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F1 Bahrain 2020: So hat "Reifenflüsterer" Lewis Hamilton die Pole erobert

Fragen und Antworten zur Pole-Entscheidung: Warum Lewis Hamilton seine Runde langsam begonnen hat und wo für Sebastian Vettel mehr drin gewesen wäre

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton hat sich beim Grand Prix von Bahrain (Formel 1 2020 live im Ticker!) die 98. Pole-Position seiner Karriere gesichert. Der Mercedes-Pilot, der bereits als Formel-1-Weltmeister 2020 feststeht, verwies seinen Teamkollegen Valtteri Bottas im Nacht-Qualifying in der Sachir-Wüste vor den Toren der Hauptstadt Manama um 0,289 und Max Verstappen (Red Bull) um 0,414 Sekunden auf die Plätze.

Lewis Hamilton

Lewis Hamilton fuhr zur Pole-Position im Nacht-Qualifying in Bahrain Zoom

Alexander Albon (Red Bull) erzielte nach seinem Trainingscrash am Freitag ein für ihn positives Ergebnis und wurde Vierter, vor Sergio Perez (Racing Point) und Daniel Ricciardo (Renault).

Die beiden Ferraris, im Vorjahr noch in der ersten Startreihe, schieden in Abwesenheit von Teamchef Mattia Binotto (zu Hause in Maranello) hingegen bereits in Q2 aus. Vettel gewann aber zum zweiten Mal hintereinander und zum vierten Mal in der laufenden Saison das interne Stallduell.

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Wo hat Hamilton die Pole geholt?

Schon nach der ersten Q3-Runde lag er auf Pole-Kurs, und nach der ersten Zwischenzeit der zweiten Q3-Runde lag er ebenfalls voran. Dabei hatte er die Runde eher verhalten begonnen. In den ersten paar Minisektoren war er langsamer als auf der vorangegangenen Runde.

Eine bewusste Entscheidung, um die Reifen für den Rest der Runde zu schonen? "Ich verrate doch meine Geheimnisse nicht", grinst Hamilton. "Aber so viel kann ich sagen: Ich habe keinen Fehler gemacht."

Am Ende des ersten Sektors knallte er dann zwei "pinke" Minisektoren hin und zog das Tempo an. Bottas schob sich dank einer guten letzten Runde zwar noch an Verstappen vorbei, blieb aber ratlos zurück: "Das Problem ist, wenn du ein gutes Gefühl hast und glaubst, dass du alles aus dem Auto rausgeholt hast - aber die Rundenzeit trotzdem nicht reicht."

Hamilton für seinen Teil findet, dass er die Kurven 1, 4 und 6 nicht perfekt getroffen hat, relativiert das aber: "Du kannst immer noch was finden, aber insgesamt war es eine saubere Runde. Ich war die meiste Zeit zweieinhalb Zehntel voran. Damit war ich sehr zufrieden."

Hat Bottas im Rennen eine Chance gegen Hamilton?

Der Papierform nach ist er nicht Favorit. Bahrain wird aufgrund des grobkörnigen Asphalts ein reifenmordendes Rennen, und gerade der Umgang mit den Reifen gilt als Hamiltons Spezialdisziplin. Außerdem steht Bottas auf der schlechteren (weil staubigeren) Seite der Startaufstellung. Das sei "auf jeden Fall" ein Nachteil, räumt Teamchef Toto Wolff ein. Auch gegenüber Verstappen.

Allerdings hat der Finne für das Nachtrennen in der Wüste womöglich einen Joker in der Hinterhand: "Ich habe ein ganz anderes Set-Up als Lewis. Mal sehen, ob das im Rennen einen Unterschied macht." Ungewöhnlich sei das nicht: "Manchmal stimmen wir anders ab, manchmal gleich", relativiert Bottas.

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Hätte Verstappen auf Pole fahren können?

Nein. Nach seiner Bestzeit im Abschlusstraining galt er als heimlicher Favorit. Aber Mercedes hatte sich am Freitag voll auf die Tests mit den 2021er-Pirelli-Prototypen konzentriert. Je länger das Wochenende dauerte, desto schneller wurden die schwarzen "Silberpfeile".

"Das Wochenende war insgesamt recht positiv. Im Qualifying hat uns ein bisschen was gefehlt. Wir müssen uns anschauen, woran das lag", sagt Verstappen.

Ganz rund lief der Samstag aber nicht. Im FT3 flatterte der Heckflügel bei aktiviertem DRS. Auch während des Qualifyings wurde am Heckflügel nachjustiert. Und zwischendurch klagte der Niederländer darüber, dass seine Reifen in Q3 schneller überhitzten als im FT3 - obwohl es eigentlich kühler war.

Also Vorteil Mercedes im Rennen?

Nicht wenn es nach Toto Wolff geht: "Unser größtes Problem ist, dass wir in den Longruns mehr überhitzt haben als der Red Bull. Und die einen zweiten harten Reifen haben", sagt er. "Rein von der Strategie her haben sie sicher einen Vorteil, und auch vom Set-up des Autos. Aber es ist mal ein guter Start heute."

Außerdem: Beim letzten Rennen, bei dem die Reifen der Schlüssel zum Sieg waren, in Silverstone, war Verstappen ebenfalls stark. Bahrain wird für Mercedes wohl kein Spaziergang.

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Wie lief's hinter den Top 3?

Wie erwartet ging es im Verfolgerfeld denkbar knapp zu. Zwischen Albon auf P4 und Pierre Gasly (AlphaTauri) auf P8 lagen nur 0,174 Sekunden. Sergio Perez (5./Racing Point) hatte Glück, dass die FIA heute keine Track-Limits mehr ahndete. In Kurve 4 wäre es für ihn sonst knapp geworden.

Daniel Ricciardo (Renault), verpatzte seine erste Q3-Runde, fuhr aber eine bessere zweite und schob sich damit noch an Teamkollege Esteban Ocon (7.) vorbei. Der Australier holte mit 1,153 Sekunden Rückstand P6. "Mit meiner letzten Runde war ich zufrieden", sagt er.

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Wo hat Vettel den Einzug in die Top 10 verpasst?

Der Ferrari-Routinier war das ganze Wochenende schneller als Charles Leclerc. Als es drauf ankam, schmolz Vettels teaminterner Vorsprung aber. Am Ende setzte er sich um 0,016 Sekunden durch. "In Kurve 4 habe ich ein bisschen Zeit verloren", ärgert sich Leclerc, der dem Ergebnis aber auch etwas Positives abgewinnen kann: "So haben wir morgen zumindest freie Reifenwahl."

Vettel glaubt, dass sein erstes Top-10-Qualifying seit Silverstone möglich gewesen wäre. Noch während seiner Out-Lap funkte er: "Ich hatte ein paar Wackler dabei. Arrg!" Der Mittelsektor sei "nicht ideal" gewesen, analysiert der Deutsche, weil er "zu dicht hinter George Russell" fuhr und das Anpressdruck kostete.

Erstaunlich mag anmuten, dass er seine letzte Q2-Runde nicht auf Soft, sondern auf Medium fuhr. Da war Ferrari diesmal aber keine Ausnahme. Der Soft habe "keinen Sinn" gemacht, "weil er nicht lange hält". Das handhabten praktisch alle Teams so.

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Was war mit Stroll los?

In vier der letzten fünf Qualifyings musste Lance Stroll bereits in Q2 die Segel streichen. Auch in Bahrain. Dabei war er zuletzt in Istanbul noch auf Pole gestanden. Als sein 13. Platz feststand, funkte er: "Misskommunikation. Darüber reden wir später."

Im Nachhinein klärte sich die Panne auf: "Wir hatten die falschen Reifen drauf", sagt Stroll. "Es war einfach schlechtes Timing, weil wir wegen der Unterbrechung nur einen Run fahren konnten. Da ging nur ein Run, und der war auf dem gebrauchten Satz Medium aus Q1. Wir sind damit eine Runde gefahren, bis die rote Flagge kam, und dann sind wir nochmal damit raus, als die anderen einen weiteren frischen Satz hatten."

Seinem Team macht er deswegen keinen Vorwurf: "Wir müssen nur daraus lernen."

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Was war der Grund für Sainz' Abflug Q2?

Carlos Sainz (McLaren) drehte sich gleich zu Beginn von Q2 beim Anbremsen von Kurve 1 von der Strecke. Die Gummispuren auf dem Asphalt zeigten an, dass das kein Fahrfehler war. "Wir müssen das erst analysieren", sagt Teamchef Andreas Seidl. "Ich glaube, dass die Hinterachse blockiert hat. Carlos konnte nichts dafür." Eine Weile nach dem Ende des Qualifyings stand erst fest: "Wir können bestätigen, dass die Ursache ein Versagen der hinteren Bremsen war."

Der Grund für das Blockieren der Hinterachse muss das Team erst untersuchen. Fix ist: Die Session wurde wegen des stehenden Autos für ein paar Minuten unterbrochen. Bitter für alle anderen, die ihre schnelle Runde schon begonnen hatten. Kein einziger Pilot schaffte es, die Runde vor der roten Flagge zu Ende zu fahren. Mit nur noch 9:10 Minuten Restzeit ging also wieder alles von vorne los.

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Gab's weiter hinten Überraschungen?

Als in Q2 alle auf die Mediums gingen, weil der Soft für das Rennen unbrauchbar ist, witterte George Russell (Williams) offenbar die Chance auf fünf Minuten Ruhm. Er blieb auf dem Soft, um vielleicht eine Minichance auf Q3 zu haben. Hatte er aber nicht. P14 ist trotzdem ein respektables Ergebnis. Im Qualifying-Stallduell bleibt er ungeschlagen. Nicholas Latifi wurde Letzter.

Und die Ferrari-Kundenteams?

Dass nur Latifi langsamer war als Alfa Romeo und Haas beweist, dass das Ferrari-Chassis im Verhältnis gar nicht so schlecht sein kann. "Bahrain ist eine Powerstrecke", erklärt 'Sky'-Experte Karun Chandhok. Das war heute deutlich zu sehen.

Kimi Räikkönen (17.) blieb drei Zehntelsekunden hinter Antonio Giovinazzi und schied in Q1 aus. Bei Haas war Kevin Magnussen um ein paar Tausendstelsekunden schneller als Romain Grosjean. Der klang am Boxenfunk ungewöhnlich versöhnlich: "Ich habe alles gegeben, Kumpel, und es dabei vielleicht ein bisschen übertrieben. Ich wollte es genießen."

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Wo gibt's das Rennen zu sehen?

Erstmal gibt's im Ticker "Paddock live" auf Motorsport-Total.com und Formel1.de noch bis in den Samstagabend hinein aktuelle Reaktionen aus dem Fahrerlager in Bahrain. Rennstart ist am Sonntag um 15:10 Uhr deutscher Zeit (Hier geht's zum TV- und Livestream-Zeitplan!).

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