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Formel 1 Mexiko 2015: Nico Rosberg meistert Rutschpartie

Comeback-Tag zum Mexiko-Grand-Prix mit Rosberg (Mercedes) an der Spitze - Red Bull überraschend erster Verfolger - Verstappen und Bottas sorgen für Kleinholz

(Motorsport-Total.com) - Obwohl der WM-Titel seit einer Woche futsch ist und es nur noch um die Vizemeisterschaft geht, scheint Nico Rosberg bis in die Haarspitzen motiviert zum Mexiko-Grand-Prix (die gesamte Formel-1-Saison live im Ticker miterleben!) gereist zu sein: Im Autodromo Hermanos Rodriguez setzte der Mercedes-Pilot im zweiten Freien Training am Freitag die Tagesbestzeit in 1:21.531 Minuten (zum gesamten Klassement.) Die Session war geprägt von Ausritten beim Herantasten an das Limit auf der neuen Strecke, die mit glattem Asphalt und zum Schluss einsetzendem Regen zu Fehlern einlud.

Nico Rosberg

Nico Rosberg holte sich vor dem Red-Bull-Duo am Freitag die Bestzeit Zoom

Rosberg setzte seinen Bestwert kurz vor Halbzeit und demonstrierte, dass es im Qualifying mehr als eine Aufwärmrunde brauchen könnte, um die weiche Pirelli-Mischung auf Temperatur zu bringen - zumindest bei moderaten 20 Grad Celsius auf dem Thermometer. Schließlich erwärmen sich die Pneus auf rauen Asphaltsorten deutlich schneller als auf dem spiegelglatten Belag in Mexiko-Stadt. "Der Kurs ist schön zu fahren und vor allem einzigartig. Er erinnert mich an eine Go-Kart-Strecke", resümiert Rosberg.

Die Stadion-Passage mit 30.000 tosenden Fans wirkte in Sachen Stimmung einzigartig und bot den Piloten ein lautstarkes Erlebnis, wie es ihnen 2015 an einem Freitag bislang nicht vergönnt war. "Ein großartiges Gefühl, wenn alle Leute dich anfeuern", befindet Rosberg, der sich mit seinem persönlichen Mexiko-Auftakt zufrieden zeigte. "Es war ein guter Tag. Ich war schnell", erklärt der Deutsche.

Dass die Hermann-Tilke-Bahn nicht nur spektakulär, sondern auch tückisch sein kann, erlebte Max Verstappen am eigenen Leib (alle Abflüge und Ausritte in der Chronologie nachlesen!). Der Toro-Rosso-Pilot, der am Vormittag die Bestzeit gesetzt hatte, verabschiedete sich nach wenigen Minuten am Ausgang des Stadions mit einem Dreher in die Streckenbegrenzung und havarierte seinen Dienstwagen so stark, dass er das Training nicht mehr fortsetzen konnte. Eine gezeitete Runde wurde für den Niederländer nicht mehr notiert, wertvolle Zeit ging flöten.

Verstappen hadert mit seinem Schicksal, nimmt den Ausrutscher aber auf seine Kappe: "Die Strecke war rutschig, dazu kalte Reifen. Ich war vielleicht kurz nicht ganz konzentriert. Es war meine erste Runde. Ich habe nicht einmal Druck gemacht, sondern noch die Pneus aufgewärmt. Und dann habe ich das Auto einfach verloren." 'Sky'-Experte Marc Surer denkt, dass sich der Fauxpas des Formel-1-Rookies noch rächen könnte: "Auf einer neuen Strecke muss man heimisch werden und lernen, wo die Bremspunkte mit vollen und leeren Tanks liegen, mit weichen Reifen. Das fehlt ihm jetzt alles."

Noch spektakulärer war der Abflug von Valtteri Bottas, der kurz nach dem Verstappen-Unfall beim Anbremsen von über 360 km/h am Ende der langen Geraden die Kontrolle über seinen Williams verlor und sich mit reichlich Glück nur den Frontflügel an der Mauer abstreifte. Weil beim Finnen die Hinterräder plötzlich blockierten, obwohl er sauber auf dem Asphalt und mit gut positioniertem Fahrzeug verzögerte, könnten Bremsbalance und Energierückgewinnung zum Abflug beigetragen haben.

Bottas äußert eine andere Theorie und deutet an, dass sich ein so genannter "Stall" (am besten übersetzt als Strömungsabriss) am Heckflügel ereignet hätte: "Es kam urplötzlich beim Bremsen, das hat mich sehr überrascht. Ich wusste erst nicht, ob die Bremsen versagt haben, aber es hat wohl etwas geklemmt. Obwohl der Flügel geschlossen war, verhielt sich das Auto so, als wäre DRS noch offen gewesen", analysiert der Williams-Pilot. "Wir haben den Heckflügel getauscht und von da an lief alles gut."

Einen harmlosen Dreher leistete sich der alte und neue Weltmeister Lewis Hamilton, was nicht der Grund dafür war, dass er über Rang vier (+0,430 Sekunden) nicht hinauskam. "Ein bisschen zu schnell, würde ich sagen", meint Surer über die Szene, in der der Brite plötzlich verkehrt herum zur Fahrtrichtung parkte. Der Schweizer fügt an: "Kann passieren." Hamilton holte Sympathiepunkte bei den Fans, als er sich bei zehn Minuten vor Schluss einsetzendem Regen auf Intermediates mit der Bahn vertraut machte.

Zwischen die Silberpfeile schoben sich die Red-Bull-Fahrer Daniil Kwjat (+0,245) und Daniel Ricciardo (+0,337) auf den Plätzen zwei und drei. "Man erwartet, dass sich die Strecke enorm verändert, und das war der Fall heute", bilanziert der junge Russe, der mit dem Resultat eine in Singapur begonnene Serie beeindruckender Trainingsresultate fortsetzte. Er will im Qualifying mitmischen: "Im Moment sieht es sehr eng aus. Ich hoffe, wir können für ein wenig Spannung sorgen."

Ricciardo ist ähnlich optimistisch, obwohl das PS-Defizit des Renault-Antriebs ihn weiter plagt: "Alle Kurven der Strecken liegen uns. Nur auf der einen langen Geraden verlieren wir. All die kleinen, schnellen Kurven und S-Passagen in der Mitte sind zu unseren Gunsten. Wir waren konkurrenzfähiger als gedacht." Die Pole-Position hält der Australier dennoch für eine Utopie: "Das ist nicht realistisch. Wenn wir auf ein paar Zehntelsekunden an Mercedes dranblieben, wären wir glücklich."

Im Klassement folgten die Ferrari von Sebastian Vettel (+0,453) und Kimi Räikkönen (+0,868). Die Top 10 komplettierten Bottas +1,190), Fernando Alonso (McLaren/+1,462) vor Teamkollege Jenson Button (+1,578) sowie Felipe Massa im zweiten Williams (+1,758). Die starke Leistung der Honda-geplagten McLaren-Truppe überraschte auf der mexikanischen Powerstrecke, zumal sich der Spanier im Funk erneut in Polemik flüchtete: Er brauche "500 Runden", um die Energiespeicher des V6-Hybrid aufzuladen. Nico Hülkenberg belegte im Force India mit 1,759 Sekunden Rückstand den elften Rang.

Beim Blick auf die den Longrun-Zeiten wurde deutlich, dass in Mexiko mit einem spannenden Kampf um die Plätze auf dem Podium zu rechnen ist. Hamilton, Rosberg, Vettel und Massa erreichten während ihrer Versuche mit viel Sprit an Bord allesamt Rundenzeiten von 1:24.4 Minuten, Ricciardo war nur unwesentlich langsamer. Während Kwjat es immerhin noch 1:25.0 Minuten brachte, hatten Räikkönen, Bottas und auch Hülkenberg ärgere Probleme; Sie verloren mit vollem Tank eine Sekunde und mehr.

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