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F1-Qualifying Bahrain: Ferrari auf Pole, Mercedes schwer geschlagen!

Die neue Ära in der Formel 1 hat neue Gesetze: Mercedes ist nicht mehr Dominator, und Ferrari hat Favorit Max Verstappen hauchdünn bezwungen

(Motorsport-Total.com) - Zeitenwende in der Formel 1: Im ersten Qualifying unter dem neuen Reglement wurde das bisher oftmals dominante Mercedes-Team schwer geschlagen. Die Poleposition beim Grand Prix von Bahrain machten andere unter sich aus. Am Ende fuhr Charles Leclerc (Ferrari) Bestzeit (1:30.558 Minuten), gefolgt von Max Verstappen (Red Bull/+0,123) und Carlos Sainz (Ferrari/+0,129).

Charles Leclerc

Charles Leclerc steht beim Grand Prix von Bahrain 2022 auf Poleposition Zoom

Sergio Perez (Red Bull) wurde Vierter, gefolgt von Lewis Hamilton im besten Mercedes auf P5. George Russell im zweiten Mercedes verpatzte seine letzte Runde und belegte am Ende Rang neun.

Valtteri Bottas (Alfa Romeo) sicherte sich P6 vor Kevin Magnussen (Haas), Fernando Alonso (Alpine), Russell und Pierre Gasly (AlphaTauri).

Mick Schumacher (Haas) wurde Zwölfter, Nico Hülkenberg (Aston Martin) 17. Sebastian Vettel war wegen eines positiven Coronatests nicht am Start.

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Hat Ferrari mit der Poleposition gerechnet?

Nein. "Wir waren uns ziemlich sicher, dass Red Bull schneller sein würde. Ist aber eine angenehme Überraschung", sagt Leclerc. Dabei ist der Ferrari-Fahrer nicht hundertprozentig zufrieden mit seiner Performance: "Ich war nicht ganz happy damit, wie ich gefahren bin. Aber die Runde in Q3 habe ich gut hinbekommen."

Verstappen, der als Favorit ins Qualifying gegangen war, trug seine knappe Niederlage aber mit Fassung: "Wir haben ein gutes Auto. Das ist unterm Strich das Wichtigste. Es ist ein guter Tag für uns. Ich wusste ja, dass es eng wird. In Q2 dachte ich, das klappt heute. In Q3 haben dann ein paar Kleinigkeiten nicht zusammengepasst."

Wie groß sind die Sorgen bei Mercedes?

Hamilton hatte offenbar mit einem noch schlechteren Ergebnis gerechnet. "Ich bin sehr zufrieden mit dem heutigen Tag", sagt er. "Die letzten zwei Wochen waren ein Albtraum. Die Jungs vor uns fahren in einer anderen Liga. Die werden davonfahren. Am Freitag waren sie eine Sekunde schneller als wir. Ich werde versuchen, am Start nach vorn zu kommen. Aber es wird schwierig."

"Wir sind das drittschnellste Team. Es ist ein Weckruf", gibt Teamchef Toto Wolff zu. Bereits vor dem Qualifying referierte er in der FIA-Pressekonferenz über die Schwierigkeit der aktuellen Lage. "Wir können nicht sagen, ob es tatsächlich das 'Bouncing' ist, dass uns so viel Performance kostet, dass wir das Auto nicht tief fahren können. Oder haben wir fundamentalere Probleme? Wir müssen das der Reihe nach aussortieren."

Red Bull fahre "in einer eigenen Liga", stellt Wolff fest, und er gibt zu: "Wir wären lieber eine Sekunde schneller als alle anderen. Das ist aber nicht der Fall. Wir haben in Barcelona gut begonnen, aber von da an ging es rückwärts."


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Das "Porpoising", das von den meisten Experten als Hauptursache für Mercedes' Rückstand eingeschätzt wird, ist laut Wolff "nur einer von fünf bis sechs Bereichen, in denen wir glauben, dass wir Performance holen können. In der Formel 1 gibt es keine einfachen Antworten. Aber es gibt tiefhängende Früchte, die wir für die nächsten Rennen ins Visier nehmen müssen."

Parallel dazu stellen sich die Mercedes-Ingenieure auch die Frage: "Haben wir irgendwo eine Abzweigung falsch genommen?" Wolff hält fest: "Es ist eine Herausforderung. Aber wir müssen das positiv sehen. Wir wissen, dass wir das schon mal geschafft haben. Was immer wir jetzt lernen, wird uns in Zukunft stärker machen. Denn diese Regeln werden sich nicht so schnell ändern."

Red-Bull-Teamchef Christian Horner schreibt Mercedes jedenfalls noch lange nicht ab: "Ein Team, das so breit so stark ist wie Mercedes, kann ziemlich schnell zurückschlagen." Wolff sieht daher keineswegs schwarz: "Ich glaube, dass es einfache Lösungen gibt, um Performance zu finden. Die kristallisieren sich langsam heraus."

Wie lief das Qualifying für Mick Schumacher?

Hätte ihm vor dem Wochenende jemand prognostiziert, dass er Zwölfter wird, hätte er das wahrscheinlich begeistert angenommen. Doch Schumacher konnte sich in seinem zweiten Q2-Versuch nicht mehr steigern und blieb so eine halbe Sekunde hinter seinem Teamkollegen Kevin Magnussen, der gar keinen zweiten Run brauchte, um ins Q3 einzuziehen.

Haas ist damit eine der positiven Überraschungen des Formel-1-Saisonauftakts 2022 - aber Schumacher aufgrund der klaren Niederlage gegen Magnussen, der kurzfristig eingesprungen ist und keine optimale Saisonvorbereitung hatte, einer der großen Verlierer.

Trotzdem nimmt er sich für das Rennen Punkte vor: "Ich glaube, das ist möglich", sagt Schumacher. Mit dem Qualifying sei er "nicht ganz zufrieden", aber das muss kein schlechtes Omen für Sonntag sein: "Es ist so ein Gefühl gewesen im Auto, was einfach nicht gepasst hat." Deswegen sei ihm "hier und da en Fehler passiert. Zum Glück haben wir noch 22 Versuche!"

Gab es weitere Q2-Verlierer in Bahrain?

Lando Norris (McLaren) hätte sich sicher mehr erwartet als Platz 13. Doch das hatte sich bereits in den Trainings abgezeichnet. Esteban Ocon im rosaroten Alpine schrammte nur um 0,065 Sekunden an der zehntbesten Zeit von Bottas vorbei. Alexander Albon (14./Williams) und Guanyu Zhou (15./Alfa Romeo) hatten einen Q3-Einzug wohl ohnehin nicht auf dem Zettel.

Welche fünf Fahrer schieden bereits in Q1 aus?

Q1 wurde mit großer Spannung erwartet, denn zum ersten Mal würden die Teams mit offenem Visier und ohne Täuschen und Tarnen gegeneinander antreten. Dass Mercedes nicht um die Poleposition fahren würde, zeigte sich früh (P9/10); und die beiden Ferraris sicherten sich vor Verstappen die Bestzeit. Das war so weit nicht überraschend.

Aber Bottas auf P4 und Magnussen auf P5, damit hatte kaum jemand gerechnet. Den ersten Experten dämmerte da schon: Mattia Binottos Ansage, dass Ferrari 2022 womöglich sogar den besten Motor der Formel 1 haben könnte, scheint sich zu bewahrheiten. Davon profitieren auch die Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo und Haas.

Die große Enttäuschung: Aston Martin musste mit den Positionen 17 und 19 die Segel streichen. Nico Hülkenberg war am Ende um 0,255 Sekunden schneller als Lance Stroll. Daniel Ricciardo (McLaren) schied überraschend aus. Er wurde 18., 0,706 Sekunden hinter Norris (8.). Außerdem flogen Yuki Tsunoda (15./AlphaTauri) und Nicholas Latifi (20./Williams) in Q1.

Für Hülkenberg ist es ein Samstag mit gemischten Gefühlen: einerseits den Teamkollegen geschlagen, andererseits weit hinter den Erwartungen des Teams geblieben. "Die Ambition ist natürlich ganz eine andere", sagt er. "Persönlich habe ich aber die Runden sauber und gut getroffen. Da war nicht viel mehr zu holen."

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