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Jerez 1997: Villeneuve hatte Rammstoß erwartet

Weggefährten erinnern sich an den kompromisslosen Michael Schumacher - Jacques Villeneuve gibt zu: "Hätte Kurve ohne seinen Schubser nie gekriegt"

(Motorsport-Total.com) - Michael Schumacher fährt am kommenden Wochenende in Spa-Francorchamps den 299. Grand Prix seiner Karriere, den 300. nach Zählweise des Mercedes-Teams - schließlich passt ein Jubiläum im belgischen "Wohnzimmer" besser ins PR-Konzept der Stuttgarter als eines in der Höhle des Löwen bei Ferrari in Monza. Aber schon jetzt erinnern sich zahlreiche Weggefährten an vergangene Duelle mit dem siebenfachen Weltmeister.

Schumacher und Villeneuve

Jerez 1997: Eine der legendärsten Kollisionen der Formel-1-Geschichte

So auch Jacques Villeneuve, der immer noch Autorennen fährt - zuletzt in der australischen V8-Supercar-Serie. Villeneuve, damals Williams-Pilot, kämpfte 1997 bis zum letzten Rennen gegen Schumacher auf Ferrari um den WM-Titel. Der Kanadier musste in Jerez de la Frontera gewinnen, um Champion zu werden, und attackierte daher den führenden Schumacher. Was dann in der Dry-Sac-Kurve folgte, ist Formel-1-Geschichte.

"Ich weiß noch: Eigentlich gab es keinen Weg an ihm vorbei. Ich habe es trotzdem versucht", erinnert sich Villeneuve in der aktuellen Ausgabe der 'Auto Bild motorsport' (Jetzt abonnieren!). "Und heute verrate ich es: Ich habe von Anfang an gewusst, dass er versuchen würde, mich abzuschießen. Warum? Ich habe das Formel-3-Finale 1990 in Macao gesehen. Da hat er mit Häkkinen das Gleiche gemacht. Daran habe ich mich in dem Moment erinnert."

Villeneuve gibt zu: "Hätte Kurve nie gekriegt"

"Natürlich hätte ich die Kurve ohne seinen Schubser nie gekriegt", gibt er zu. "Aber ich dachte einfach: 'Den überrasche ich jetzt! Er wird es wieder tun, wieder crashen.' Ehrlich gesagt habe ich es mit meinem Team schon vor dem Rennen diskutiert. Und dann hat er es tatsächlich gemacht! Er rammte mich und blieb im Kiesbett stecken. Ich konnte weiterfahren. In der nächsten Runde sah ich ihn auf der Mauer stehen. Da habe ich gedacht: Ja, das war's!"


Schumacher vs. Villeneuve in Jerez 1997

Villeneuve ließ die beiden McLaren-Piloten vorbei, denn nach Schumachers Ausfall reichte ihm auch der dritte Platz zum WM-Gewinn. Doch in den Jubel mischte sich auch ein bisschen Ärger: "Was anderes brachte mich wirklich auf die Palme. Er tauchte am Sonntagabend auf meiner WM-Party auf. Das war ja okay. Aber er hatte Fotos von uns beiden an die Presse gegeben, um zu demonstrieren, dass wir Freunde sind. Das fand ich scheiße", ätzt der 41-Jährige.

Erster WM-Titel durch Kollision in Adelaide

Ein weiteres Williams-Opfer Schumachers war beim WM-Showdown 1994 in Adelaide Damon Hill. Der Brite wollte damals einen Fehler des führenden Deutschen nutzen, um die Vorentscheidung in der Weltmeisterschaft herbeizuführen, aber Schumacher unterband den Angriff und fuhr Hill mit seinem Benetton über die Vorderradaufhängung. Schumacher musste sofort aufgeben, holte sich aber dennoch seinen ersten Titel, weil an der Box auch Hill ausstieg.

Michael Schumacher und Damon Hill

Michael Schumacher und Damon Hill gerieten mehrere Male aneinander Zoom

Hill bezeichnet seine langjährige Rivalität mit dem heutigen Rekord-Weltmeister heute diplomatisch als "intensiven Wettbewerb mit dem Höhepunkt in Adelaide 1994. Ich kann dieses Manöver immer noch nicht objektiv bewerten. Deshalb möchte ich das anderen überlassen", wird er von 'Auto Bild motorsport' zitiert. "Ich habe die WM an jemanden verloren, der sieben WM-Titel gewonnen und 300 Grands Prix gefahren hat. Das ist keine Schande."

Beim Formel-3-Klassiker in Macao 1990 kam es zu einer legendären Kollision zwischen Schumacher und Mika Häkkinen - eine Rivalität, die sich Jahre später in der Formel 1 fortsetzen sollte. Zwar war das Verhältnis der beiden von gegenseitigem Respekt geprägt, aber Häkkinen meint anlässlich des Jubiläums seines Kontrahenten: "Kann sein, dass Michael Schumacher dazu beigetragen hat, dass ich schon 2001 aus der Formel 1 zurückgetreten bin."

Häkkinen: Rücktritt auch wegen Schumacher

"Nicht falsch verstehen, aber ich mochte mich nicht mehr motivieren, denn der Druck, besonders im Duell mit Schumacher, war so stark", so der 43-Jährige. "In Spa, beim legendären Überholmanöver, musste ich das erste Mal über eine Grenze gehen, über die ich nicht gehen wollte. Wenn du bei über 300 km/h aufs Gras fahren musst, ist das Limit überschritten. Der Wettkampf zwischen uns war eine große Herausforderung. Das waren echte Fights auf der Strecke, sehr hart."


Schumacher vs. Hill in Adelaide 1994

"Es hat aber nie Kollisionen gegeben", schreibt der Finne in der 'Auto Bild motorsport' und vergisst dabei wohl auf Macao 1990. Gleichzeitig sieht er aber nicht über Schumachers berühmt-berüchtigte Kompromisslosigkeit in all den Jahren hinweg, wenn er betont: "Ich würde nicht sagen, dass er ein Gentleman-Rennfahrer war. Aber wir haben uns gegenseitig respektiert, wenn wir die Autos am Limit fuhren. Da gab es keine schmutzigen Tricks."

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