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Erstes Feedback: Was taugen die neuen Pirelli-Reifen wirklich?

Mehr Grip, höhere Haltbarkeit, einfaches Handling: Die 2017er-Reifen von Pirelli halten ihrem ersten Härtetest stand - In diesen Punkten schlagen sie ihren Vorgänger

(Motorsport-Total.com) - Eine komplett neue Reifen-Generation soll die Formel-1-Saison 2017 schneller und zugleich zuverlässiger machen. Erste Hinweise darauf, ob sich diese Hoffnung erfüllen wird, gab der Wintertest der Königsklasse in Barcelona diese Woche. Nachdem an den ersten drei Tagen die verschiedenen Mischungen der Trockenreifen getestet wurden, kommen am letzten Testtag die Regenreifen und Intermediates auf den Prüfstand.

Pirelli

Die Formel-1-Pneus für 2017 hielten in Barcelona, was Pirelli versprach Zoom

Mario Isola, Formel-1-Projektleiter von Pirelli, zieht bis dato ein positives Fazit: "Das erste Feedback der Fahrer war gut. Zwar kann das Aufwärmen mit diesen Reifen schon mal etwas länger dauern. Aber es war okay und zu managen, das haben uns alle Teams bestätigt", sagt der Italiener im Gespräch mit 'motorsport-total.com'. Dabei seien die Bedingungen für die Feuertaufe der neuen, breiteren Pirelli-Pneus nicht optimal gewesen.

"Wir sind unter verhältnismäßig kühlen Bedingungen gestartet, aber dann wurde es besser. Zur Tagesmitte hatte der Asphalt 26-27 Grad Celsius. Das entspricht natürlich nicht dem, was wir für das Rennen erwarten. Aber es ist etwas, mit dem man arbeiten kann", schätzt Isola ein. Auch bei diesem Wetter zeigte sich das veränderte Verhalten der 2017er-Reifen, bei deren Entwicklung neben der Leistung vor allem die Konstanz im Vordergrund stand.

2017er-Reifen von Pirelli: Weniger Abbau und Graining

So erklärt der Pirelli-Experte: "Es fühlt sich alles etwas flacher an. Die Fahrer spüren ein gewisses Maß an Grip, das hält sich dann aber auch über passable Longruns. Mit den weichen Reifen wurden zum Beispiel 20 Runden und mehr zurückgelegt. Das ist ein gutes Resultat, der Abbau war sehr niedrig." Auch in puncto Überhitzung habe es keine Beschwerden gegeben, und das über alle getesteten Mischungen hinweg.


Fotos: Testfahrten in Barcelona


Einzig die Medium-Reifen hätten insbesondere in Sektor drei, der mit mehr Traktion gefahren wird, etwas an Grip verloren, "aber es war einfach, die Performance schnell wiederzufinden", sagt Isola und erklärt weiter: "Die meisten Teams sind auf Soft- und Mediem-Reifen gefahren. Einige haben die Backup-Mischung genutzt. Hier waren der Grip, aber auch der Reifenabbau etwas höher. Das stimmt mit den Eindrücken aus dem Vorjahr überein."

Die Backup-Reifen hatte Pirelli mit nach Barcelona gebracht für den Fall, dass die neuen Pneus nicht funktionieren. In den Maßen stimmen beide Margen überein, nur basiert die Backup-Lösung auf den Mischungen der 2016er-Generation. Im Vergleich schnitten die 2017er-Reifen aber wie erwartet besser ab. So habe sich das Graining deutlich reduziert: "Wir haben Bilder verglichen und das Niveau ist viel besser geworden."

Zweiter Barcelona-Test: Formel-1-Reifen im Fokus

Selbiges erhofft sich Pirelli beim Thema Abrieb. Denn ein Ziel bei der Entwicklung der neuen Reifen war es, dass diese weniger körnen und stattdessen mehr Gummi auf der Strecke lassen. "Dieser Effekt ist schwer vorherzusagen, weil man dafür einige Autos auf der Strecke braucht", erklärt Isola jedoch. "Bei Reifentests mit ein oder zwei Autos tritt das naturgemäß nicht so stark auf. Das wird hier besser funktionieren."


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Detailliertere Eindrücke und verlässliche Zahlen soll der zweite Barcelona-Test (7. bis 10. März) bringen. Noch sei das Feedback nur vorläufig: "Die Teams konzentrieren sich derzeit auf Aero-Tests, die Arbeit am Setup, die neuen Teile am Auto. Vermutlich nächste Woche wird der Fokus mehr auf den Reifen liegen", weiß der Pirelli-Rennleiter und verrät: "Dann peilen wir für die Zeitdifferenz der verschiedenen Gummi-Mischungen etwa eine Sekunde an."