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Heikki Kovalainen: Der größte Fehler meiner Formel-1-Karriere

Der frühere Formel-1-Fahrer Heikki Kovalainen erklärt, was er rückblickend anders machen würde und welche Rolle Flavio Briatore dabei spielt

(Motorsport-Total.com) - "Wenn es im Hintergrund gepasst hätte, dann hätte die zweite Hälfte meiner Karriere ganz anders verlaufen können", sagt Heikki Kovalainen. Was er damit meint: Hinterbänkler-Team Lotus (später: Caterham) hätte für ihn nicht die Endstation in der Formel 1 bedeuten müssen. Doch es kam anders und nun überwiegen "Enttäuschung" und "Frustration" beim finnischen Rennfahrer.

Flavio Briatore, Heikki Kovalainen

Flavio Briatore und Heikki Kovalainen als Manager und Fahrer in der Saison 2008 Zoom

Wie er sich in diese Sackgasse manovriert hatte, das erklärt Kovalainen im Gespräch mit 'Formula1.com'. Er spricht dort von einer "ziemlich komplizierten Situation", die er 2009 falsch eingeschätzt habe - was er rückblickend auch bereue. Nämlich die Trennung von seinem bisherigen Management, das von Flavio Briatore angeführt wurde.

Briatore war nach Bekanntwerden des "Crashgate"-Skandals von der Formel 1 gesperrt worden. "Ende 2009 sagte mir die FIA dann, dass ich keine Superlizenz mehr erhalten würde, wenn mich weiter Flavio oder seine Management-Firma betreuen", meint Kovalainen.

Kovalainen sieht sich zum Handeln gezwungen

Das setzte den einmaligen Grand-Prix-Sieger unter Druck: "Bei McLaren sah es bereits so aus, als würde man mich nicht behalten wollen. Und ich hatte ein Angebot von Mike Gascoyne und Tony [Fernandes] auf dem Tisch, die möglichst rasch den Lotus-Vertrag besiegeln wollten."

Kovalainen sah sich zum Handeln gezwungen: Er trennte sich vom Briatore-Management und unterschrieb bei Formel-1-Neueinsteiger Lotus, wo er in drei Saisons ab 2010 keine Punkte holte.


Fotostrecke: Flavio Briatore und seine Frauen

Heute sieht er den Deal realistisch und sagt: "Es war sicher nicht der beste Wechsel. Hätte ich eine Option bei einem etwas besseren Team gehabt, ich hätte es wahrscheinlich [anders] gemacht. Damals aber hielt ich es für das Richtige, mit einem neuen Team und gewissen Aussichten bei null anzufangen. Und zunächst schien es auch in die richtige Richtung zu gehen."

Die Sorge vor einem weiteren Rechtsstreit

Einzig die Ergebnisse blieben aus, Lotus (Caterham) machte nicht die erhofften Fortschritte. "Unterm Strich war es also eine Fehlentscheidung", sagt Kovalainen, der inzwischen mit sich hadert. Auch, weil er eine Renault-Offerte für die Saison 2011 ausschlug, um nicht in Vertragsstreitigkeiten mit Lotus zu gelangen.

Der Grund: Kovalainen stritt sich hinter den Kulissen bereits mit Briatore, auch vor Gericht. "Ich wollte keine weitere rechtliche Auseinandersetzung", erklärt er. "Das war vermutlich ein Fehler." Denn ohne Manager - "meine Frau und ich machten alles selbst" - kam sich Kovalainen verloren vor.

Heikki Kovalainen, McLaren

Der einzige Sieg: Kovalainen gewann 2008 den Großen Preis von Ungarn im McLaren Zoom

Heute sagt er frei heraus: "Ich halte es für einen meiner größten Fehler, die Management-Firma von Flavio verlassen zu haben. Er hat mir die besten Formel-1-Verträge und mehr Geld ausgehandelt. Ich hätte also einfach bei ihm bleiben sollen, denn er hätte mir bessere Deals rausgeholt. Ich bereue daher sehr, den Vertrag beendet zu haben."

Einfach alles läuft schief

Zumal es Kovalainen in der Nach-Briatore-Zeit nicht gelang, einen neuen Interessensvertreter zu gewinnen. Gespräche mit Mika Häkkinen und dessen Management-Firma seien schlicht versandet. "Es ist einfach nicht passiert", sagt Kovalainen. "Daher wechselte ich für 2012 zu IMG, was Mika überraschte. Unser Verhältnis ist seither nicht mehr, wie es einmal war."

"Fast zufällig" seien im Hintergrund zu viele Dinge schiefgegangen. "Das war ja keine Absicht", meint Kovalainen. "Ich habe immer versucht, das Richtige zu tun, musste schwierige Entscheidungen treffen. Vielleicht aber war der größte Fehler, mit Flavio zu brechen. Hätte ich das nicht gemacht, dann wäre alles Andere vielleicht wesentlich besser gelaufen."

Kovalainen, der seine Formel-1-Karriere einst im Renault-Werksteam unter Teamchef Briatore begonnen hatte, bestritt 2013 seine letzten von insgesamt 105 Grands Prix. Bilanz: ein Sieg für McLaren, dazu zwei zweite Plätze und ein dritter Platz sowie eine Pole-Position. 2007 und 2008 belegte Kovalainen jeweils den siebten Rang in der Fahrerwertung. 2015 wechselte der Finne in die japanische Super-GT-Rennserie.

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