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Klimadebatte: Wie die Formel 1 ihre Zukunft sichert

Die Frage, womit die Formel 1 ihre Daseinsberechtigung legitimiert, muss in diesen Zeiten erlaubt sein, zumal die Formel E immer relevanter wird

(Motorsport-Total.com) - Die Klimadebatte trifft alle Bereiche von gesellschaftlicher Relevanz, gerade den Verkehrssektor als einen der Hauptverursacher des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2). In Deutschland wird Autofahren teurer; dafür sollen nach dem Willen der Großen Koalition bis 2030 sieben bis zehn Millionen Elektroautos unterwegs sein.

Chase Carey, Toto Wolff

Formel-1-Boss Chase Carey im Gespräch mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff Zoom

Noch ist die Nachfrage gering und die Einstiegsbarriere hoch. Wahrscheinlich liebt der Durchschnittsdeutsche seinen Benziner oder Diesel zu sehr.

Und viele lieben die Formel 1, wie sie einmal war: laut, röhrend, brachial. Vergangene Woche jettete der PS-Zirkus von Singapur nach Russland, wo ein sogenanntes Back-to-Back-Rennen stattfand, also der zweite Grand Prix an aufeinanderfolgenden Sonntagen.

Im großen Kontext steuert die Formel 1 auf den Regelumbruch 2021 hin. Abseits aller Flügelabmessungen und aerodynamischen Spezifikationen darf die Kardinalfrage lauten: Wie legitimiert der Motorsport in aufwühlenden Klima-Zeiten eigentlich seine Daseinsberechtigung?

Formel 1 braucht grüne Technologie, um Hersteller zu halten

Das ist überspitzt, aber im Kern wahr, und das weiß die Formel 1. Der Prozess ist längst im Gange. Schon 2014 setzte sich das Downsizing fort. Damals wurden die 2,4-Liter-Saugmotoren von 1,6-Liter-Turbos abgelöst, Hybrid hielt Einzug, hochkomplexe Aggregate, Wunderwerke der Ingenieurskunst.

Allein: Die Botschaft verfehlte die Basis, das Verschwinden des charakteristisch-infernalischen Motorengebrülls störte Puristen massiv. Und nicht nur solche.

Fünf Jahre später hat sich der Lärm um zu wenig Lärm gelegt. Weil der grünere Anstrich - Achtung, berühmtes Wort aus der Politik - alternativlos erscheint. "Die Formel 1 ist die Spitze des Motorsports. Da kann man technisch nicht zurückgehen auf ein Niveau wie vor 30 Jahren", argumentiert Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Die Hybrid-Turbos inklusive Energierückgewinnung seien aufgrund ihrer thermischen Effizienz bedeutsam, um die Formel 1 attraktiv für Konzerne zu machen respektive zu halten. Ansonsten, unkt Wolff, wäre "heute wohl mit Sicherheit kein großer Hersteller mehr dabei".

Formel 1 bringt Kraftstoff, der CO2-neutral werden soll

Die Formel 1 habe den "effizientesten und kraftvollsten Motor, und der technische Fortschritt hat diese Autos zu Hightech-Maschinen gemacht", sagt Wolff, ehe er die Brücke schlägt: "Genau diese Technologie wandert in die Straßenfahrzeuge."

Vorarbeit für die Serie ist traditionell eine Säule des Motorsports. Es geht eben nicht nur darum, dass 22 tollkühne Kerle herausfinden, wer am Schnellsten im Kreis fahren kann.

Alejandro Agag

Alejandro Agag ist Chef der Elektro-Rennserie Formel E Zoom

Formel-1-Boss Chase Carey spricht in bedeutungsschwangeren Vokabeln, wenn er gegenüber Wallstreet-Analytikern die "Bemühungen in Sachen Nachhaltigkeit" unterstreicht, "da werden wir ab Herbst deutlich mehr tun". Die niedrigen Emissionen der V6-Turbos sollen klarer kommuniziert werden. "Ich denke, das hat für uns mehr Pluspunkte als alles andere", sagt Carey.

"Alles dreht sich um Nachhaltigkeit und darum, CO2-neutral zu werden", ergänzt Wolff, womit das Stichwort fällt. Ab 2021 soll synthetischer Kraftstoff genutzt werden, ein E-Fuel, der partiell aus erneuerbaren Energien entsteht und annähernd CO2-neutral sein soll - was der Formel 1 sogar Vorteile im Vergleich mit der Elektroserie Formel E bescheren würde.

Formel 1 muss sich auch wegen Formel E verändern

Aktuell sind E-Fuels nicht in ausreichender Menge vorhanden, um durch eine komplette Saison zu kommen. Deshalb wird sich der Anteil des synthetischen Kraftstoffs zunächst zwischen 20 und 25 Prozent bewegen. Über die Jahre soll die Rate gesteigert werden mit dem Fernziel, irgendwann unabhängig von fossilen Brennstoffen zu sein.

Noch genießt die Formel 1 eine Vorreiterrolle, während die 2014 aus der Taufe gehobene Formel E ihre Nische besetzt, aber immer wichtiger wird - speziell für Hersteller. Zur Saison 2019/20 steigen Mercedes und Porsche ein.

Der Veränderungsdruck für die Formel 1 ist nicht zu unterschätzen. Jean Todt, früher Teamchef von Michael Schumacher bei Ferrari, seit 2009 Präsident des Automobil-Weltverbandes FIA, benennt die Formel für die Formel 1: "Hybridtechnologie, Energieeffizienz, immer geringerer Benzinverbrauch - das sind die wichtigen Faktoren für die Zukunft."

Hinweis: Dieser Artikel ist zuerst am 26. September bei FOCUS Online erschienen. Zur Originalversion bei unserem Kooperationspartner geht es hier!

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