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  • 04.03.2015 · 11:38

  • von Roman Wittemeier

Formel-1-Vermarktung: Mädchen wichtiger als Motoren

Rückgang des Interesses: Was läuft bei der Vermarktung der Formel 1 falsch? - Dokument von 2013: Ecclestone fordert "glamouröse Ladies" in der Startaufstellung

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 hat trotz der starken Darbietungen von Mercedes, trotz des harten WM-Kampfes mit Nico Rosberg und trotz der Anwesenheit des viermaligen Weltmeisters Sebastian Vettel vor allem in Deutschland herbe Rückschläge einstecken müssen. In der vergangenen Saison waren die Tribünen in Hockenheim so leer wie lange nicht mehr, die Einschaltquoten bei 'RTL' gingen um 17 Prozent zurück.

Sebastian Vettel

Mehr davon: Gridgirls sind auch bei Bernie Ecclestone und den Fahrern beliebt Zoom

4,36 Millionen Fans sahen die Rennen im Schnitt beim Kölner Privatsender, weniger waren es nur vor dem ersten Weltmeistertitel von Michael Schumacher im Verlauf der Saison 1994 gewesen. "Es gibt in Deutschland eine Sättigung", meint Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Die hiesigen Fans seien der Formel 1 nach vier Vettel-Titeln in Folge einfach nur noch überdrüssig. Außerdem sei die Szene "nicht mehr so hip", sagt der österreichische Rennleiter.

Von außen betrachtet wirken die Probleme der Formel 1 offenbar anders. Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Marketing unterstellen den Machern um Bernie Ecclestone herbe strategische Fehler. "Mit einer fatalen Markenführung hat die Formel 1 einen schleichenden Totalschaden erlitten", bringt Jung-von-Matt/Sports-Mitinhaber Raphael Brinkert seine Sichtweise in einer Kolumne im 'Handelsblatt' auf den Punkt.

Marketingfachmann fordert Typen im Sport

"Statt die Marke Formel 1 mit Kontinuität zu stärken, wurde der Sport als Produkt auf diversen Ebenen verändert. Regelmäßigkeit bestand nur in den Reglementwechseln: veränderte Motoren, wechselnde Regeln auf der Rennstrecke und willkürliche Punktevergabe daneben", kritisiert Brinkert die ständigen Anpassungen auf der Spielwiese Formel 1. "Im Dschungel von Antriebssträngen, KERS und DRS-Zonen haben nur echte Fans den Durchblick."

Die Grand-Prix-Szene soll also möglichst leicht konsumierbar sein. Gespräche über Fluel-Flow-Meter, MGU-Ks und Monkey-Seats sind da wenig zuträglich. Die Krux: Auch Bernie Ecclestone ist die hochgelobte Hybridtechnik ein Dorn im Auge, er kann sich aber gegen den Druck der Hersteller, die ihr Engagement über Technologie legitimieren wollen, nicht durchsetzen. Immerhin hält der Brite an Elementen fest, die für jeden Zuschauer "leicht konsumierbar" und "anschaulich" sind.

Wie in einer am heutigen Mittwoch über Twitter an die Öffentlichkeit geratenen E-Mail von Ecclestone an den ehemaligen Lotus-Teamchef Cyril Abiteboul zu lesen ist, fordert der Brite mehr Mädchen statt Motoren. In dem Schriftstück stellt Ecclestone mit Nachdruck klar, dass die für den Gridwalk - also den Besuch der Startaufstellung vor dem Rennen - herausgegebenen Pässe doch bitteschön für Stars, Sternchen und "glamouröse Ladies" zu nutzen seien.

"Das ist weniger ein sportliches Thema als vielmehr Teil des Bereiches Showbusiness in der Formel 1", schließt der Formel-1-Protomoter in seiner kurzen Notiz an Abiteboul. "Der Formel 1 fehlen Protagonisten, die einem verschwommenen Produkt Kontur geben", meint hingegen Marektingfachmann Brinkert. "Ihren medialen Höhepunkt erreichte sie im Jahr 2001. Über zehn Millionen Deutsche begleiteten 'Schumi' in der 'roten Diva' Ferrari. Eine starke Marke saß am Lenkrad einer weiteren. Der vierfache Titelgewinn des 'Siegroboters' Sebastian Vettel fesselte hingegen nur die wenigsten."

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