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Kaltenborn: Perez darf nicht abheben

Teamchef-Stellvertreterin Monisha Kaltenborn gibt zu, dass die Erwartungen seit Sepang gestiegen sind, und bemüht sich, Sergio Perez vor dem Abheben zu schützen

(Motorsport-Total.com) - Gestern noch ein gescholtener Paydriver, heute schon Formel-1-Superstar: Sergio Perez erlebt gerade die schönen Seiten der Schnelllebigkeit des Grand-Prix-Sports. Doch sollte er am kommenden Wochenende beim Grand Prix von China nicht an seine starke Leistung des zweiten Platzes in Malaysia anknüpfen können, könnte es mit der Euphorie sehr schnell wieder vorbei sein.

Titel-Bild zur News: Sergio Hernandez

Sergio Perez hat seit seinem tollen zweiten Platz in Sepang gut lachen

Sogar Peter Sauber weiß, dass Malaysia "eine Momentaufnahme" war, nicht mehr - vorerst. Inwiefern sich Perez dadurch geändert hat? "Nicht viel. Er grinst noch mehr als sonst", lacht Geschäftsführerin Monisha Kaltenborn. "Er hatte in Mexiko eine tolle Zeit, was man ihm auch ansieht, aber er weiß ganz genau, dass das nur ein gutes Ergebnis war und dass er weiterhin an sich arbeiten muss. Vor ihm liegen noch viele Herausforderungen, denen er sich stellen muss."

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Von den Medien wurde er in den vergangenen zweieinhalb Wochen unermüdlich in den zweiten Ferrari geschrieben. Felipe Massa, so wird spekuliert, fährt in China und Bahrain unter Bewährung - und Perez würde sich beim Mugello-Test Anfang Mai auf seinen Wechsel zu Ferrari vorbereiten. Aber: "Das sind wirklich reine Spekulationen. Für uns ist klar, dass er bei uns fährt. Das hat verschiedene Gründe", winkt Peter Sauber im Interview mit 'Motorsport-Total.com' ab.

Absehbar war die Perez-Sensation in Malaysia nicht: "Wir waren schon 2010, als wir ihn unter Vertrag genommen haben, von seinem Talent überzeugt. Das haben wir auch offen gesagt - und wir wurden dafür kritisiert", erinnert sich Kaltenborn. "Aber in seinem ersten Jahr zu sagen, dass wir schon etwas ganz Besonderes in ihm sehen, wäre unmöglich gewesen, denn Rookies machen im ersten Jahr noch einige Fehler. Das muss auch so sein, damit sie ihre Erfahrungen sammeln."

Bei Sauber trifft man offenbar Vorkehrungen, damit Perez angesichts der Euphorie um seine Person nicht abhebt und den Boden unter den Füßen verliert. So wurde seinem Vater Antonio, der in Malaysia südamerikanischen Journalisten gesteckt hatte, dass Ferrari bereits angefragt habe, freundlich, aber doch bestimmt nahegelegt, künftig nicht mehr zu den Grands Prix zu kommen. Sein enthusiastisches Naturell könnte auf den Sohn einen negativen Einfluss haben, fürchten einige.


Fotos: Sauber, Großer Preis von China, Pre-Events


Dass die Trauben für Sauber nun höher hängen als vor drei Wochen, versteht sich von selbst: "Nach den jüngsten Ergebnissen ist es ganz normal, dass die Erwartungen steigen, intern wie auch extern", gibt Kaltenborn zu. "Gleichzeitig ist uns aber bewusst, dass in Malaysia wirklich alles genau zusammengepasst hat. Es wäre nicht richtig, das als Maßstab für die nächsten Rennen zu sehen, insbesondere weil die Abstände so gering sind. Es braucht nicht viel, und schon ist man viel weiter hinten."

Sauber bleibt noch zurückhaltend

Den tatsächlichen Platz im Kräfteverhältnis nach zwei Rennen einzuschätzen, sei nicht möglich: "Das waren zwei sehr unterschiedliche Strecken", relativiert die Österreicherin. "Besonders Australien ist ein außergewöhnliches Rennen. Malaysia wegen der Bedingungen auch. Für uns ist wichtig, dass wir jetzt schon die Grundlage für unser Ziel schaffen, das war, an jedem Rennwochenende Punkte zu holen und somit unsere Position signifikant zu verbessern. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg."

Monisha Kaltenborn

Monisha Kaltenborn vertritt in China den nicht anwesenden Peter Sauber Zoom

Derzeit liegt Sauber überraschend an vierter Stelle der Konstrukteurs-WM, vor Teams wie Lotus oder Mercedes. Kaltenborn hält das zwar nicht für aussagekräftig, aber auch nicht für einen reinen Zufallstreffer: "Der Sauber C31 ist ein schnelles Auto. In Malaysia war er unter sehr unterschiedlichen Bedingungen konkurrenzfähig, ganz egal ob nass oder trocken. Das stimmt uns zuversichtlich. Wir sehen eine Menge Potenzial, das wir ausschöpfen müssen."

Allerdings hat der C31 die gleiche Schwachstelle wie das Vorgängermodell aus der vergangenen Saison: das Qualifying. "Im Vorjahr war es ein größeres Problem, weil wir die Reifen nicht zum Arbeiten bekamen. Das ist jetzt weniger dramatisch", sagt Kaltenborn. "Aber ich glaube, wir könnten das Potenzial des Autos viel besser nutzen, wenn wir in der Startaufstellung weiter vorne stehen würden. Daran müssen wir arbeiten."