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Finanzinvestor Toto Wolff: Warum ein Mercedes-Titel unwahrscheinlich ist

Toto Wolff weiß genau, was nötig ist, damit Lewis Hamilton 2021 Weltmeister wird, und bedient sich dabei Erfahrungen aus der Finanzbrache

(Motorsport-Total.com) - Trotz der Siege von Lewis Hamilton zuletzt in Brasilien und Katar ist Toto Wolff davon überzeugt, dass sein Mercedes-Team im Kampf um die Formel-1-WM 2021 Außenseiter ist: "Für uns ist das ganz einfach", sagt er. "Wir sind acht Punkte hinten. Das heißt, dass wir zu jedem Wochenende unser 'A-Game' bringen müssen - so, wie uns das in Brasilien und Katar gelungen ist. Nur wenn wir das schaffen, haben wir eine Chance. Es ist noch nichts verloren. Aber die Chancen stehen gegen uns."

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Mercedes-Teamchef Toto Wolff war und ist im "Nebenjob" Finanzinvestor Zoom

Ein pessimistisches Szenario also, das Wolff zeichnet, obwohl das berühmte Momentum zuletzt auf Seite von Mercedes zu sein schien. Nicht nur in Brasilien und Katar, sondern auch am Freitag in Saudi-Arabien: Hamilton erzielte in beiden Freien Trainings Bestzeit, sein Rivale Max Verstappen wurde einmal Zweiter und einmal Vierter. Rückstand: 0,195 Sekunden.

"Ich bin ein Finanzmensch", sagt Wolff. "Ich denke schon immer in Wahrscheinlichkeiten. Wahrscheinlichkeiten sind die Basis für meine Arbeitsweise, und die Wahrscheinlichkeiten sehen in diesem Fall so aus, dass die Chancen gegen uns stehen." Die Ausgangslage sei aber simpel: "Wir müssen beide Rennen gewinnen. So kann man es vereinfacht zusammenfassen."

Als Finanzinvestor müsse Wolff doch letztendlich ein Spekulant sein. Doch das Argument lässt der 49-jährige Österreicher nicht gelten: "Da widerspreche ich! Was ich tue", stellt er klar, "ist niemals Spekulation. Sondern ich versuche, meine Entscheidungen auf Fakten und kalkulierte Risiken zu gründen."

Wolff: Eine Niederlage würde er aushalten

Dabei, erläutert Wolff, stelle er sich immer die Frage: "Könnte ich mit dem schlechtestmöglichen Ausgang leben? Wenn ich das mit Ja beantworten kann, dann kann ich auch spekulieren. Sonst nicht." Und dass er auch ohne Titel 2021 leben könnte, das hat er bereits in Katar bestätigt, als er meinte, eine Niederlage sei "nicht das Ende der Welt".

Die Risiken des Masterplans, sowohl in Saudi-Arabien als auch in Abu Dhabi zu gewinnen und damit Weltmeister zu werden, seien aber vielfältig, ist ihm bewusst: "Weil du, um ein Rennen zu gewinnen, nicht nur das schnellste Auto und den schnellsten Fahrer haben musst. Auch die Zuverlässigkeit hat darauf einen enormen Einfluss."


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Diese drei Faktoren kombiniert seien "die Essenz des Motorsports", findet der Mercedes-Teamchef. Er betont aber: "Wir hätten uns niemals träumen lassen, dass wir zu diesem Zeitpunkt der Saison noch um die WM kämpfen. Wir hatten jetzt aber zwei fantastische Rennwochenenden, von denen wir noch mehr brauchen, um in dieser Meisterschaft eine Chance zu haben."

"Nach Mexiko", blickt Wolff zurück, "da haben wir uns zwar noch nicht aufgegeben, weil wir das nie tun - aber da hat es schon ziemlich schlecht ausgesehen. Einfach im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeiten. Das sieht jetzt schon anders aus. Wir haben es selbst in der Hand. Das ist sehr aufregend und macht Spaß. Aber wir wissen, dass es auch Druck aufbaut."

Verstappen kann am Sonntag Weltmeister werden

Rechnerisch ist die Ausgangslage aus Mercedes-Sicht simpel: Hamilton hat acht Punkte Rückstand auf Verstappen. Angenommen, Hamilton gewinnt in Saudi-Arabien vor Verstappen, dann wird in Abu Dhabi der Weltmeister, der dort als Erster über die Ziellinie fährt. Scheidet Hamilton allerdings am Sonntag aus und wird Verstappen mindestens Zweiter, ist die WM entschieden.


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Genauer und präziser skizziert wurden alle Szenarien einer vorzeitigen WM-Entscheidung in einem Video auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de. Wolff sagt dazu: "Ich hoffe, dass in Abu Dhabi noch alles offen ist. Das würde bedeuten, dass wir es selbst in der Hand haben. Dann gewinnt der beste Fahrer im besten Auto. Und wer auch immer das ist, hat sich den Titel verdient."

"Noch aufregender" sei die WM-Entscheidung aufgrund der Tatsache, dass zuletzt mit Katar und jetzt mit Saudi-Arabien zwei Strecken gefahren werden, die zum ersten Mal Teil des Formel-1-Kalenders sind. In beiden Fällen war selbst vor ein paar Monaten noch nicht hundertprozentig klar, ob die Grands Prix überhaupt stattfinden können.

"Das bringt eine zusätzliche Dimension", nickt Wolff. "Es ist etwas Besonderes, dass die WM in den letzten zwei Rennen entschieden wird, und eine der beiden Strecken ist brandneu. Niemand hat dort Daten gesammelt, und so musst du aufgeschlossen an die Aufgabe herangehen, dich aber gleichzeitig auf deine Erfahrung verlassen. Das ist schon eine zusätzliche Herausforderung."

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