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"Flexiwings": Wie groß ist die Gefahr eines Protests?

Obwohl die vermeintlich biegsamen Heckflügel erst in Frankreich weg sein müssen, droht Red Bull & Co. schon in Baku ein Protest der Konkurrenz

(Motorsport-Total.com) - Kocht das Thema "Flexiwings" vor dem geplanten Verbot zum Frankreich-Grand-Prix noch einmal richtig hoch? Zwar mag das Thema in Monaco auf der Strecke keines sein, doch hinter den Kulissen sorgen die biegsamen Heckflügel für mächtig Wirbel. Möglicherweise drohen sogar Proteste beim kommenden Rennen in Baku.

Max Verstappen

Red Bull droht in Baku Ärger wegen seines Heckflügels Zoom

Vor allem bei McLaren ist man sauer über den Zeitpunkt des Verbots der "Flexiflügel". Man fürchtet, dass der Flügel beim nächsten Rennen in Aserbaidschan einen deutlichen Vorteil bringen könnte. Denn dort könnten die Teams in den kurvenreichen Sektoren mit einer Menge Abtrieb fahren und auf der 2,2 Kilometer langen Geraden trotzdem von geringerem Luftwiderstand profitieren.

Das öffnet die Tür für mögliche Proteste, obwohl alle Fahrzeuge die bis dahin vorgeschriebenen Sicherheitstests bestanden haben. Knackpunkt ist, dass am Ende nicht die FIA das Sagen über die Interpretation der Regeln hat, sondern die Rennkommissare. Das heißt: Selbst wenn die FIA ihr Okay gibt, können die Kommissare anderer Meinung sein.

In der Fußnote jeder Technischen Richtlinie steht geschrieben: "Jegliche obenstehende Meinung der FIA ist nur beratender Natur und stellt nicht das Technische Reglement dar. Es obliegt den Rennkommissaren und letzten Endes dem Internationalen Berufungsgericht der FIA eine bindende Interpretation des Technischen Reglements zu geben."

Dient Technische Richtlinie als Beweis?

Der beste Beweis, den die Teams bei einem Protest gegen die "Flexiwings" einreichen können, ist die Richtlinie selbst, mit der die Teams über die neuen Tests informiert wurden. Dort steht klar geschrieben, dass die FIA glaubt, dass die Teams aktuell gegen das Reglement verstoßen könnten.

Denn FIA-Technikchef Nikolas Tombazis schreibt dort, dass der Verband zwar weiß, dass die Heckflügel die aktuellen Belastungstests bestanden haben, diese "aber trotzdem übermäßige Verformungen zeigen, wenn das Auto in Bewegung ist."


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Er beruft sich dabei auf Artikel 3.8 des Technischen Reglements, nach dem alle Teile des Autos, die einen Einfluss auf die aerodynamische Performance haben, steif sein müssen und sich auch nicht bewegen dürfen.

Sollte ein Team einen Videobeweis im Zusammenhang mit der Technischen Richtlinie liefern, hätte man gegenüber den Kommissaren gute Argumente, dass die Regeln, die flexibles Bodywork verbieten, damit gebrochen werden.

Revanchiert sich Mercedes für DAS-Prostest?

Die Frage ist nur, ob ein Team auch wirklich einen echten Protest einlegen wird. "Im Prinzip bin ich kein großer Fan davon, gegen andere Teams und Autos zu protestieren", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl. Er sucht lieber den Dialog mit der FIA und möchte verstehen, was der Verband tut "um sicherzustellen, dass diese Teile oder Vorrichtungen ab sofort nicht mehr verwendet werden können."

Das könnte Mercedes womöglich aber nicht reichen. Denn im engen WM-Kampf mit Red Bull könnte man jeden Vorteil nutzen wollen, der sich dem Team bietet. Zudem hatte Red Bull im vergangenen Jahr selbst Protest gegen Mercedes' Lenksystem DAS eingelegt - wenn auch ohne Erfolg.

Womöglich könnte aber auch die bloße Gefahr eines Protestes dafür sorgen, dass die Teams schon vor der Deadline ihre Heckflügel anpassen. Ende 2019 gab es ein ähnliches Szenario, bei dem die FIA Grünes Licht gegeben hatte, einige Teams jedoch der Ansicht waren, dass es illegal sei.

Es ging um Löcher in den Hinterradfelgen bei Mercedes, die sowohl einen aerodynamischen als auch einen Kühlungszweck verfolgten. Ferrari war nicht einverstanden und sah das Reglement verletzt. Trotz der Absicherung durch die FIA verzichtete Mercedes freiwillig auf das umstrittene Design, um keinen Protest zu riskieren.

Die Frage ist daher, ob Teams wie Red Bull und Ferrari das Risiko in Baku eingehen wollen und am Ende möglicherweise ihr Ergebnis verlieren, sollte ein Protest erfolgreich verlaufen. Betroffen sein sollen nach derzeitigen Erkenntnissen unter anderem Red Bull, Ferrari, Alpine und Alfa Romeo.