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"Grenzen überschritten": Robert Kubica übt harte Kritik an Williams

Weil Robert Kubica den neuen Frontflügel im Qualifying nicht verwenden durfte, schießt der Pole heftig gegen Williams - Das Team rechtfertigt die Entscheidung

(Motorsport-Total.com) - Die Wege von Robert Kubica und Williams trennen sich am Ende des Jahres - und das ist vermutlich die richtige Entscheidung. Denn in Suzuka hat der Pole nun durchblicken lassen, dass er mit gewissen Vorgängen im Team alles andere als glücklich ist. Das Fass zum Überlaufen brachte letztendlich der neue Frontflügel, den Williams nach Japan mitgebracht hatte.

Robert Kubica

Robert Kubica führt seinen Unfall auch auf das Material zurück Zoom

"Der Freitag war sehr gut - zum ersten Mal seit einer langen Zeit", berichtet Kubica im polnischen Fernsehen. Das habe auch an dem neuen Frontflügel gelegen. "Er sollte gar nicht besser sein, und am zweiten Auto brachte er auch keinen Vorteil oder war sogar schlechter. Aber mein Auto fühlte sich viel besser an", so Kubica. Denn eigentlich testete man den Frontflügel bereits im Hinblick auf die Saison 2020.

Weil er aber für Kubica überraschend gut funktionierte, ging der Pole davon aus, dass er das Teil auch am Sonntag verwenden darf. Er habe mit dem Flügel in den Trainings am Freitag "viel Selbstvertrauen" und ein gutes Gefühl im Auto gehabt. "Wir hatten etwas abgemacht, aber am Sonntagmorgen haben sich die Dinge aus irgendwelchen Gründen geändert", ärgert sich Kubica.

"Es wurden vor dem Qualifying Entscheidungen getroffen, ohne mich einmal zu informieren. Das finde ich nicht richtig", so der 34-Jährige, der die Qualifikation gegen seinen Wunsch mit dem alten Flügel bestreiten musste - und prompt crashte. Am Funk sprach Kubica unmittelbar danach von einem "verdammten Witz". Damit meinte er die Entscheidung, ihm den neuen Flügel nicht zu geben.

Kubica muss "über eine Menge nachdenken"

Später erklärt er im Hinblick auf seinen Unfall: "Wenn es am Fahrer gelegen hätte, dann würde ich es euch sagen, denn ich bin sehr ehrlich. Leider verschätzte ich mich und war am Ausgang der letzten Kurve nicht aufmerksam genug." Doch auch der andere Flügel habe eine Rolle gespielt. Denn nachdem er am Freitag die meiste Zeit den neuen Flügel verwendet hatte, hätte sich das Auto am Sonntag "seltsam" angefühlt.

"An diesem Morgen wurden womöglich einige Grenzen überschritten. Aber ich will mich nicht beschweren. Noch 20 Sessions bis zum Ende des Jahres", winkt Kubica ab und erklärt, man habe den Flügel "aus seltsamen Gründen" vor dem Qualifying wieder entfernt. "Ich denke, dass die Entscheidung von Leuten getroffen wurde, die nicht hier [an der Strecke] sind", zuckt er die Schultern.

Nach dem Vorfall müsse er nun "über eine Menge nachdenken", so Kubica. "Hoffen wir, dass einige Dinge gelöst werden. Aber ich muss sagen, dass ich am Morgen vor dem Qualifying eine Menge verstanden habe", erklärt der Pole, für den es nach Russland bereits die zweite Kontroverse in Folge war. In Sotschi musste er seinen Boliden ohne Not abstellen, weil Williams Teile schonen wollte.

Seine Kritik richtet sich übrigens ausschließlich gegen diverse Entscheidungsträger im Team und nicht gegen seine Crew in der Box. "Die Jungs haben einen großartigen Job gemacht - nicht zum ersten Mal in diesem Jahr", lobt Kubica, der nach dem Unfall ein neues Chassis für das Rennen brauchte. "Es ist wirklich toll, was sie unter diesen Umständen leisten. Es ist eine schwierige Phase", so Kubica.

Williams reagiert auf Kubica-Vorwürfe

"Wir alle geben unser Bestes, und es ist großartig, dass sie auch in so einem schwierigen Jahr nicht aufgeben. Das versuchen wir alle", betont er. Unklar bleibt für Außenstehende derweil, wer Kubica zugesagt hatte, er dürfe den neuen Flügel am Sonntag verwenden. Denn nach außen kommunizierte das Team zuvor immer, dass es sich lediglich um ein "Experiment" handle.

Das betont man auch noch einmal in einem Statement zu der Kubica-Situation. Dort heißt es: "Wie immer diskutieren wir vor jedem Rennwochenende die effektivste Strategie. Aber die müssen wir anpassen, wenn es nötig ist. Unser neuer Frontflügel war immer als Testteil für dieses Event vorgesehen und sollte erst bei einem Rennen in der Zukunft zum Einsatz kommen."


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Weil am Samstag wegen des Taifuns nicht gefahren werden konnte und am Sonntag in der Qualifikation ein heftiger Wind herrschte, "hat sich das Team entschieden, den neuen Frontflügel [am Sonntag] nicht einzusetzen und möglichen Schaden zu riskieren." Denn der Flügel solle in Mexiko noch ein weiteres Mal getestet werden. Und aktuell hat Williams nur ein Exemplar davon.

Das Statement endet mit dem Satz: "Wenn man sich die Zwischenfälle im Qualifying anschaut, war das die korrekte Entscheidung." Eine Aussage, die man auch als kleinen Konter auf Kubicas Aussagen deuten kann. Schließlich zählte auch der Pole zu den Piloten, die am Sonntag bei schwierigen Bedingungen abflogen. Die beste Stimmung scheint hinter den Kulissen nicht zu herrschen.

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