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Formel 1 neu: Liberty plant Verfassung statt Concorde-Deals

Die Concorde-Agreements der Formel 1 könnten bald Vergangenheit sein: Liberty Media plant die Einführung einer neuen (unbefristeten) Verfassung

(Motorsport-Total.com) - Ein weinender kleiner Räikkönen-Fan, der von der Tribüne in den Paddock geholt wird, um seine Tränen zu trocknen; ein aufregender neuer Themenpark, der den Event Formel 1 für die Zuschauer vor Ort aufwertet; mehr Freiheiten, Bewegtbilder auf Facebook und Co. zu verbreiten: Der neue Formel-1-Eigentümer Liberty Media strengt sich im Kleinen schon jetzt gehörig an, sein Produkt zu verbessern und das brachliegende Potenzial der Königsklasse besser zu nutzen.

Sean Bratches und Chase Carey

Die Masterminds hinter dem neuen Deal: Sean Bratches und Chase Carey Zoom

Doch hinter den Kulissen werden längst auch die großen Themen angegangen, auch wenn man davon in der Öffentlichkeit noch wenig mitbekommt. Und die großen Themen, das sind die Verteilung der FOM-Einnahmen und eine strukturelle Reform der Verträge, auf denen die Formel 1 basiert. Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' steht die Vision, wie sich Liberty diese Themen vorstellt, in ihren groben Zügen bereits fest.

So soll es zum Beispiel ein klassisches Concorde-Agreement, wie es bisher bekannt war, in Zukunft nicht mehr geben. Das Concorde war in der Vergangenheit eine Dreiparteienvereinbarung zwischen Rechteinhaber, FIA und Teams. Seit 2013 (Laufzeit bis Ende 2020) gibt es nur noch individuelle Concorde-Deals: auf bilateraler Basis zwischen Rechteinhaber und FIA sowie zwischen Rechteinhaber und jedem Team einzeln. Aber damit soll nun Schluss sein.

US-Verfassung als Vorbild

Konkret schwebt Liberty ein Grundgesetz nach Vorbild der US-amerikanischen Verfassung vor. Denn die Concorde-Verträge bergen aus Sicht des Rechteinhabers ein fundamentales Problem: Je näher deren Ablaufdatum rückt, desto unsicherer der Fortbestand der Formel 1, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Investoren nervös werden. Das ist für ein börsennotiertes Unternehmen ein enormes Risiko, das es zu eliminieren gilt.


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Also sollen die derzeitigen bilateralen Concorde-Verträge künftig durch eine Verfassung abgelöst werden, die kein vertragliches Ablaufdatum mehr hat, sondern unbefristet Gültigkeit besitzt. Diese Verfassung soll vom Tag des Inkrafttretens an unberührt bleiben; allerdings besteht die Möglichkeit, im Nachhinein Zusatzartikel zu verabschieden, wann immer es nötig ist. Auch dafür liefern die USA mit der "Bill of Rights" das Vorbild.

Das Grundprinzip der neuen Formel-1-Verfassung soll so aussehen: Alles, was bisher gut funktioniert hat, wird übernommen. Dazu gehören etwa die Technische und Sportliche Arbeitsgruppe, die Formel-1-Kommission und die Ratifizierung aller Beschlüsse durch den FIA-Motorsport-Weltrat. Was bisher weniger gut funktioniert hat, wird abgeschafft. Zum Beispiel die umstrittene Strategiegruppe - und vor allem die ungleiche Einnahmenverteilung.

Aktien statt Boni für Ferrari und Mercedes

Dagegen werden sich die kleinen und mittelständischen Teams kaum wehren. Selbst für durch Sonderboni begünstigte Teams wie McLaren oder Williams kann eine Nivellierung der Einnahmenverteilung bei gleichzeitiger Kostenreduktion Sinn ergeben. Aber was ist mit Teams wie Mercedes oder Red Bull, die deutlich mehr kassieren? Oder, noch extremer, Ferrari? Die Scuderia bekommt 68 Millionen US-Dollar extra nur dafür, das älteste Team zu sein.


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Was Ferrari dazu bringen sollte, einer neuen Verfassung, unter der all diese Sonderboni wegfallen soll, zuzustimmen, ist selbst für Insider schleierhaft. Aber Liberty scheint auch darauf bereits eine Antwort parat zu haben: Je nach Verdienstentgang könnten die großen Teams mit Aktien an der Formel 1 beteiligt werden. Das würde auch ihre Bereitschaft erhöhen, sich langfristig zu binden und verstärkt im Interesse des Sports zu handeln.

Wann die neue Verfassung ratifiziert werden könnte, ist derzeit noch unklar. In Gesprächen zwischen Liberty-Vertretern und den Teams war die Idee bereits mehrmals Thema. Offenbar stößt sie auf überwiegend positive Resonanz. Sollten sich Ferrari und Co. querlegen, geht vor 2021 gar nichts. Aber Liberty visiert ein früheres Inkrafttreten an. Das würde dann nur mit Zustimmung der Formel-1-Kommission gehen. Und in der sind alle Teams vertreten.

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