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Johansson: Prost hat seine Teamkollegen auf ein neues Level gehoben

Stefan Johansson erklärt, warum Alain Prost in den 1980er-Jahren "auf einem anderen Level" war - Er habe selbst Ayrton Senna zu einem besseren Fahrer gemacht

(Motorsport-Total.com) - Stefan Johansson hatte in seiner Formel-1-Karriere zahlreiche Teamkollegen. Unter anderem fuhr er an der Seite von Michele Alboreto, Rene Arnoux und Ayrton Senna. In gewissen Bereichen sei aber kein Fahrer so stark gewesen wie Alain Prost, mit dem er in der Saison 1987 für McLaren fuhr. "Prost war die Messlatte für alle Fahrer", erinnert er sich zurück.

Stefan Johansson, Alain Prost

Stefan Johansson und Alain Prost fuhren 1987 gemeinsam für McLaren Zoom

Im Podcast 'Beyond The Grid' berichtet er im Hinblick auf das gemeinsame Jahr mit Prost: "Die ersten Debriefings haben mein Gehirn komplett gegrillt. Es kamen so viele Informationen aus ihm heraus! Es war komplett überwältigend, wie detailliert er war. Damals hatten wir noch keine Daten aus dem Computer oder Sensoren am Auto, auf die wir uns verlassen konnten."

"Das Feedback der Piloten war deshalb sehr, sehr wichtig. Am Anfang war es sehr hart, weil es so viele Informationen waren. Aber nach einigen Malen realisierte man dann, dass alles sehr strukturiert war", verrät er und erklärt: "Dann verstand man, wie sein Gedankenprozess funktionierte. In dem einen Jahr mit ihm habe ich wahrscheinlich mehr gelernt als in meiner ganzen Karriere!"

Senna hatte "mehr natürliches Talent als jeder andere"

"Er war phänomenal. Ich glaube, er hat selbst Ayrton, der im nächsten Jahr [zu McLaren] kam, auf ein ganz anderes Level gebracht", so Johansson, der nur eine Saison an Prosts Seite bestritt. 1988 wurde er durch Senna ersetzt. "Er hatte wahrscheinlich mehr natürliches Talent als jeder andere Fahrer jemals", lobt Johansson, der auch kurzzeitig an Sennas Seite fuhr.

In den beiden letzten Rennen der Saison 1984 waren die beiden Teamkollegen bei Toleman. Zwar habe Senna seiner Meinung nach mehr Talent als Prost mitgebracht. "Aber dieses strukturierte, organisierte und sehr detaillierte Vorgehen zu erleben, das hat auch ihn noch einmal auf ein ganz neues Level gehoben", ist sich der Schwede sicher.


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Das WM-Duell 1988 entschied Senna für sich. Es war das erste Mal seit 1984 (damals gegen Niki Lauda), dass Prost das interne Duell gegen seinen Teamkollegen verlor. Johansson selbst zog ein Jahr zuvor mit 30:46 Punkten den Kürzeren gegen. Er findet allerdings, dass er sich ganz gut geschlagen hat. "Unter den gegebenen Umständen schon", betont er.

"In einigen Rennen hatten wir beide Pech", erinnert er sich zurück und erklärt: "Es gab Probleme mit der Zuverlässigkeit, besonders mit dem Motor. Ich wurde Sechster und Prost Vierter in der WM." Johansson stellt klar: "Wenn man so ziemlich jeden anderen mit Alain Prost vergleicht, dann denke ich, dass ich mich ganz gut geschlagen habe."

Prost "auf einem anderen Level als alle anderen"

"Damals war er auf einem anderen Level als alle anderen", betont er. Und tatsächlich hatte Prost seine Teamkollegen in den Jahren davor deutlich weiter hinter sich gelassen. 1985 hatte er Lauda mit 76:14 Punkten abgehängt, ein Jahr später Keke Rosberg mit 74:22 - beides ehemalige Weltmeister. Johansson schlug sich auf dem Papier deutlich besser.

Trotzdem reichte es - wie in Johanssons gesamter Karriere - auch in seinem McLaren-Jahr nicht zu einem Sieg. Fünfmal stand er auf dem Podium, wurde dabei zweimal Zweiter. Pech für ihn: Ausgerechnet 1987 war das einzige Jahr zwischen 1984 und 1991, in dem kein McLaren-Fahrer Weltmeister wurde. "Ich hatte fast keine Testzeit", erinnert er sich zurück.


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"Ich hatte vor dem Rennen ungefähr 30 Runden in Rio", erinnert er sich an den Saisonauftakt und erklärt: "Das Auto wurde spät fertig, dies und das, und Prost war im Team gut etabliert." Den MP4/3 beschreibt er so: "Das Auto war solide, aber es war kein einfaches Auto. Selbst Prost hatte Probleme damit. Es war sehr nervös, und man fühlte sich nicht wirklich wohl darin."

"Man konnte schon eine schnelle Runde herauspressen, aber es war nicht leicht", schildert er und erklärt: "Das Heck war sehr nervös, und es war auch etwas unberechenbar. Man wusste nie so richtig, wo das Limit war. Und wenn man am Limit war, dann war es schon zu spät." Trotzdem konnte McLaren 1987 drei Rennen gewinnen. Die Siege holte allerdings allesamt Prost.

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