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Keine Strafe für Leclerc: Saurer Hamilton kündigt Konsequenzen an

Lewis Hamilton hat die Rennkommissare nach dem knallharten Duell mit Charles Leclerc kritisiert - Der Monegasse beruft sich jedoch auf Österreich

(Motorsport-Total.com) - Auf dem Weg zum ersten Heimsieg von Ferrari seit 2010 musste sich Charles Leclerc in Monza harter Konkurrenz erwehren. Die beiden Silberpfeile machten ihm das Leben auf dem Weg zum zweiten Saisonerfolg nach Belgien mehr als schwer - erst Lewis Hamilton, dann Valtteri Bottas. Leclerc wehrte sich auf härteren Reifen nach Kräften und war dabei teils an der Grenze des Erlaubten unterwegs.

Charles Leclerc, Lewis Hamilton

Charles Leclerc verteidigt sich mit dem Messer zwischen den Zähnen gegen Hamilton Zoom

Vor allem bei zwei Vorfällen hätte sich Leclerc nicht wundern müssen, wenn die Rennkommissare eine Strafe ausgesprochen hätten: In Runde 23 drückte er Hamilton außen bei der Anfahrt zur zweiten Schikane ins Gras, in Runde 37 kürzte er die erste Schikane ab, fuhr dabei aber nicht um die Styropor-Blöcke in der Auslaufzone - in beiden Fällen behielt er die Führung.

"Das war vielleicht ein klein wenig zu viel des Guten", meint Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Doch die Rennkommissare um Rennleiter Michael Masi drückten in beiden Fällen ein Auge zu und verhängten keine Strafe. Damit kann Wolff leben: "Was wäre die Konsequenz? Gibt man ihm eine Strafe hier in Monza, dann hätte es einen Aufstand gegeben", lacht der Österreicher.

Hamilton: Kommissare "mit dem falschen Fuß aufgestanden"

Damit trifft er aber den Nerv seines Piloten Lewis Hamilton, der nach dem Rennen gar nicht gut auf die Entscheidungen zu sprechen war: "Wir verlangen andauernd nach Konstanz. Es wurde eine Regel aufgestellt, doch heute hat man sie nicht befolgt", ärgert sich der Mercedes-Pilot, der keinen Weg an Leclerc vorbeifand und schließlich nur Dritter wurde.

"Heute haben sie andere Konsequenzen angewendet, und ich weiß wirklich nicht, warum das so ist", prangert er die Kommissare an. "Ich schätze, die Stewards sind einfach mit dem falschen Fuß aufgestanden."

Toto Wolff beschwichtigt jedoch und zeigt Verständnis für die Rennleitung. "Das Problem ist: "Wir wollen hartes Racing sehen. Aber wie weit lässt man die Leine?", so der Mercedes-Boss. "Man hätte für beide Vergehen eine Strafe aussprechen können. Aber man muss auch sagen: Sie (Ferrari; Anm. d. Red.) haben das Rennen gewonnen, sie hatten das stärkste Auto."

Leclerc: Aus Österreich gelernt

Charles Leclerc beruft sich bei den Situationen auf das Rennen in Österreich. Dort wurde er damals kurz vor Schluss von Max Verstappen abgedrängt, doch der Niederländer wurde ebenfalls nicht bestraft und durfte den Sieg behalten. "Seit Österreich ist klar, dass wir bei der Aggressivität beim Verteidigen und Überholen etwas weiter gehen können", sagt der Ferrari-Pilot.

"Ich glaube, dass Österreich mir dabei geholfen hat, meinen Ansatz zu verändern. Und dank dessen konnte ich heute gewinnen", hat er aus Spielberg einiges mitgenommen. "Ich war heute natürlich stark am Limit, aber ich freue mich, dass ich so fahren kann."

Eine Konsequenz aus dem lockereren Ansatz der Rennleitung war die Wiedereinführung der schwarz-weißen Verwarnungsflagge - auch wenn sie offiziell nie verschwunden war. Die sah Leclerc am Sonntag für sein Manöver gegen Hamilton und kam damit noch einmal um eine Strafe herum, die es früher vielleicht gegeben hätte.

Hamilton: "Ich freue mich auf das nächste Mal ..."

"Ich wusste, dass er rechts neben mir war", erklärt er zu der Szene. "Er hat ein bisschen früher gebremst, was vielleicht Absicht war, da er es nicht außenherum probieren wollte." Leclerc dachte, er hätte eine Autobreite Platz gelassen, und ist auch nach dem Rennen noch "ziemlich sicher", dass er das gemacht habe.

Hamilton will über all das aber nicht mehr viele Worte verlieren. "Es spielt keine große Rolle, was ich denke. Ich habe da gar nicht viel zu sagen", winkt er ab. "Ich musste ihm heute einige Mal ausweichen, um eine Kollision zu vermeiden. Ich schätze, so ist der Rennsport heute nun einmal."

Er hat das Gefühl, dass die jungen Piloten heute mit viel mehr davonkommen als die älteren Piloten. "Das ist gut zu wissen. Ich freue mich auf das nächste Mal", kündigt er indirekt auch eine härtere Gangart an.

Wolff will sich die Szenen merken

Toto Wolff will die nicht gegebenen Strafen auf jeden Fall als Referenz mitnehmen - für das nächste Mal. "Ich habe keine Zweifel, dass wir ihnen (den Rennkommissaren; Anm. d. Red.) unter anderen Umständen das Video zeigen werden", lacht er.

In Monza hat Mercedes das Rennen aber verloren, auch wenn Wolff schon im Vorfeld angekündigt hatte, dass er mit den Plätzen zwei und drei zufrieden sein würde. Doch gegen den Topspeed von Ferrari konnten die Silberpfeile einfach nichts ausrichten. "Ferrari hatte das stärkste Paket, daran gibt es keinen Zweifel. Wir haben alles reingeworfen, aber es hat nicht gereicht", sagt er.

Auch Valtteri Bottas, der nach einem Fehler Hamiltons in Kurve 1 den zweiten Platz übernahm, konnte daran nichts mehr ändern. Zwar konnte er Leclerc vor sich hertreiben, doch in den entscheidenden Momenten hatte er keine Chance gegen den schnellen Ferrari. "Ich habe alles versucht, aber immer wenn ich näher dran war, hatte ich in den Kurven Probleme", sagt Bottas.

Keine Chance gegen Ferrari-Topspeed

Das Problem bringt er auf den Punkt: "Mit offenem DRS hatten wir den gleichen Speed wie sie ohne DRS." In den Kurven hätte er dank frischerer und weicherer Reifen Boden gutmachen können, trotzdem kam er nie so wirklich in Schlagdistanz.

"Wir mussten aber sehr nah rankommen, um zu überholen, weil sie auf den Geraden so schnell waren. Es gab heute keine Möglichkeit, außer er hätte einen großen Fehler gemacht", sagt Bottas. "Wenn du nah dran bist, verlierst du an den Vorderreifen eine Menge Last - und dann sind blockierende Reifen oder kleine Fehler einfacher. In den Kurven rutschst du zudem dank des fehlenden Abtriebs. Wir hatten keine Chance zu überholen."

Und so konnte Leclerc am Ende Ferraris ersten Heimsieg seit 2010 einfahren - auch wenn der Weg dahin recht steinig und hart war. Die Konkurrenz hat sich heute aber ganz genau angesehen, was die Kommissare zulassen und was nicht.

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