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  • 30.11.2020 · 06:35

Günther Steiner nach Grosjean-Crash: "Im Moment fährt Romain"

Haas-Teamchef Günther Steiner besucht Romain Grosjean am Montag im Krankenhaus und wird dann entscheiden, wer in vier Tagen in Bahrain fährt

(Motorsport-Total.com) - Dass Romain Grosjean den Horrorcrash beim Grand Prix von Bahrain 1 überlebt hat, ist für viele ein Wunder. Die Nacht auf Montag hat der 34-Jährige in einem Militärkrankenhaus in Riffa verbracht, 17 Straßenkilometer nördlich der Rennstrecke. Mit einbandagierten Händen, wegen der Verbrennungen - aber ohne Knochenbrüche, wie eine Röntgenuntersuchung ergeben hat.

Romain Grosjean

Romain Grosjean wurde zunächst im Krankenwagen abtransportiert Zoom

Um 23:30 Uhr Ortszeit sprach Teamchef Günther Steiner erstmals halbwegs entspannt mit einigen Medienvertretern, wie in diesen Zeiten üblich via Microsoft-Teams-Meeting. Dabei kam natürlich die Frage auf, wer am zweiten Bahrain-Wochenende in seinem zweiten Auto sitzen soll. Schließlich wird dort schon in vier Tagen wieder trainiert.

Er werde Grosjean am Montag im Krankenhaus besuchen, so Steiner, "und dann höre ich mir an, was die Ärzte zu sagen haben. Dann entscheiden wir. Natürlich haben wir immer einen Plan für solche Fälle in der Schublade, aber im Moment ist mein Plan, dass er das Rennen nächstes Wochenende selbst fährt, wenn er okay ist. Aber warten wir mal ab. So viel Zeit haben wir."

Steiner hatte am Sonntag noch keine Zeit, Grosjean zu besuchen: "Ich habe nur mit ihm telefoniert, denn wir hatten an der Strecke ziemlich viel zu klären." Zum Beispiel musste er telefonisch Teameigentümer Gene Haas auf dem Laufenden halten, der nicht selbst vor Ort war: "Ihn haben ja auch viele angerufen. Da war es wichtig, dass er immer die aktuellen Infos hat."

Haas wisse genau, sagt Steiner, "dass er Glück gehabt hat. Hatten wir alle. Das ist im Moment das bestimmende Gefühl. Ein Schutzengel ist uns heute beigestanden. Es war Glück, und viele Personen haben unter diesen Umständen genau das Richtige getan. Das fängt bei Romain selbst an, wie er aus dem Auto gestiegen ist. Das kann man auf der nach hinten gerichteten FOM-Kamera sehen."

Grosjean hat am Samstagabend noch mit seiner Frau Marion und seinen Kindern telefoniert, und er hatte im Krankenhaus Besuch von FIA-Präsident Jean Todt. Dem verdankt er indirekt sein Leben. Hätte sich Todt nicht gegen die Kritiker des Halo-Cockpitschutzes durchgesetzt, wäre Grosjean jetzt wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Ein Schock, den ein 34-jähriger Familienvater im drittletzten Rennen seiner Formel-1-Karriere erst einmal verdauen muss. Selbst wenn er fit sein sollte: Ob er Bahrain 2 überhaupt fahren will? "Weiß ich nicht", winkt Steiner ab und grinst: "Heute Nachmittag hätte ich ihn das jedenfalls nicht gefragt! Ich besuche ihn morgen und schaue mal, wie er sich fühlt."


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Sollte Grosjean dann sagen, dass er nicht mehr will, "werde ich ihn nicht drängen", stellt Steiner klar. "Das muss er mit sich selbst ausmachen. Da halte ich mich ganz an das, was er sagt. Und ich weiß auch nicht, wie er sich morgen fühlen wird. Morgen ist das Adrenalin weg und er spürt die blauen Flecken, und dann denkt er vielleicht ein bisschen anders als heute."

Denn beim ersten Telefonat habe Grosjean nicht den Eindruck eines Mannes gemacht, der gerade um Haaresbreite dem Tod von der Schaufel gesprungen ist: "Er hat sich gut gefühlt, war gut drauf. Wir haben sogar Witze gemacht", grinst Steiner, "und den Unfall ein bisschen besprochen. Er hat mir ein paar Fragen gestellt, ich ihm auch. Er hat da gerade seinen Sohn am Telefon gehabt."

"Aber wie gesagt: Ich möchte nicht darüber spekulieren, wer ihn ersetzen könnte, solange wir nicht wissen, ob wir ihn überhaupt ersetzen müssen", wimmelt Steiner die Fragen der Journalisten ab. "Ich möchte Romain jetzt erstmal ein bisschen Zeit geben, dass er sich alles durch den Kopf gehen lassen kann, bevor er uns Feedback gibt. Dann schauen wir weiter."

"Im Moment", sagt Steiner, "fährt Romain. Und wenn nicht, dann sind wir bereit. Wir wissen, was wir tun würden." Verraten will er das aber nicht. Rein theoretisch hat Haas zwei Ersatzfahrer: Pietro Fittipaldi und Louis Deletraz. Beide sind ohnehin in Bahrain. Aber: "Jetzt warten wir mal die detaillierte Einschätzung der Ärzte ab, wie schlimm die Verletzungen sind."

Fest steht jetzt schon, dass Haas Bahrain 2 fahren wird, und zwar mit zwei Autos: "Wir haben genug Ersatzteile, selbst mit unserem bescheidenen Budget", stellt Steiner klar. "Wir müssen das zweite Auto zwar neu aufbauen, aber dafür sind genug Teile da." Gleichzeitig gibt er zu: "Wenn nächste Woche noch einmal sowas passiert, dann haben wir ein Problem ..."

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