegen Roger Benoit ins Diktiergerät, dass es bereits Schumachers fünfter Crash des Jahres war, bei dem er sich offenbar verschätzte und einfach in einen Gegner rappelte.

Stunk bei Sauber

"Bei mir hätte es eine hohe Strafe gegeben. Doch Schumacher kann machen, was er will", tobt die ansonsten immer besonnene Monisha Kaltenborn. Peter Sauber findet die Aktion höchst ungerecht, ebenso den Umgang der Rennleitung damit: "Hamilton hat für seine Attacke von hinten gegen Massa sofort eine Durchfahrtsstrafe bekommen!"

Bei Sauber einigte man sich darauf, dass Schumacher tatsächlich wohl eine Brille tragen sollte. Vielleicht gibt es aber auch einen anderen Weg. Wenn man Mercedes früher schon keine einzige Panne abnahm (Zum Werbespot bei YouTube!), warum soll man nicht mit Systemen künftig solche Fehler in der Formel 1 vermeiden können? Die Stuttgarter haben doch alles, was man braucht.

¿pbvin|512|4115||0|1pb¿Schaut euch mal die möglichen Konfigurationen der Mercedes-Straßenautos an: aktiver Totwinkel-Assistent, Distronic Plus, BAS Plus, Pre-Safe-Bremse, aktiver Spurhalte-Assistent - all diese Features gibt es im Programm. Man müsste doch nur den MGP W02 mal damit ausrüsten, um den "grauen Star" des Werksteams zu schützen.

Klar, auch ich weiß, dass elektronische Fahrhilfen in der Königsklasse nicht erlaubt sind. Aber: Hat es Schumacher oder dessen Umfeld immer davon abgehalten, sie nicht vielleicht doch mal zu benutzen? Der liebe Flavio (Sorry Mate, dass ich auf Benetton-Zeiten zu sprechen komme) wusste seinen Topfahrer jedenfalls entsprechend zu unterstützen...

C'est la vie,


Pit Lane