powered by Motorsport.com

F1-Experten im Krisenmodus: Mercedes und Co. könnten aussteigen

Die Formel 1 wird sich im Zuge der Corona-Krise maßgeblich verändern - Timo Glock und Eddie Jordan fürchten, dass selbst große Hersteller die Reißleine ziehen werden

(Motorsport-Total.com) - Noch ist unklar, wie die Formel 1 die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise überstehen wird. Viele ziehen den Vergleich zur Finanzkrise 2008, ausgelöst durch die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers. In der Folge beendeten neben Reifenhersteller Bridgestone auch BMW und Toyota ihr Engagement in der Formel 1.

Valtteri Bottas, Lewis Hamilton

Ein Starterfeld ohne Silberpfeile? In der Formel 1 von heute kaum vorstellbar Zoom

Timo Glock, 2008/09 Toyota-Pilot, musste sich damals nach einem neuen Rennstall umsehen. Er fürchtet, die aktuelle Krise könnte ähnliche Folgen haben: "Ja, ich kann mir vorstellen, dass das in den nächsten Wochen und Monaten ein großes Thema sein wird, weil die Zahlen im zweiten und dritten Quartal jetzt erstmal kommen werden."

Bisher gab es aufgrund der Corona-Beschränkungen kein einziges Rennen. Liberty Media verzeichnete im ersten Quartal bereits einen Verlust von 84 Prozent. Doch das dicke Ende kommt erst noch, glaubt Glock im Interview mit dem Podcast 'Starting Grid', wenn die nächsten Monate "das wirkliche Ausmaß der Corona-Krise" zeigen.

Audi-Ausstieg in der DTM als "Warnschuss"

"Und da kann es ungemütlich werden für den einen oder anderen Automobilhersteller", weiß Glock. "Denn wer denkt jetzt gerade darüber nach, ein Auto zu kaufen? Man sieht es bei uns in der DTM: Audi hat sich entschieden, Ende der Saison wegen der Gegebenheiten auszusteigen. Das ist schon mal ein Warnschuss in die Richtung."

Das betreffe nicht nur den Motorsport, sondern die gesamte Wirtschaft: "Für alles, was man sieht, ist das eine Gefahr, so wie das gerade gehandelt wird - dass Länder komplett zum Lockdown kommen und alles runtergefahren wird, ist momentan eine Gefahr für alle. Da ist es egal, welcher Sport das ist - ob Tennis, Handball, kleine Sportvereine."

Glock erwartet folglich "eine große Krise" für den Sport allgemein. Und diese könnte in der Formel 1 nicht nur kleinere Teams zum Ausstieg bewegen. Der Ex-Teambesitzer Eddie Jordan prophezeite bereits vor wenigen Wochen im Interview mit 'Sport1', "dass Hersteller wie Mercedes, Honda und vielleicht auch Renault die Reißleine ziehen werden".

Jordan sicher: Mercedes-Team wird verkauft

Vor allem von seiner Mercedes-These ist Jordan überzeugt: "Die Mercedes-Führung kann gar nicht anders entscheiden: Sie haben alles erreicht, alles gewonnen. Weitere Erfolge können sie unter den gegebenen Umständen nicht mehr vermarkten. Sie werden ihr Team verkaufen", legt sich fest und hat auch schon einen Abnehmer parat.

"Vielleicht an Lawrence Stroll, der das Ziel hat, mit seinem Sohn und seiner neuen Marke Aston Martin Weltmeister zu werden. Das wird mit seinem aktuellen Racing-Point-Team aber schwer." Es könnte also die große Chance für Privatteams werden. Als Motorenlieferant werde Mercedes der Formel 1 aber erhalten bleiben, so Jordan.


Fotostrecke: Formel-1-Prognosen von Eddie Jordan, die wahr wurden

Er kann sich - wie früher - eine "intensivere Partnerschaft" mit McLaren vorstellen. Ein Motorenliefervertrag ab 2021 ist bereits unterschrieben. Mercedes selbst hat sich, was seine eigenen Fahrer angeht, für diese Zeit noch nicht festgelegt - auch wenn es sich, gerade was Hamilton angeht, nur noch um Formalitäten handeln soll.

Noch kein neuer Mercedes-Vertrag für Hamilton

Ex-Formel-1-Pilot Glock wundert sich im Gespräch mit 'Starting Grid' trotzdem. "Die Frage ist, wieso man auf Mercedes-Seite so lange braucht, um die zwei Fahrer vertraglich zu verlängern. Früher ging das etwas schneller, wenn ich mich richtig erinnere. Es ist sehr ruhig geworden um die Verhandlungen", meint der Deutsche.

"Kann natürlich sein, dass man sagt, man muss abwarten, wie es weitergeht. Und kann deswegen momentan keine Fahrerverträge unterschreiben und hängt so ein bisschen in der Warteschleife. Das könnte ein Thema sein. Und vielleicht auch ein Thema für Lewis Hamilton." Bei ihm wurde schon über einen 90-Mio-Dollar-Vertrag gemunkelt.

Allerdings war das der Fall, bevor Corona den Sport stilllegte. Glock wagt daher keine Prognose: "Das ist so ein bisschen die Glaskugel, die wir da gerade in der Hand halten. [...] Es sind zu viele offene Fragen. Mercedes committed sich nicht, weil sie so ein bisschen abwarten und schauen, wie sich die Lage gerade entwickelt, glaube ich."