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Härteres Racing in Silverstone: Umdenken nach Diskussion um Strafen?

Nachdem zuletzt von vielen Seiten gefordert wurde, den Piloten auf der Strecke mehr Freiheiten zu lassen, war in Silverstone offenbar ein neuer Ansatz erkennbar

(Motorsport-Total.com) - Max Verstappen und Charles Leclerc lieferten sich in Silverstone einen erbitterten Kampf. Über viele Runden duellierten sich die beiden und gingen dabei bis ans absolute Limit des Erlaubten. Eine Strafe gab es dabei für keinen der beiden. Das wirft die Frage auf, ob nach den jüngsten Vorfällen und den Diskussionen rund um alle möglichen Strafen ein Umdenken in der Formel 1 stattgefunden hat.

Charles Leclerc, Max Verstappen

Charles Leclerc gegen Max Verstappen: Hartes Racing, aber keine Strafen Zoom

Rückblick: In Monaco rutschte Verstappen nach einer Strafe vom Podium, in Kanada verlor Sebastian Vettel durch eine Strafe den Rennsieg. In Frankreich wurde Daniel Ricciardo für Zwischenfälle in der letzten Runde gleich doppelt bestraft, und in Österreich gab es eine Untersuchung gegen Verstappen, weil dieser Leclerc beim rennentscheidenden Überholmanöver etwas von der Strecke gedrückt hatte.

Legt man die Maßstäbe der vergangenen Monate an, wäre auch eine Strafe in Silverstone beim Duell Verstappen/Leclerc nicht überraschend gekommen. Doch diese blieb aus. "Es war fantastisch und genau das, was die Formel 1 braucht", zeigt sich Christian Horner zufrieden und erklärt: "Sie waren beide vernünftig, das war großartiges Racing. Das wollen all diese Fans sehen."

"Es wäre dumm gewesen, das zu bestrafen", findet der Red-Bull-Teamchef. Auf die Frage, ob die Rennkommissare den Fahrern jetzt mehr Freiheiten zugestehen, antwortet er: "Es sieht so aus." Denn nach der Strafenflut der vergangenen Monate gab es immer wieder die Aufforderung, man solle den Piloten in Zweikämpfen etwas mehr Leine lassen. Silverstone war möglicherweise eine Reaktion darauf.

Echtes Racing statt Untersuchungen

"Ich finde das viel spannender [...] als eine Untersuchung der Rennkommissare drei Stunden nach dem Rennen", zeigt sich auch TV-Experte Martin Brundle in seiner Kolumne für 'Sky' zufrieden. Er erklärt, dass sich die Piloten aus Angst vor Strafen ansonsten irgendwann komplett zurückhalten und gar nicht mehr überholen würden. "Österreich und Silverstone fühlen sich so richtig an", so der ehemalige Formel-1-Pilot.


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Er warnt aber auch davor, dass dieser offenbar neue Ansatz für andere Probleme sorgen könnte. So könnten die Fahrer dazu verleitet werden, die lange Leine der Rennkommissare auszunutzen und immer aggressiver zu werden. Irgendwann müssten diese dann wieder durchgreifen, um ein Zeichen zu setzen. "Das ist auch in Ordnung", findet Brundle. Im Zweifel solle aber immer für den Angeklagten entschieden werden.

Auch Ex-Weltmeister Mika Häkkinen glaubt, dass die Rennkommissare in Silverstone "einen etwas offeneren Ansatz" als zuvor gewählt haben. In seiner Kolumne für 'Unibet' schreibt er: "An einem Punkt war Max komplett neben der Strecke, während er mit Charles kämpfte. Aber es gab keine Strafen. Sie durften racen, und Charles hat aus dem Zwischenfall in Österreich gelernt, als er von Max überholt wurde."

Leclerc: Silverstone Reaktion auf Österreich

Das bestätigt auch der Ferrari-Pilot selbst. "Österreich hat mir die Augen geöffnet. Ich habe verstanden, wie weit wir gehen können und was akzeptiert wird", berichtet er und erklärt: "Wenn die Rennkommissare akzeptieren, dass wir so fahren, dann bin ich mehr als glücklich, das auch zu tun. Und am Wochenende habe ich es auch gemacht." Es sei dabei "nichts Persönliches" gegen Verstappen gewesen.


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"Ich bin einfach härter als normal gefahren", erklärt er. In Spielberg hatte er sich von Verstappen beim entscheidenden Manöver rausdrücken lassen und später eine Strafe gefordert - die es bekanntlich nicht gab. Seine Fahrweise in Silverstone sei nun eine Reaktion auf Österreich gewesen. "Wir Fahrer fordern hartes Racing. Uns macht es am meisten Spaß, wenn wir so fahren können", erklärt er.

Und Leclerc hatte in der Tat Freude daran. "So viel Spaß hatte ich noch nie zuvor in meiner Formel-1-Karriere", berichtet er und erklärt, der Kampf sei "immer an der Grenze, aber innerhalb der Regeln" gewesen. Es bleibt nun abzuwarten, ob dieser neue Ansatz der Rennkommissare in Silverstone lediglich eine Eintagsfliege war. Oder ob die Piloten ab jetzt dauerhaft mehr Freiheiten genießen.

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