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Formel 1 verneigt sich vor "Jahrhunderttalent" Max Verstappen

Der kometenhafte Aufstieg von Max Verstappen beeindruckt die Formel 1 - Dem 18-Jährigen wird von Begleitern und Gegnern eine große Karriere vorhergesagt

(Motorsport-Total.com) - Spätestens nach dem grandiosen Sieg in Barcelona dürfte allen Beobachtern klar sein, dass Max Verstappen ein kommender Weltmeister ist. "Das ist ein Jahrhunderttalent", zieht Niki Lauda seine rote Kappe. "Ich habe es im Motorsport noch nie erlebt, dass jemand mit so einem Zug aufs Tor von einem Auto ins andere steigt und den Grand Prix gewinnt. So etwas hat es noch nie gegeben und wird es auch nicht mehr geben", ist der Österreicher bei 'RTL' überzeugt. Mit 18 Jahren und 228 Tagen ist Verstappen der jüngste Fahrer, der je einen Grand Prix angeführt hat, und auch der jüngste Sieger in der Formel-1-Geschichte.

Max Verstappen

Zu dieser Leistung kann auch Kimi Räikkönen nur gratulieren Zoom

Beide Rekorde entriss er Sebastian Vettel, der mit Red Bull viermal Weltmeister wurde. In der Pressekonferenz nach dem Rennen saß der Deutsche links neben dem neuen Shootingstar. "Ich denke, Rekorde sind da, um gebrochen zu werden", nimmt es der Deutsche locker. "Es war sehr aufregend, als mir das gelungen ist. Aber am Ende denke ich, dass es der jeweilige Tag ist, auf den es ankommt. Heute versuchte ich zu gewinnen."

Auch Vettel weiß, dass Verstappen nicht nur in Barcelona, sondern auch in den kommenden Jahren einer seiner härtesten Gegner sein wird. In seiner lockeren Art hat der Deutsche gleich einen Spruch parat: "Ich hoffte, dass ich irgendwann einen Wohnwagenanhänger hinter seinem Auto sehen würde, mit gelben Nummernschildern. Aber leider waren wir nicht auf der Autobahn. Ich dachte, dass ihn das bremsen würde, aber leider hielt er nicht an und hängte den Anhänger an", sorgt Vettel für Gelächter.

Verstappen so cool und abgebrüht wie ein "Oldie"

Auf den ersten Blick schien Verstappens Siegfahrt ein Kinderspiel zu sein, doch der Niederländer musste viele Umstände meistern. Er fuhr in Barcelona zum ersten Mal den Red Bull und im Rennen zum ersten Mal einen Longrun mit diesem Auto. Dazu kam der Umgang mit den Reifen und der Druck von Kimi Räikkönen. Verstappen meisterte alles so souverän wie ein Fahrer, der mehr als 200 Rennen absolviert hat, dabei fuhr er seinen ersten Grand Prix erst im Jahr 2015.

Max Verstappen, Kimi Räikkönen

Der jüngste Fahrer hatte den ältesten Mann im Feld fest im Griff Zoom

Diese Abgebrühtheit beeindruckte auch am Red-Bull-Kommandostand nachhaltig. "Der größte Aspekt seiner Performance ist seine Ruhe", betont Teamchef Christian Horner und stellt einen interessanten Vergleich zu gestandenen Weltmeistern an: "Beim Fahren hat er im Kopf viele freie Kapazitäten. Fünf Runden vor Rennende waren wir alle angespannt, weil die Reifen nachlassen und er Kimi in seinem Nacken sitzen hat. Er war am Funk sehr ruhig und hat nur gemeldet, dass sich Charlie (Rennleiter Whiting; Anm. d. Red.) um die blauen Flaggen kümmern soll. Er war nicht aufgeregt, es gab keine Panik oder Anspannung in seiner Stimme zu hören."

"Er ist ein junger Mann, der genau weiß was er zu tun hat. Und das macht er seit er im Auto sitzt. Er ist in seiner ersten fliegenden Runde mit diesem Auto 1:27,5 gefahren. Seither hat er das ganze Wochenende keinen einzigen Fehler gemacht", hält Horner die tadellose Leistung fest. Für den Rennstall könnte dieses Barcelona-Wochenende ein Wendepunkt gewesen sein: "Es ist großartig für Red Bull und Dietrich Mateschitz, dass er heute hier ist. Er hat den ersten Sieg seit Spa 2014 gesehen. Auch für die Formel 1 ist es toll, dass es einen neuen, jungen Sieger gibt."

Lauda lobt auch Papa Jos und Marko

Aber wie kann ein 18-Jähriger mit der Erfahrung von 33 Formel 3 und 24 Formel-1-Rennen so cool und abgebrüht sein? "Normalerweise bin ich ein Gegner davon, wenn Väter ihren Söhnen erklären wie es geht", sagt Lauda seine Meinung. Er selbst war kein großer Förderer der Rennaktivitäten seiner beiden Söhne. "Weil dann können sie sich nicht emanzipieren und können nicht ihre eigene Persönlichkeit entwickeln. Aber was Vater Jos alles richtig gemacht hat, ist eine unglaubliche Leistung. Er hat ihn stabil gemacht, damit er so souverän ein Rennen anführen kann. Das ist die Errungenschaft des Vaters. Der Bub ist eine Sensation."

Max Verstappen, Helmut Marko

Helmut Marko hat den nächsten potenziellen Weltmeister gefunden Zoom

Verstappen will aber auch nicht die Unterstützung von Helmut Marko unterschätzen. Der Österreicher wurde für den Cockpittausch mit Daniil Kwjat auch kritisiert, doch Marko lag mit seiner Wahl goldrichtig. "Seit ich 16 bin, erhielt ich Unterstützung von meinem Vater und Doktor Marko. Sie ermöglichten mir die Formel-1-Chance. Von da weg wird man vorbereitet, körperlich vorbereitet und ich erhielt bei Toro Rosso eine große Möglichkeit. Dann beförderten sie mich zu Red Bull."

Lauda sagte von Beginn an, dass sein Landsmann die richtige Entscheidung getroffen hat: "Helmut hat es richtig verdient. Er brachte ihn ins Juniorteam und hat ihn dann zum richtigen Zeitpunkt weiterpromotet. Mit diesem Sieg hat Max ihm alles zurückgegeben", blickt Lauda auf das Podest, wo Marko seine Freude nicht verbergen konnte und ausgelassen feierte. Neben Verstappen wirkten Vettel und Räikkönen wie eine alte Fahrergeneration, die nun durch frisches Blut ergänzt wird.

Es geht ein Ruck durch das Red-Bull-Team

Jetzt ist Verstappen zum Grand-Prix-Sieger aufgestiegen und wird in Zukunft für junge Fans zu einem Vorbild und einem Helden werden. Zu wem schaute er eigentlich selbst auf? "Ehrlich gesagt habe ich keine Rennhelden. Man hat vor jedem Respekt, und man muss respektieren, was andere in ihrer Karriere erreicht haben. Ein Rennen zu gewinnen, ist eine Sache, aber ein WM-Titel ist eine andere Geschichte. Wir alle haben Respekt voreinander."

Max Verstappen

Red Bull spürt, dass man mit Max Verstappen wieder ganz vorne sein kann Zoom

Mit diesem triumphalen Einstand ging auch ein Ruck durch das Red-Bull-Team. Dieser Sieg beflügelt. Die Mechaniker und Ingenieure wissen, dass sie Rennen gewinnen können. Der Optimismus ist deutlich zu spüren. "Sie wollen gewinnen und ich will gewinnen", sagt Verstappen. "Das Ergebnis ist für das Team sehr positiv. Jetzt müssen wir das Paket optimieren, damit wir immer gewinnen können."

Auch Horner weiß, dass Red Bull wieder auf dem aufsteigenden Ast ist. Trotzdem hält er lachend fest: "Wenn man in seinem ersten Grand Prix für ein Team in der zweiten Startreihe steht, kann es nur schlechter werden. Er wird mehr Erfahrung sammeln und stärker werden. Ich glaube, dass wir die stärkste Fahrerpaarung der Formel 1 haben. Heute haben wir das mit beiden Autos demonstriert. Wir sind jetzt wieder auf dem aufsteigenden Ast. Die Saison begann besser als wir gedacht haben. Wir waren in China auf dem Podium und haben das fünfte Rennen gewonnen."

Parallelen zu Vettel

Der Teamchef sieht auch Parallelen zu 2009, als Vettel von Toro Rosso zu Red Bull wechselte: "Es gibt viele Ähnlichkeiten zu damals, als Sebastian ins Team gekommen ist. Die Mechaniker erzählen mir, dass er auch auf die gleiche Art ins Auto steigt. Aber er ist ein eigenständiger Mann. Man würde nie glauben, dass er erst 18 ist. Er ist mein erster Fahrer, von dem ich der Vater sein könnte", runzelt Horner die Stirn. "Er ist bisher sehr beeindruckend."

Kimi Räikkönen, Max Verstappen, Sebastian Vettel

Max Verstappen zwischen zwei gestandenen Formel-1-Weltmeistern Zoom

Red Bull hat mit Verstappen den neuen Vettel gefunden. Der viermalige Weltmeister selbst, der in Zukunft mit Ferrari Champion werden will, sieht die Situation locker: "Ich war aufgeregt, als ich mein erstes Rennen gewonnen habe. Mir war egal, ob mir das mit 20, 25 oder egal mit welchem Alter gelingt. Ich glaube nicht, dass das Alter eine Rolle spielt. Wenn man schnell genug ist und hierher gehört, dann ist es egal, ob man 18 ist. Ich denke, Michael ist bis 43 gefahren."

"Ich habe vor einigen Wochen Stirling Moss getroffen. Leider ist er nur bis zu seinen Dreißigern gefahren, aber ich denke, er hätte auch bis 50 fahren können", meint Vettel. "Die aktuellen Autos sind etwas einfacher zu fahren, als ich begonnen habe, aber es spricht nichts dagegen. Ich weiß nicht wie alt Kimi ist, aber wenn man mit 35 immer noch fit und schnell genug ist, ist man immer noch jung genug. Darum geht es."

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