• 07.07.2024 06:02

  • von C.Nimmervoll, Co-Autoren: F.Hackbarth, J.Noble

Interview: Was hat McLaren so runtergezogen, Andrea Stella?

Was Andrea Stella verändert hat, um McLaren zurück an die Spitze der Formel 1 zu führen, und wie er die Chancen auf den WM-Titel 2024 bewertet

(Motorsport-Total.com) - Als wir bei McLaren um einen Interviewtermin mit Andrea Stella bitten, genau ein Jahr nach dem Österreich-Update, das den britischen Rennstall 2023 wieder auf die Überholspur brachte, dämmert uns schon, dass die Themen, die wir setzen wollen, womöglich nicht die gleichen sind, die Stella setzen möchte.

Titel-Bild zur News: Andrea Stella

Andrea Stella: Ist er wirklich der große Heilsbringer des McLaren-Teams? Zoom

Der 53-jährige Italiener redet nicht so gern über sich selbst. Wir vereinbaren trotzdem den Donnerstag in Spielberg, vor dem Grand Prix von Österreich, als Termin. Übrigens in der provisorischen McLaren-Hospitality, nachdem das Original eine Woche zuvor in Barcelona abgebrannt ist.

Im Auto auf dem Weg an den Red-Bull-Ring hören wir zufällig einen Podcast mit Luciano Burti, einem ehemaligen Formel-1-Fahrer aus Brasilien. Zu Gast bei Tom Clarkson, in der von der Formel 1 ganz offiziell promoteten Serie Beyond the Grid.

Burti erzählt in dem Gespräch, wie er in seinen Anfangsjahren als Grand-Prix-Pilot zuerst von Niki Lauda bei Jaguar ("Er hat nicht mit mir geredet, es war wirklich unangenehm") und später von Alain Prost in dessen eigenem Rennstall ("Alain hat mir nicht geholfen, weil er seine eigenen Probleme hatte") einfach ignoriert wurde.

Doch von einem schwärmt Burti, in den späteren Jahren seiner Karriere, nach einem schweren Unfall in Spa-Francorchamps 2001, Ferrari-Testfahrer, heute noch: Andrea Stella.

"Ich hatte keine Ahnung, dass solche Ingenieure überhaupt existierten", sagt er über den heutigen McLaren-Teamchef, der damals Dateningenieur am Auto von Michael Schumacher war. "Er war so gut, dass ich ihn manchmal fragen musste: 'Hey, warst du mit mir im Auto?' Und er war eine echt nette Person. Er war einer, der mir geholfen hat."

Ein guter Ausgangspunkt für unser Interview.

Warum sich Stella über Burtis Lob freut

Christian Nimmervoll: "Andrea, wir wissen schon, dass Sie nicht so gern über sich selbst sprechen. Aber schmeichelt es Ihnen, wenn andere das tun, wie Luciano Burti?"
Andrea Stella: "Ich denke schon, dass man auf die Meinung anderer etwas geben sollte, besonders dann, wenn es sich dabei um kompetente, ehrliche und interessierte Menschen handelt, die nicht die Kommunikation manipulieren, wie das in einem hart umkämpften Sport wie unserem oftmals der Fall ist."

"Man muss in der Formel 1 sehr gut aufpassen, wem man zuhört. Wenn wir mit dem Team im Debriefing sitzen, sage ich immer: 'Lasst uns drauf achten, dass unser Verständnis und unsere Meinung über uns aus dem Team kommt.' Ja, wir lesen Magazine, wir hören die Kommentare im TV, aber letztendlich sollten wir uns immer nur um das kümmern, was im Team besprochen wird."

"Wenn ich mit anderen Menschen spreche, von denen ich glaube, dass sie eine ehrliche Meinung abgeben, dann finde ich es wichtig, diesen Menschen zuzuhören. Und, was Luciano Burti betrifft: Luciano ist ein sehr kompetenter Fahrer. Das war er damals schon. Er war sehr analytisch, und ich glaube, er gehörte zu den Fahrern, die immer einen Plan brauchen, um ihr Maximum abzurufen."

"Carlos Sainz gehört auch in diese Kategorie. Er muss erst herausfinden, wie sich ein Auto am besten fährt, er muss sich in Situationen erst reindenken, um seine Lage zu verbessern. Und weil diese Fahrer erstmal über vieles nachdenken müssen, sind sie sehr gut in der Kommunikation. Sie haben den Instinkt. Aber sie haben auch das intellektuelle Niveau."

Nimmervoll: "Wohingegen sich andere ins Auto setzen und einfach schnell sind."
Stella: "Ja, die sind einfach schnell. Aber dann fragst du sie: 'Und was machen wir jetzt?' Und dann stehen sie manchmal an."

"Luciano wurde bei Ferrari unser Testfahrer für die Reifenentwicklung, und das ist eine wichtige Aufgabe. Denn dieser Testfahrer muss erkennen, welcher Reifen in der ersten Runde besser ist und welcher erst nach einer Sequenz an Runden. Das hängt auch ganz vom Fahrstil ab. Fährst du anders, kann der Reifen am Ende des Stints mehr Graining haben, und so weiter."

"Da hat er, zusammen mit dem Reifenentwicklungsteam, einen tollen Job gemacht. Ich erinnere mich sehr positiv an die Zusammenarbeit mit Luciano, und ich bin froh, dass er unsere Zusammenarbeit auch gut in Erinnerung behalten hat, denn ich schätze seine Meinung sehr."

Vor einem Jahr: McLaren kratzt die Kurve

Frederik Hackbarth: "McLaren feiert hier in Österreich sozusagen ein Jubiläum. Mit dem Update vor einem Jahr begann der Aufwärtstrend. Das Upgrade kam ein paar Monate, nachdem Sie zum Teamchef bestellt wurden. Gibt es da einen Zusammenhang?"
Stella: "Der Grund, warum wir vor zwölf Monaten ein Auto bringen konnten, das sehr viel schneller war als das Auto vor Österreich, waren die Menschen, die bei McLaren arbeiten. Die 1.000 Mitarbeiter von McLaren haben das erreicht."

"Mein Beitrag und der des Führungsteams war, wenn überhaupt, drüber nachzudenken, wie wir die Talente, die ganz offensichtlich schon bei McLaren waren, entfesseln können. Und das habe ich nicht allein gemacht, sondern in Zusammenarbeit mit Zak Brown, unserem CEO, Daniel Gallo, unserem Personalchef, Piers Thynne, unserem COO, und Peter Prodromou, unserem Technischen Direktor für Aerodynamik."

"Dieses Team war für mich übrigens auch ein Grund, die Position des Teamchefs anzunehmen. Das war eine große Herausforderung, denn McLaren befand sich nicht in einer Aufwärtsbewegung. Wir waren im Wanken. Aber ich kannte die Menschen bei McLaren, und ich wusste genau, welches Talent in diesem Team schlummert."

"Als ich mir einige Kollegen in der Aeroabteilung näher anschaute, dachte ich mir: 'Hey, das sind die gleichen Leute wie die, die 2009 aus einem katastrophalen Auto am Saisonbeginn das schnellste Auto am Saisonende gemacht haben.' Und 2010 und 2011 war die nahtlose Fortsetzung davon. Ich war damals bei Ferrari, und ich habe mich oft gefragt: 'Wie machen die das?'"

"Das Talent war also eindeutig schon da. Für mich war daher das Wichtigste, mit Zak gut zusammenzuarbeiten und mit den anderen Führungskräften im Team. 'Wie kriegen wir es hin, dieses Talent zu entfesseln?' Das war die fundamentale Frage. Und das war mein Beitrag."

Stella: Aufschwung ist auch Seidls Verdienst

Nimmervoll: "Aber was hat die Leute runtergezogen? Als Andreas Seidl 2019 ankam, ging es ja erstmal aufwärts. Aber dann schien der Aufwärtstrend 2022 plötzlich aufzuhören. Was ist da passiert?"
Stella: "2022 ist ein wichtiger Zeitpunkt, denn in dem Jahr wurden neue Regeln eingeführt. Als Team musstest du dafür ausgestattet sein, den Übergang von einem bestehenden Reglement zu einem neuen Reglement zu meistern."

"Wenn die Regeln stabil sind, gewinnst du neues Wissen fast nur inkrementell. Bei einer Regeländerung fängst du ohne jedes Wissen an, mit einem weißen Blatt Papier. Und damit hatte das Team Schwierigkeiten."

"Ab 2022 waren wir nicht mehr dazu in der Lage, zu den anderen aufzuholen, indem wir stetig das dafür nötige Wissen ansammeln, ein schnelles Auto zu bauen. Es dreht sich nicht alles drum, ein schnelles Auto zu haben. Aber wenn du kein schnelles Auto hast, ist alles andere zweitrangig."

"Ich denke, es gibt mehrere Gründe dafür, dass wir das Potenzial des Teams 2022 nicht ausschöpfen konnten. Aber ich möchte auch betonen, dass einige Bereiche der Infrastruktur, die ab 2023 zum Tragen kamen, bewilligt wurden, als Andreas noch verantwortlich war. Viele der positiven Faktoren, von denen wir heute profitieren, sind unter Andreas' Verantwortung entstanden."

"Es wäre also eine unfaire und inkorrekte Interpretation des zeitlichen Ablaufs, das Entfesseln des Potenzials nur mit der personellen Änderung in Verbindung zu bringen. Das ist nicht die Wahrheit. Die Dinge haben sich mit der Zeit so entwickelt. Und ich glaube, wie gesagt, dass unser größter Verdienst war, das menschliche Element zu entfesseln."

Kontext: Brown redet anders über Seidl als Stella

Dass Stella die Verdienste seines Vorgängers Andreas Seidl würdigt, den er Ende 2022 abgelöst hat, weil Seidl zu Sauber-Audi wechselte, kommt überraschend. McLaren-CEO Zak Brown hatte Seidls Performance als Teamchef im September 2023 in einem Interview wenig schmeichelhaft kommentiert und angedeutet, die wahren Masterminds hinter dem McLaren-Aufschwung seien schon damals nicht Seidl und dessen Technikchef James Key, sondern Stella und dessen Helfer gewesen.

Eine Aussage, die Brown jetzt, in Silverstone 2024, wiederholt. Auf die Frage, warum McLaren heute so gut aufgestellt sei, antwortet er: "Wenn es in einem Wort sein muss, lautet die Antwort Andrea Stella. Natürlich ist es immer eine Teamleistung. Aber er ist derjenige, der das Team geführt und die Veränderungen initiiert hat. Andrea ist der beste Racer, der mir je untergekommen ist."

"Klar, er designt nicht das Auto. Wir sollten daher auch die anderen 1.000 Menschen um ihn herum erwähnen. Aber sein Führungsstil ist die größte Veränderung im Vergleich zu Anfang 2023. Pete Prodromou, Rob Marshall, Neil Houldey: All diese Jungs leisten außergewöhnliche Arbeit. Aber sie tun es unter Andreas Führung."

Kein direktes Nachtreten gegen Seidl also, dessen persönliches Verhältnis zu Brown kurzzeitig belastet war, inzwischen aber wieder als repariert gilt. Doch während Brown wenig Zeit damit verschwendet, die Verdienste des Deutschen zu würdigen, ist er äußerst leidenschaftlich dabei, Stella als denjenigen darzustellen, der McLaren quasi im Alleingang zurück auf die Überholspur gebracht hat.

Managementstil: Was Stella nicht verraten will

Nimmervoll: "Aber warum war das vorher nicht der Fall? Waren die Leute in den falschen Positionen? Was war der Grund?"
Stella: "Tatsache ist, dass wir den Bereich des geistigen Eigentums des Teams streifen würden, würde ich darauf antworten. Es gibt im technischen Bereich geistiges Eigentum, aber auch im Bereich der Organisation und des Managements."

"Aber ich kann nur erneut betonen: Wir denken immer, die Führung eines Formel-1-Teams ist etwas ganz Spezifisches. Aber letztendlich ist ein Formel-1-Team auch nicht anders als eine Fußballmannschaft oder eine Firma. Es geht immer zuerst um die Menschen. Die Technik kommt an zweiter Stelle. Denn es sind zuerst immer menschliche Gehirne, die Autos designen und Werkzeuge verwenden."

Wie McLaren 15 verlorene Jahre aufgeholt hat

Hackbarth: "Apropos Werkzeuge. Der Windkanal und die ganze Infrastruktur, das läuft jetzt alles?"
Stella: "Alle Werkzeuge, die geplant waren, wurden geliefert. Nicht nur der Windkanal, über den natürlich am meisten geredet wurde und der wahrscheinlich auch am wichtigsten ist. Wir verwenden ihn, ja. Wir haben auch einen neuen Simulator, eine neue Anlage zur Produktion von Verbundstoff. Wir haben in die Maschinenhalle investiert.

"Es war ein ziemlich breit gefächertes Investment. Man könnte fast sagen: Es war der erste Schritt, um den Rückstand aufzuholen, der durch 15 Jahre ohne ausreichendes Kapitalinvestment bei McLaren entstanden war, aufzuholen."

"Ein Grund, warum wir bei den Regeländerungen so große Schwierigkeiten hatten, ist, dass wir in den Windkanal in Köln ausweichen mussten. Konkretes Beispiel: Du entwickelst eine neue Geometrie, die getestet werden muss. Wir konnten diese sieben bis zehn Tage später in Köln testen. Andere Teams konnten das 24 Stunden später im eigenen Windkanal tun. Dann geben die Ingenieure innerhalb von 24 Stunden Feedback. Bei uns hat es zehn Tage gedauert."

"Das ist dann ein ganz anderer Sport. Fast so, als würde man Basketball spielen, aber mit einem schwereren Ball. Diese Investments haben uns geholfen, den Rückstand in ganz fundamentalen Bereichen der Infrastruktur zu schließen."


"Jetzt befinden wir uns, was die Infrastruktur betrifft, in der nächsten Phase. Wenn es zum Beispiel um die Inspektion von Teilen geht, die von der Rennstrecke zurückkommen. Wir brauchen neue Werkzeuge, um ordentlich prüfen zu können, ob die Teile nochmal eingesetzt werden können oder nicht."

"Wir müssen in Maschinen investieren, die wir aktuell im reparierten Zustand noch verwenden, obwohl sie ihre Lebensdauer eigentlich schon überschritten haben. Es gibt noch viele Dinge, die wir erledigen müssen, um wieder auf den Stand einiger der Topteams zu kommen, die regelmäßig jedes Jahr investiert haben."

"Die haben das jedes Jahr gemacht, und bei uns ist 15 Jahre lang nichts passiert. Da gibt's noch viel zu tun, und deswegen bleiben wir am Boden. Ja, wir schlagen uns ganz gut, aber wir haben erst Juni. Wir bleiben realistisch und am Boden, denn als Team haben wir noch einiges aufzuholen."

Barcelona: Zeigen diese Daten, wie gut McLaren ist?

Nimmervoll: "Wir haben uns den letzten Stint in Barcelona genau angesehen. Verstappens Stint war um drei Runden kürzer als der von Norris. Aber er ist keine einzige Runde unter 1:18 Minuten gefahren, Norris hingegen keine einzige über 1:18. Das suggeriert, auf einer Strecke wie Barcelona, dass McLaren aktuell das schnellste Auto hat. Verstappen hat ein paar Rennen gewonnen, die er nicht hätte gewinnen sollen. D'accord?"
Stella: "Das stimmt wahrscheinlich."

"McLaren war in Barcelona sehr schnell. Aber wenn wir die Rundenzeiten im Rennen betrachten, sollten wir immer einkalkulieren, dass es einen Reifen-Offset gab. Und jede Runde mehr auf dem Reifen macht eine Zehntelsekunde aus."

"Wenn du also vier Runden nach Max zum Boxenstopp kommst, bist du pro Runde vier Zehntel schneller. Wir sollten daher vorsichtig sein bei der Analyse der Rundenzeiten. Wir sollten eher Runde 58 von Lando mit Runde 54 von Max vergleichen."

Nimmervoll: "Nachvollziehbar. Aber nochmal: Norris' Runden waren alle unter 1:18, und keine einzige bei Verstappen ..."
Stella: "Da kommt noch ein anderer Faktor dazu. Max musste sicherstellen, dass er am Ende des Rennens noch genug Reifen hat. Denn wenn Lando zu ihm aufgeschlossen hätte, hätte er sich ja verteidigen müssen. Ich denke daher, dass Max seinen Stint genau so angelegt hat, dass er Runde für Runde den Abstand zu Lando kontrolliert und die Reifen nicht überkocht hat."

"Max hatte frische Reifen und Lando gebrauchte. Das war ein Vorteil für ihn. McLaren war also in Barcelona, ja, sehr stark. Und für uns war das eine wichtige Referenz, denn von allen Strecken, auf denen wir in letzter Zeit gefahren sind, war Barcelona die anspruchsvollste, was die schiere Aerodynamik betrifft."

"Das ist eine massive Errungenschaft. Unsere Aerodynamikabteilung ist wirklich stolz drauf, und ich möchte betonen, dass sie darauf auch stolz sein sollten, gerade in Barcelona. Aber wenn wir Monaco nehmen, dann war Ferrari am schnellsten. Und in Kanada war es Mercedes."

Nimmervoll: "McLaren war nah dran."
Stella: "Aber im Trockenen war Mercedes schneller. Ich würde gern sagen, dass McLaren am schnellsten war, aber es war Mercedes. Die Realität ist aber, dass sowohl in Kanada wie auch in Barcelona am Ende Max gewonnen hat. Hut ab vor Red Bull. Sie machen ganz eindeutig im Gesamtpaket einen besseren Job als wir."

Wo McLaren immer noch besser werden muss

Nimmervoll: "Da fällt einem sofort Sotschi 2021 ein, als Norris seinen Sieg auch deswegen verloren hat, weil Mercedes am Funk klarer kommuniziert hat als McLaren. Und es fällt einem Kanada ein, wo Sie Norris schon vorher sagen hätten sollen, er soll an die Box fahren, sobald das Safety-Car kommt. Sind es genau diese Kleinigkeiten, die noch den Unterschied zwischen Red Bull und McLaren ausmachen?"
Stella: "Ich denke, es wäre unfair, den McLaren-Kommandostand nur anhand des Kanada-Beispiels zu bewerten."

"Denn wenn wir das Beispiel Barcelona nehmen, dann war ich überrascht, dass dort alle anderen so früh reingekommen sind. Ernsthaft, in Barcelona so früh an die Box? Wir konnten mit Max fighten, weil wir die richtige Strategie hatten."

"Daher sollten wir nicht sagen: 'Okay, Kanada, das ist genau das Beispiel, das zeigt, warum Red Bull besser ist.' Es stimmt, wir hätten Lando sagen sollen: 'Im Falle eines Safety-Cars kommst du rein.' Aber das zeigt, wie marginal die Entscheidungen in der Formel 1 manchmal sind und welche Kleinigkeiten manchmal den Ausschlag geben."

Andrea Stella im Interview mit Christian Nimmervoll und Frederik Hackbarth

Andrea Stella im Interview mit Christian Nimmervoll und Frederik Hackbarth Zoom

"Im besten Fall hat man all diese Kleinigkeiten unter Kontrolle. Wir wissen, dass wir in unserer Entwicklung als Team noch wachsen müssen. Denn Red Bull gewinnt nicht nur so viele Rennen, weil sie das beste Auto haben. Und auch nicht nur, weil sie Max haben. Sie machen als Team einen guten Job. Das sollten wir anerkennen, und das sollten wir als Referenz dafür hernehmen, wie gut wir werden wollen."

"Ich denke aber, dass sich McLaren auch in diesem Bereich stark weiterentwickelt hat. In Sotschi haben wir definitiv einen möglichen Sieg verloren, weil wir an der Boxenmauer nicht gut genug gearbeitet haben. Aber seither sind wir als Team gewachsen. Auch wegen dieser Erfahrung."

Kontext: McLarens schwerste Stunde in Sotschi 2021

In Sotschi 2021, beim Grand Prix von Russland, hatte Lando Norris schon eine Hand am Siegerpokal. Doch im verregneten Showdown kommunizierte der McLaren-Kommandostand nicht so klar mit dem Fahrer wie die Konkurrenz von Mercedes das tat. Am Ende war Norris neben der Strecke - und der erste Sieg futsch.

Situationen, in denen McLaren inzwischen mehr Routine hat. CEO Zak Brown stellt jedenfalls in entscheidenden Situationen kein Nervenflattern mehr fest: "Wenn ich an der Boxenmauer sitze, merke ich nicht, ob wir um Platz 10 oder den Sieg fahren. Da gibt's kein: 'Oh mein Gott, wir sind in Führung!' Es ist Business as usual. Das Team kann das.

Warum Stella den WM-Titel nicht zum Ziel erklärt

Hackbarth: "Angenommen, Sie kriegen all die angesprochenen Dinge zusammen, Sie können die vorhandene Pace des Autos auch wirklich nutzen: Ist es dann möglich, dieses Jahr schon Weltmeister zu werden?"
Stella: "Wir visualisieren nicht das Ende der Dinge, und wir denken vor einem Rennen nicht dran, was das für die Weltmeisterschaft bedeuten könnte. Wir denken dran, dass wir so viele Punkte wie möglich holen wollen."

"Wenn die WM dabei ins Spiel kommt, dann ist das ein Element zusätzlicher Motivation für uns, im Sinne von: 'Wow, wir müssen weiterhin unser Bestes geben. Denken wir drüber nach, wie wir besser mit den Fahrern kommunizieren oder wie wir Situationen besser analysieren, denn das wird hier langsam richtig aufregend.' Es geht mehr darum, wie wir es für uns nutzen, im Kampf um die WM mittendrin zu sein. Denn wenn man sich die ganze Zeit einredet, dass es um die WM geht ..."

Hackbarth: "... kann daraus auch ein negativer Druck werden, statt positive Energie?"
Stella: "Wir wollen nicht zulassen, dass daraus ein negativer Druck wird. Sondern wir wollen das als Chance sehen. Ich denke, das ist in einem professionellen Sport ein wichtiges Element. Vor zehn Minuten haben wir noch über das menschliche Element gesprochen. Wenn du die Menschen nicht mit der richtigen Seite des Drucks auflädst, gelingt es nicht, das Beste aus den Menschen herauszuholen."

Unser Interview mit Stella hat vor dem Rennen in Spielberg stattgefunden. Seither hat Norris in der Fahrer-WM weiteren Boden auf Max Verstappen verloren. Auch, weil Verstappen gerade Rennen gewinnt, ohne das schnellste Auto zu haben. Das hat inzwischen nämlich McLaren.

Stella - das kann man drehen und wenden, wie man will - spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Auch wenn er es selbst nicht an die große Glocke hängt.

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