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Formel-1-Chefdesigner erklärt: So hat Mercedes DAS entwickelt

Mercedes-Chefdesigner John Owen gibt Einblicke in die Entwicklung der zweiaxialen Lenkung (DAS) und wie die Idee überhaupt entstanden ist

(Motorsport-Total.com) - DAS hat alle verblüfft. Die zweiaxiale Lenkung am Mercedes W11 war die große technische Überraschung bei den Wintertests vor der Formel-1-Saison 2020. Bislang hat Mercedes die Hintergründe zu dieser Innovation für sich behalten, doch nun spricht Chefdesigner John Owen erstmals darüber, wie DAS entstanden ist.

Mercedes W11, DAS, zweiaxiale Lenkung

Mercedes' zweiaxiale Lenkung (DAS) wird über Ziehen/Drücken am Lenkrad bedient Zoom

In einem Mercedes-Videobeitrag erklärt Owen, DAS sei keine reine Neuentwicklung. Es gäbe eigentlich "fast keine neuen Ideen" mehr, so der Brite. "Es gibt nur alte Ideen. Doch es sind gerade unterschiedliche Zusammenstellungen von Ideen, die am Ende ein neues Konzept, etwas anderes ergeben."

Die zweiaxiale Lenkung gehe auf frühere Mercedes-Ansätze zurück und greife Dinge auf, die das Team bereits in der Vergangenheit ausprobiert habe. Was genau, darüber schweigt sich Owen aus. Er sagt nur: "Wir hatten [das Vorgängersystem] vor ein paar Jahren im Rennauto."

Wäre DAS wirklich regelkonform?

Der Vorläufer von DAS setzte sich jedoch nicht durch. "Es hat funktioniert, aber nicht in dem Ausmaß, wie wir es uns erhofft hatten", meint Owen. "Also haben wir es wieder zur Seite gelegt." In der Vorbereitung auf die Saison 2020 aber holte man den alten Ansatz wieder hervor und verfeinerte ihn hin zur zweiaxialen Lenkung.


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Owen betont jedoch, die DAS-Entwicklung habe sich nicht nur auf rein technischer Ebene abgespielt. "Wir haben uns zunächst gefragt: Was, wenn wir so etwas wirklich bauen könnten? Und was sagen die Regeln dazu?"

Mercedes habe entsprechende Nachforschungen im Reglement angestellt und dabei nichts gefunden, was DAS widersprochen hätte. "Das ist ungewöhnlich und überraschend", meint Owen, sei aber noch nicht ausreichend, um eine kostspielige Entwicklung zu veranlassen.

Wie die Konkurrenz DAS anfechten könnte

Im Wissen um das technische Wettrüsten in der Formel 1 und den politischen Druck der Konkurrenzteams habe man sich anschließend bewusst in andere Teams hineinversetzt. "Wir fragten uns: Wo liegen mögliche Stolpersteine? Was müsste ich tun, um jemanden davon abzuhalten, [DAS] zu nutzen? Was wären die Argumente?"


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Erst mit diesem Wissen im Hinterkopf sei Mercedes wirklich in die Entwicklung der zweiaxialen Lenkung eingestiegen und habe sein DAS-System gebaut. "Und zwar so, dass es eben nicht diese Stolpersteine erwischt", sagt Owen.

Jetzt ist DAS gebaut und soll auch im Rennen eingesetzt werden - aber nur 2020. Denn für 2021 hat der Automobil-Weltverband FIA die zweiaxiale Lenkung von Mercedes bereits verboten.

Späte Anerkennung für DAS

Mercedes-Chefdesigner Owen kann das nachvollziehen. Er meint: "Bei DAS haben wir schnell gesehen, dass die erste Reaktion oft war, dass es nicht erlaubt sein sollte."

Sein Team habe allerdings auch eine gewisse Anerkennung dafür erfahren, wie er weiter ausführt: "Je mehr sich die Leute damit befassen, umso mehr lautet der Tenor: Vielleicht ist es doch in den Regeln, aber warum haben wir das bisher nicht erkannt?"

Jetzt herrsche eine regelrechte "Panik", das DAS-Verbot mit Gründen zu unterfüttern, erklärt Owen abschließend. "So läuft das aber immer in der Formel 1."

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