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Formel 1 2021: Neues Gremium soll Schlupflöcher schneller stopfen

Ross Brawn will die Struktur der Formel 1 ändern: Die Macht der Teams soll eingeschränkt werden - Das neue Gremium kann ab 2021 schneller reagieren

(Motorsport-Total.com) - Die Macht der Formel-1-Teams bröckelt. Für 2021 sind gravierende Änderungen am Entscheidungsprozess der Königsklasse geplant. Sportchef Ross Brawn sieht darin die Chance, dass bei origineller Regelauslegung schneller reagiert werden kann.

Ross Brawn

Ross Brawn wünscht sich eine schnellere Regelfindung Zoom

Die Machtstruktur der Serie wird sich grundlegend ändern: Gibt es jetzt mit der Strategiegruppe und der Formel-1-Kommission noch zwei Gremien, die vor dem FIA-Weltrat Regeln beschließen, wird es in Zukunft nur noch eine Kommission geben.

Besonders die Strategiegruppe wurde immer wieder kritisiert. Sie besteht neben Vertretern der FIA und des Formel-1-Managements (FOM) aus den Topteams Mercedes, Ferrari, Red Bull, McLaren und Williams als Traditionsteams plus der bestplatzierten sonstigen Mannschaft. Die vier übrigen Teams haben kein Stimmrecht.

"Ganz neue Philosophie" ab 2021

In dieser elitären Gruppe werden jedoch häufig die Regeln gemacht. Sie erhält Berichte von verschiedenen Arbeitsgruppen und bespricht dann, ob man diese Vorschläge annimmt, überarbeitet oder ablehnt. In der neuen Struktur soll es diese Strategiegruppe nicht mehr geben.

Stattdessen wird nur noch eine Kommission mit je zehn Mitgliedern der FIA, der FOM und allen zehn Teamchefs eingesetzt, das Gremium soll also aus 30 Personen bestehen. Ebenso wichtig sind die Stimmverhältnisse.

Brawn erklärt bei einem Gespräch zu Beginn der Woche in London, bei dem auch 'Motorsport-Total.com' anwesend war: "In der Vergangenheit mussten die Teams allen Veränderungen zustimmen. Das war frustrierend. Jetzt wird es eine Regelfindung geben, wo wir viel kurzfristiger Änderungen vornehmen können."


Doppeldiffusor und Co.: Der dominante Brawn BGP001

Giorgio Piola und Jake Boxall-Legge werfen einen Blick auf den Brawn BGP001, das dominierende Auto der Formel-1-Saison 2009. Weitere Formel-1-Videos

Denn in Zukunft wird es nur noch große und kleine Mehrheiten brauchen - keine Einstimmigkeit mehr. Die große Mehrheit (28 von 30 Stimmen erforderlich) soll bei kurzfristigen Vorschlägen zum Einsatz kommen. Mit Blick auf 2021 bedeutet das: "Wenn jemand ein Schlupfloch gefunden hat, können wir das bereits beim nächsten Rennen schließen."

Brawn betont, dass das besonders im Hinblick auf das neue Technische Reglement 2021 interessant sein könnte. "Wenn ein Team mit einer Lösung heraussticht, die zuvor nie in Betracht gezogen wurde, und das ganze Prinzip der neuen Regeln damit zunichte macht, dann könnte das mit genügend Rückendeckung der anderen Teams sofort gestoppt werden."

Damit würde in der Formel 1 eine "ganz neue Philosophie" einkehren. "Wenn jemand also ein solches Schlupfloch gefunden hat, dann wird sich dieses Team überlegen müssen: 'Will ich es verwenden und damit riskieren, gestoppt zu werden? Oder sage ich es der FIA, weil es nicht beabsichtigt war?'"

Brawn über Regelauslegung: "Ein schmaler Grat"

Während nun manche behaupten, dass Schlupflöcher einen Teil der technischen Herausforderung ausmachen - Brawn selbst gewann 2009 den WM-Titel auch dank des Doppeldiffusors - und eine Innovation zu unterbinden nicht zum Sport gehört, sieht das der Sportchef anders.

Er glaubt, dass ein Unterschied zwischen einer guten Idee und eines Schlupflochs besteht. "Wir wollen, dass die Teams unter einem verständlichen Reglement das Bestmögliche erreichen. Sie müssen sich auf uns und die FIA verlassen, dass wir keine großartige Idee bestrafen werden."

Eine großartige Idee sei für ihn, unter den gegebenen Umständen das Bestmögliche zu realisieren. "Das ist ein schmaler Grat, aber die Entscheidungsgremien der Formel 1 sind genauso ein entscheidender Teil dieses Prozesses, wie wir auch andere Änderungen vorgenommen haben."

Dieser neue Entscheidungsprozess ist Bestandteil des neuen Concorde-Agreements, das Liberty Media mit den Teams in den vergangenen Wochen ausverhandelt hat. Sollte es zu keiner Unterschrift der Teams kommen, würde das internationale Sportgesetzbuch als Übereinkunft greifen.

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