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Formel 1 Mexiko 2015: Rosberg siegt, Vettel patzt und crasht

Während sich Nico Rosberg beim Mexiko-Comeback den Sieg nach Boxenstopp-Kontroverse gegen Lewis Hamilton holte, patzte Sebastian Vettel mehrfach

(Motorsport-Total.com) - Endlich eine Pole-Position umgemünzt, eine geglückte Revanche und ein Schritt in Richtung der Vizeweltmeisterschaft: Nico Rosberg hat am Sonntag die Comeback-Ausgabe des Mexiko-Grand-Prix für sich entschieden und auf dem Autodromo Hermanos Rodriguez in Mexiko-Stadt seinen Teamkollegen Lewis Hamilton über 71 Rennrunden in Schach gehalten (zum gesamten Ergebnis!). Aber kein Teamduell ohne Kontroverse: Der Brite fühlte sich von Mercedes bei einer Strategieentscheidung benachteiligt.

Denn auf der Strecke konnte der alte und neue Weltmeister nichts gegen einen tadellos fahrenden Rosberg ausrichten (die gesamte Saison im Live-Ticker verfolgen!). Nach dem Start verteidigte sich der Deutsche souverän gegen den sofort angreifenden Hamilton und behauptete die Führung mit konstant rund drei Sekunden Vorsprung bis zur Zielflagge. Er schien jederzeit in der Lage, auf Tempoverschärfungen des Stallrivalen zu reagieren und mit schnellsten Rennrunden zu kontern. Von einem Besuch der Auslaufzone abgesehen war es die perfekte Vorstellung, die Rosberg zuvor so lange nicht abgeliefert hatte.

Doch es gab einen Haken: Mercedes war offenbar mit der Prämisse gestartet, nur einen Boxenstopp zu absolvieren. Rosberg durfte als Führender die Strategie bestimmen, blieb möglichst lange auf der Soft-Mischung auf der Strecke und wechselte in Runde 27 (das Rennen in der Chronologie!) auf die Medium. Mit stark abgefahrenen Gummis konnte Hamilton bei freier Fahrt nicht mehr kontern und ließ nur einen Umlauf später seinerseits neue Pneus aufschnallen. Es sah so aus, als würde es in dieser Konstellation dem Ende entgegengehen, ehe Rosberg in Runde 47 überraschend zu einem weiteren Boxenstopp kam.

Plötzlich war Hamilton in Führung. Und auf dem Weg zum Sieg. Würde er vielleicht versuchen, durchzufahren? Das Team machte sich mit frischen Reifen bereit - doch er bog nicht ab und fragte im Teamfunk entgeistert: "Warum?". Sein Renningenieur antwortete: "Wir machen uns Sorgen um die Abnutzung der Reifen, aus Sicherheitsgründen". Eine merkwürdige Ansage: Andere Piloten fuhren die doppelte Rundenanzahl auf den Pneus - ohne jegliche Probleme. Doch Mercedes konnte sich die Maßnahme aber leisten, weil die Konkurrenz längst auf über 30 Sekunden abgehängt war.

Einen Umlauf später kam Hamilton nach einer deutlichen Ansage doch an die Box, doch die Sache wurmte ihn unter dem Helm: "Bitte checkt die Reifen und gebt mir ihren Zustand durch", funkte er. Der Weltmeister wäre wohl gerne weitergefahren, um vor Rosberg zu bleiben und in Mexiko als Reifenflüsterer zu gewinnen. Rückblickend war der Sicherheitsstopp sinnvoll - und wie sich kurze Zeit später aufgrund einer Safety-Car-Phase zeigen sollte - auch Gold wert.

Mercedes-Sportchef Toto Wolff erklärt, dass ein komplett abgefahrener weicher Pneu beim Team für Bedenken gesorgt hätte, hat aber Verständnis für Hamiltons Skepsis: "Wir hatten genug Vorsprung für einen Sicherheitsstopp. So haben wir immer gearbeitet. Es war überhaupt keine Taktik dabei. Dass er emotional ist und das hinterfragt, ist ganz normal. Wir wollen keine Roboter im Auto." Hamilton hat die Maßnahme bereits kurz nach der Zieldurchfahrt akzeptiert: "Wenn es um Sicherheit geht, dann muss man das machen." Auf der Strecke, das räumt der Champion ein, sei gegen Rosberg kein Kraut gewachsen gewesen: Ich habe jede Runde Gas gegeben, aber sobald ich nah dran war, habe ich Abtrieb verloren. Und weil es nicht viel Grip gab, wurde es schwierig."

Das Podium komplettierte Valtteri Bottas im Williams. Der Finne entschied nach der Safety-Car-Phase das Duell mit Daniil Kwjat (Red Bull) für sich, entging jedoch in der ersten Rennhälfte nur knapp einer Strafe: Nach seinem ersten Boxenstopp fiel der Finne ins Mittelfeld zurück und musste seinen noch nicht bei der Crew erschienenen Landsmann Kimi Räikkönen überholen. Bei einem optimistischen Manöver nahm Bottas den Ferrari-Star auf die Hörner, daraufhin musste er mit gebrochener Hinterachse ausscheiden. Der Williams blieb unbeschädigt. Revanche für Sotschi?

Räikkönen nimmt die Sache, die die Rennleitung als normalen Rennzwischenfall einstufte und daher keinen der beiden Streithähne mit einer Sanktion belegte, gelassen: "Wir haben uns berührt, und ich habe ein Rad verloren. So ist das Leben. Das ist Motorsport. Ich habe die Bilder noch nicht gesehen, aber das Ergebnis ist für uns nicht gut. Aber das passiert eben", sagt der "Iceman".

Kwjat wurde Vierter vor seinem Red-Bull-Teamkollegen Daniel Ricciardo und Felipe Massa im zweiten Williams sowie den Force India von Nico Hülkenberg und Lokalmatador Sergio Perez. Die letzten WM-Punkte gingen an Max Verstappen (Toro Rosso) und Romain Grosjean (Lotus). Keine Zähler gab es für die im Rennen völlig überforderten McLaren-Honda von Jenson Button und Fernando Alonso. Der Spanier schied bereits nach einer Runde mit defekter MGU-H aus.

Auch Sebastian Vettel schrieb einen Nuller und besiegelte damit den ersten Ferrari-Doppelausfall seit dem Australien-Grand-Prix 2006. Schon am Start hatte sich der Heppenheimer einen Plattfuß eingefangen, weil er dem in der Startkurve auf der Innenbahn angreifenden Ex-Teamkollegen Ricciardo wenig Platz ließ. Der Frontflügel schlitzte ihm den Hinterreifen auf und Vettel humpelte mit viel Zeitverlust zum Notstopp. Die Rennleitung entschied, den Vorfall nicht zu sanktionieren.

"Es war ein bisschen der Wurm", beklagt Vettel. "Da war eigentlich das Rennen schon gelaufen." Im Anschluss patzte der Ex-Weltmeister selbst: Er leistete sich zwei Fahrfehler, bei denen er den Ferrari in die Auslaufzone respektive auf den Randstein setzte und fing sich einen Bremsplatten ein. Dann der große Knall: Wie zuvor verlor Vettel in der 52. Runde in Kurve 7 die Kontrolle über sein Auto, knallte in die Streckenbegrenzung und musste aus seinem beschädigten Wagen aussteigen.

Der erste Ausfall nach 27 Rennen wurmt Vettel: "Kein guter Tag für uns. Ich denke, das Auto war gut und wir hätten die Mercedes unter Druck setzen können, aber der Zug war mit dem Plattfuß schon abgefahren." Die Schuld will Ricciardo nicht auf sich nehmen: "Ich war einfach da und habe nicht einmal einen Angriff versucht. Er hat einfach eingelenkt, als wäre ich nicht da gewesen. Ich weiß nicht, was ich anderes hätte tun sollen." Vorwürfe lanciert Vettel nicht: "Ich habe ihn erst im letzten Moment gesehen und aufgemacht, sodass noch seine Nase reinpasste, aber es war zu spät. Ich will ihn deshalb nicht beschuldigen, denn so was kann man nicht absichtlich machen."