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FIA-Rennleiter: Max Verstappen hatte "nachhaltigen Vorteil"

Unterschiedliche Konsequenzen bei ähnlichen Zwischenfällen: Warum Max Verstappen in Mexiko bestraft wurde, Lewis Hamilton nicht - Safety-Car als Rettung

(Motorsport-Total.com) - FIA-Rennleiter Charlie Whiting war heute der Sondergast auf der Pressekonferenz vor dem Grand Prix von Brasilien 2016, die ansonsten an Donnerstagen immer ausschließlich den Fahrern vorbehalten ist. Der Brite wollte die Gelegenheit nutzen, um einige strittige Entscheidungen der Rennleitung im vergangenen Mexiko-Rennen zu erklären. Unter anderem stellte Whiting dar, warum das Verlassen der Strecke durch Max Verstappen und Lewis Hamilton an gleicher Stelle unterschiedliche Konsequenzen nach sich zog.

Charlie Whiting

Rennleiter Charlie Whiting argumentierte die Entscheidungen aus Mexiko noch einmal Zoom

Im Sprint nach dem Start hatte sich Hamilton in der ersten Kurve verbremst, die zweite Kurve durch die Auslaufzone abgekürzt und war anschließend weiterhin als Führender weitergefahren. Der Vorsprung des Briten hatte sich sogar vergrößert. Dennoch gab es keinerlei Strafe für Hamilton. An gleicher Stelle nutzte auch Max Verstappen in einem Duell gegen Sebastian Vettel die Auslaufzone. Der Niederländer bekam dafür eine Fünf-Sekunden-Strafe aufgebrummt. "Was für eine Doppelmoral", kritisierte Verstappen.

Die unterschiedlichen Entscheidungen der Rennleitung bei - zumindest auf den ersten Blick - ganz ähnlichen Situationen ließ zahlreiche Diskussionen entstehen. Viele Fahrer schüttelten angesichts der straffreien Fahrt von Hamilton den Kopf. Wird in der Formel 1 mit zweierlei Maß gemessen? Diesen Vorwurf versuchte Whiting anhand seiner Erklärungen und beim Vorführen von Videosequenzen am Donnerstag zu entkräften.

Zwei Manöver, zwei verschiedene Szenarien

"Aus unserer Sicht gab es zwischen den beiden Szenen einen fundamentalen Unterschied. Lewis hat dort keinen nachhaltigen Vorteil erlangt, Max aber schon", meint der Brite. "Lewis macht dort einen kleinen Fehler, fährt durch den Auslauf und reduziert die Gaspedal-Stellung auf dem Weg zu den Kurven 3 und 4 anschließend auf 80 Prozent, um den möglichen Vorteil wieder auszugleichen. Er hätte sonst einen riesigen Vorteil gehabt. Wenig später kam das Safety-Car, womit dann jeglicher Vorteil hinfällig war."

Lewis Hamilton, Nico Rosberg, Max Verstappen, Nico Hülkenberg, Daniel Ricciardo

Lewis Hamilton musste nach seinem Verbremser in Mexiko durch den Auslauf Zoom

Zunächst hatte der noch amtierende Champion seinen Vorsprung um mehrere Fahrzeuglängen erhöht. Das Safety-Car rettete ihn in diesem Fall vor einer Bestrafung, völlig unabhängig von der Gaspedalstellung nach der zweiten Kurve. "Wir haben Lewis aufgefordert, zu verlangsamen, sahen aber anhand der Daten, dass er schon ordentlich vom Gas gegangen war. Dann kam zuerst das virtuelle Safety-Car und dann das echte. Es gab keinen Grund mehr, da noch irgendwie einzugreifen", sagt Whiting.

"Wenn das nicht so gekommen wäre, dann hätten wir aber etwas unternommen", sagt der FIA-Rennleiter und macht damit noch einmal deutlich, dass es eher die Umstände als die Reaktion von Hamilton waren, die den WM-Kandidaten vor einer Strafe bewahrten. "Ich kann mit der Entscheidung natürlich leben", schmunzelt der dreimalige Formel-1-Champion auf der Pressekonferenz etwas kleinlaut. Er hat erkannt, dass er durch Glück mit einem blauen Auge davongekommen war.

Max Verstappen sichert dauerhaften Vorteil

"Der Unterschied später in der Szene mit Max und Sebastian: Wenn Max auf dem Weg zu den folgenden Kurven das gleiche gemacht hätte wie Lewis zuvor, dann hätte er ganz sicher einen Platz verloren. Aus Sicht der Rennkommissare war daher klar, dass er sich einen nachhaltigen Vorteil verschaffte", schildert Whiting seine Sicht des zweiten Zwischenfalls in der zweiten Kurve. Verstappen war bei seinem Zweikampf gegen Sebastien Vettel voll auf dem Gas geblieben, um sich vorn zu halten.

"Mit der Entscheidung bin ich nicht einverstanden, aber das macht doch keinen Unterschied mehr", winkt Verstappen ab. "Ich bleibe dabei: Entweder bestrafst du in beiden Fällen oder gar nicht. Eines sollten wir für die Zukunft ändern: Ein Ritt durch die Auslaufzone sollte immer automatisch Nachteile haben, ohne dass Rennkommissare über irgendeine Strafe entscheiden müssen. Wir müssen da eine Lösung finden." In den vergangenen Tagen hatten sich bereits zahlreiche Piloten für die Rückkehr zu mehr Kiesbetten ausgesprochen.

"Die Rennkommissare haben einen extrem schwierigen Job, weil jeder einzelne Fall immer etwas anders ist. In meinem Fall kam beispielsweise kurz danach das Safety-Car", äußert Hamilton viel Verständnis für die nicht immer einfache Arbeit des Personals in der Rennleitung. "Jedes Szenario ist ein wenig anders. Es ist schwierig, da immer schnell und richtig zu entscheiden", sammelt der Brite viele Beliebtheitspunkte bei Charlie Whiting.